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aber es musste so kommen, damit ich es Dir wie mir gestand. Nun ist alles aus; der lange, schöne Traum meines Glückes ist aus! Ach und ich habe Dich doch so sehr, so sehr geliebt. Sieh, ich könnte denken Du seist meine Schwester, und mit Dir reden wie ehemals. Aber dann fällt mir's mit Todesangst ein, dass du das nicht bist, dass es sonst anders war, und ich frage mich und Gott und die natur, was Du mir bist. Sage mir, Luise, was bist Du mir denn? Ich könnte über die Frage den Verstand verlieren! Zuweilen ist's auch, als verwirrten sich mir alle Begriffe. Ich fodre Dich dann mit bittrem Trotz vom Schicksal, als mein heiligstes Eigentum; ich will hin zu Dir, ich will Dich fragen, ob Du ein teuer gelobtes Wort brechen, ob Du alle göttliche Ordnung verhöhnen darfst? Ach ich vergesse, dass mein Glück wie mein Recht nur in dem kunstreichen Gewebe zweier geschäftigen Frauen erwuchs, dass mein Sinn zufällig in die Dichtung verstrickt ward, während der Deine sie weit überflog, dass nichts von dem allen wirklich bestand, als meine Liebe, meine qualvolle Liebe, die nun, da die bunten Fäden zerschnitten sind, in meiner Brust ihr Grab findet. Ach Luise, Luise, wie elend sind wir! Ja, Du bist es auch; ich fühle es wohl, wie Reue und sehnsucht zerstörend um Dich kämpfen, wie alles in der Zukunft Dich anzieht und abstösst, wie Du zwischen mir und Fernando, zwischen dem alten, befreundeten Jugendgespielen, dem Liebling Deiner Mutter, und dem heissersehnten, durch Blut und Sünde erkauften, Geliebten dastehst, und bei keinem, keinem die Ruhe Deines Herzens wiederfindest. Armes Kind! wärst Du hier, Dir wäre doch wohl besser! Denn ichsieh, ich würde Dich in meine arme nehmen und mit Dir weinen; wir ständen dann Beide an den Trümmern unsers Glückes! Aber nein, nein, bleib, o bleibe! Ich kann Dich nun nicht wiedersehn. Ich müsste Dich ja fragen, was Du mir bist? und das weissst Du nicht, und ich nicht, und kein Gott kann mir's sagen.

Mir war leichter, als ich anfing mit Dir zu zu reden. Nun zieht sich wieder alles dicht um mich her; ich kann kaum atmen! Lebe wohl! ach lebe tausendmal wohl, Du schöne Frühlingsblume meines Lebens, Du hast Dir wie mir gelogen, der Sommer bleibt wohl ewig fern! Wärst Du tot, ich könnte sagen, was vergangen, ist dennoch gewesen; aber so ist nichts vergangen und nichts gewesen, und das süsseste Glück meines Lebens, ja mein ganzes Dasein, ist nur ein neckendes Traumgesicht. Noch schwebe ich oft am goldnen Saum des Traumes zwischen Wachen und Schlafen; wenn nun aber der volle bleibende Tag hereinbricht, dann muss ich vergehn wie alle Truggestalten der Nacht. O es ist erschrecklich, Luise, wenn uns die Vergangenheit so zur Lüge wird und wir hinter uns in das öde Nichts sehen!

Ich sollte Dir das alles wohl nicht sagen, aber Du fühlst es, um der Wahrheit willen, die in Deiner Seele ist und die nichts daraus verdrängen kann. Auch bestand ja von je mein lebendigstes Denken aus innren an Dich gerichteten Worten. Gönne mir noch eine Zeitlang die liebe Gewohnheit, sie ist mir zur natur geworden.

Vielleicht freuet es Dich, wenn ich Dir sage, dass der Mönch seine Liebe und Sorgfalt zwischen mir und dem wiedergefundnen Sohne teilt. Du weissst ja wohl? oder weissst Du nicht? Er meint ja, Du habest die letzten Worte gehört, und seiest erst, nachdem Fernando fiel, verschwunden. Ja wohl, verschwunden! Vergebens strecke ich meine arme nach Dir aus; das Luftbild ist zerronnen, meine Luise bleibt ewig fern.

Man sagt, Du seiest krank. Ich kann das wohl begreifen; und doch erschrickt's mich nicht wie sonst. Der Tod scheint mir so wünschenswert, so lösend und beruhigend. Ganz anders fühl' ich die Schmerzen Deiner Seele."

Luise ward für den Augenblick ruhiger. Fernando lebte, Julius redete zu ihr, keines seiner Worte verdammte sie, ihr Vergehn erschien ihr weniger gross, seit der Ausgang der letzten begebenheiten milder war als sie fürchtete.

Nach und nach ward es heller in ihrer Seele. Sie konnte das Einzelne festalten, ansehn und erkennen. Nur war ihr die Zeit zwischen jenem blutigen Ereigniss im wald und ihrem jetzigen Erwachen ganz entfallen. Sie sann lange darauf, wie sie hieher gekommen sei, konnte aber nichts als einzelne vorüberfliegende Erinnrungen auffinden.

Mariane sass indess unermüdet zu ihren Füssen und schien bereit, das lange Schweigen auf den ersten Wink zu brechen. Daher schöpfte sie tief Atem, als Luise sie nach den nähern Umständen ihrer Reise befragte, und erwiderte, nachdem sie die letzten Ereignisse noch einmal überflog: Lieber Himmel, gnädge Gräfin, das ging alles so wunderlich zu, dass ich's noch heute am Tage nicht zu erklären weiss. Es war fast Mitternacht, als ich Sie vorigen Mittewochs ausgekleidet hatte, und mich ebenfalls anschickte, schlafen zu gehen, da trat Georg noch zu mir in die stube, setzte sich still in einen Winkel und sagte lange kein Wort. Ich wusste nicht, was das zu bedeuten hatte, und sah ihn verwundert an. Jungfer, sagte er endlich halblaut, es geht