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alle geglaubt hatten.

Florenz sah mich trauern und trauerte mit mir. Zart schonend entielt man sich lange, mich an mein Versprechen zu erinnern, und schon blühten Rosen auf meiner Schwester grab, als man mich endlich darum mahnte. Zum erstenmale erschien ich nun wieder öffentlich, und die Begeisterung dieses Abends war eine der höchsten meines Lebens.

Viele Männer warben jetzt um mein Herz. Ein russischer Graf unter allen am eifrigsten. Er sah mich Reichtum und Wohlleben zurückweisen, und glaubte mit seiner Hand Alles zu überbieten. Um so grösser war sein Erstaunen, als ich auch diese, wiewohl dankbar, aber gleichfalls mit Lächeln zurückwiess.

Musst ich nicht lächeln, dass Menschen, die ich ihrer Armut wegen bedauerte, mich bereichern wollten? dass der gute Graf, der mich so frei sah, wie ein menschlicher Geist es werden konnte, mich durch vornehme Sclaverei zu beglücken dachte? Begeistert und selig über Tausende schwebend, sollte ich mich da unten, wo es mir vielleicht schon nach Jahresfrist nicht mehr gelang, die Falten seiner flachen Stirne zu verwischen, erhoben glauben! –

Diese unbegreifliche Eitelkeit, welcher ich mehrere seines Standes und Geschlechtes ergeben sah, war eben so wenig, als das Schicksal der unglücklichen Weiber, welche ihrer sogenannten Liebe vertraueten, geschickt, mir eine höhere Meinung von den Männern beizubringen. Beantwortete ich ihre Anträge immer noch mit Lächeln! so war dies vielleicht ein gutmütigerer Ausdruck meiner Empfindung, als sie rechtmässigerweise erwarten konnten.

Gleichwohl war es eben dieses Lächeln, was mir

eine Menge der bittersten Feinde erweckte. Jeder, dessen Wünsche nicht erfüllt wurden, schloss auf einen glücklichern Nebenbuhler, und schrieb es nur der Tiefe meiner Heuchelei zu, wenn er ihn nicht entdeckte.

Oft wurde die Erbitterung allgemein, und mein Un

tergang beschlossen. Ich wusste es; aber vertraute der Kunst. Mit Recht; denn sie verwandelte mehrmals an Einem Abende das ganze Heer meiner Feinde in eben so viele Lobpreiser und Beschützer.

Immer durch die Kunst überwunden, gaben sie es

endlich auf, mich zu verfolgen, und nur dann, als sie dich tiefer als sie Alle erregt sahen, beschlossen sie, dich und Alles, was sie längst verziehen hatten, noch einmal auf das empfindlichste zu rächen.

Ob es ihnen gelungen ist, hast du gesehen. Willst

du mich nun in Frieden scheiden lassen; sie werden meine Ruhe nicht mehr stören.

Gretchen an ihre Mutter.

Herzliebste Mutter!

Was sie mir geschrieben, habe ich nicht recht verstanden. Der Herr Vetter und die Frau Präsidentin sagen aber, das tue nichts, sie habe es nur so in der Angst hingeschrieben, und werde jetzt wohl begreifen, dass ich es nicht verstehen könne. Auch bedeute es Alles nichts anderes, als dass ihr bange sei, ich werde nicht so fromm und gottesfürchtig bleiben, als sie mich hergeschickt habe.

Da sei sie aber nur ganz ausser sorge, herzliebste Mutter! Es ist ja nicht mit mir, wie mit einigen andern unglücklichen Leuten, die nur fromm und gottesfürchtig aus Zwang sind. Ich bin es ja, weil ich meine Freude daran habe, und ist mir ja Alles zuwider, was mich daran hindern kann. Es betrübt mich aber recht inniglich, dass sie nur daran zweifeln und sogar glauben kann, ich würde ganz anders werden. Ach bilde sie sich so was nicht ein, herzliebste Mutter! Ich hab's ihr ja schon gesagt, sie soll gewiss Freude an mir erleben, und ich wäre auch nicht zum Fürsten gegangen, wenn sie es mir verboten hätte. Aber der Herr Vetter und die Frau Präsidentin sagen: sie habe es mir nicht verboten, und die verstehen ja doch ihren Brief besser als ich, wenn ich ihn auch noch so oft lese.

Der Fürst ist zwar wohl manchmal ein wenig hastig und sonderbar; aber doch sonst ein sehr braver Herr. Ich fürchte mich darum auch gar nicht mehr, und sage Alles, wie ich es denke. Es freuet ihn gar herzlich, das kann ich sehen, und wenn er manchmal noch so verdriesslich ister mag auch wohl seine Not habenwird er doch immer heiter, wenn ich komme.

Sehr gut ist's, dass der Herr Vetter einen Garten hat; sonst wüsste ich nicht, was ich dem Fürsten bringen sollte. So aber giebts immer Blumen und Früchte, und der Fürst versichert, es seien die schönsten und wohlschmeckendsten, die er in seinem Leben gesehen und gegessen habe, und die auf seiner Tafel werden ihm ganz zum Eckel.

Wie das nun zugeht, kann ich nicht begreifen. Wenn andere Leute Gastereien geben, suchen sie doch immer Blumen und Früchte vom Hofgärtner zu bekommen, und müssen also wohl wissen, dass es die schönsten sind. Doch was soll man mit solchen grossen Herren anfangen? Man muss nur schweigen, und es so hingehen lassen.

Liebstes Gretchen! – sagte er letzt, als ich eben den Korb vor ihn hinstelltedu bringst mir nun alle Tage so viel Schönes, ja das Schönste, was ich sehe; denkst du dann aber niemals daran, dass ich dir auch etwas dafür geben muss?

Ach, gnädigster Herr! – antwortete ichich bin nur froh, dass ich immer etwas zu bringen habe, und der Tag geht so schnell hin, und ich habe an so viel andere Sachen zu denken, dass mir das noch gar nicht eingefallen ist.

So! – antwortete er sehr ernstaft, stand schnell auf