frommen, Gesprächen waren sie zu dem Schloss gekommen, wo der König eine grosse Freude über die Rettung seiner Prinzessin Tochter bezeugte, ohne nur im geringsten zu ahnen, was sie im wald mit dem Ritter Adelhof könne verabredet haben.
Von diesem Tage an lebten die beiden jungen Leute in aller züchtigen Liebe und Ergötzlichkeit unterschiedliche Monden hintereinander sonder Störung fort. Wenn es auch bisweilen geschah, dass bei dem Ritter, wie es der Männer Art ist, ein ungeduldiges Feuer aufgehn wollte, so wussten doch alsbald die sittigfreundlichen Blicke der Jungfrau die ungestüme Lohe dergestalt zu bezähmen, dass nur ein stiller, labender Schein daraus übrig blieb, dessen niemand als sie selbst wahrnehmen mochte. Der Ritter ward mit jedem Tage frömmer und linder gegen Menschen sowohl als jede andre Creaturen, und wenn er einen deutsamen Gruss von seiner Herzliebsten gewonnen hatte, schien es gar, als lächle der Himmel selbst aus allen Zügen seines Antlitzes.
Ein so recht paradiesisches Erquicken jedoch kann auf unsrer Erde nicht von langem Bestand sein. Es verbreitete sich nach kurzer Zeit das Gerücht, als habe der König seine Tochter an einen benachbarten Prinzen verlobt, welcher auch gleich darauf selbst an den Hof kam, öffentlich in den Farben der schönen Jungfrau prangend, und überhaupt weder seine Werbung noch die Begünstigung des Brautvaters im geringsten verhehlend. Wie da dem armen Ritter Adelhof zu Mut gewesen sei, kann leichtlich ein jeder selbst ermessen, sofern er nur einmal die ergötzlichen und doch auch oft so schmerzlichen Blumenketten der Minne getragen hat. Wenn dem Ritter auch kein Zweifel an die Beständigkeit seiner tugendhaften Liebschaft in den Sinn kam, so wusste er doch auch recht gut, wie weit eines gekrönten Königs Arm reiche, und wie schwer es halten müsse, durch einen so hartnäckigen und vielfach unterstützten Willen zu brechen. Doch tröstete er sich damit, dass es auch kein Leichtes sei, getreuer Liebe einen Kampf abzugewinnen, und dass seine Gegner daher wenigstens eben so schwieriges Spiel vorfänden, als er. Entschlossen, das Alleräusserste mit tausend Freuden zu wagen, trachtete er nur darnach, wie er seiner geliebten Prinzessin von diesen Gedanken Nachricht geben und gehörige Abrede treffen möchte.
Auf einem Turniere, das man dem fremden Brautmann zu Ehren angestellt hatte, gebrauchte sich der Ritter Adelhof so männlich, dass man ihm vor allen Anwesenden den Preis zuerkennen musste, und zugleich die Ehre, am Abende den Reihen mit der Prinzessin zu beginnen. Das war es eben, was er so eifrig gesucht hatte, und während nun die Musik recht kunstreich und gewaltig durch den Saal schmetterte, er aber mit zierlichgemessenen Schritten neben der Jungfrau hertanzte, nahm er gelegenheit, ihr auf eine geschickte Weise zuzuflüstern, wie er Willens sei, sie am folgenden Abend zu entführen, der Hoffnung, dass sich jenseit des Meeres Sicherheit und ein bessres Glück antreffen lasse. Sie aber entgegnete voller Schrecken: Wie sollte ich ein so grosses Uebel tun, und als eine unverehelichte Magd heimlich mit Dir aus dem haus meines Vaters wegziehn! – Adelhof sagte mit herzlichem Bedauern: ich merke leider schon, wo das hinaus will. Die Pracht des Fremden hat Dein Gemüt befangen, und Du möchtest des armen Edelmanns nun gern entledigt sein. – Nicht also, sprach die Jungfrau. Keinem andern Mann als Dir will ich jemals angehören, aber auch ein reines, fleckenloses Weib bleiben, so weit es einem sündigen Menschenkinde möglich ist. – Ach, bedenke Dich wohl, was du tust, sagte der Ritter. Du stössest ein getreues herz von Dir, denn wenn Du nicht einwilligest, mit mir von hinnen zu ziehen, so erwähle ich mir selbst die Verbannung aus diesen Landen, allen glatten Worten unvertrauend, die so übel mit der Tat zusammenstimmen. – Was recht und ehrlich ist, soll geschehn, mehr aber nicht, sagte die Jungfrau, und damit hatte eben der Tanz ein Ende genommen. Sie mussten von einander gehen, ohne dass sie die gelegenheit finden konnten, ihre Angelegenheiten des weitern zu besprechen. Der Ritter sah die Jungfrau wohl bisweilen flehend an, in Hoffnung, irgend eine günstigere Entscheidung aus ihren Augen zu schöpfen; aber ob sich diese gleich vielmals mit recht perlenglänzenden Tränen füllten, wiegte sich doch das schöne Haupt dabei leise verneinend hin und her, daraus wohl abzunehmen stand, wie es bei dem einmal gefassten Entschluss bleibe.
Sich selbst und Alle scheltend, die jemals ihr Vertrauen auf das eitle Gemüt eines Weibes gesetzt, verliess der Ritter den Tanz, in Willens, mit dem frühsten Morgen davon zu reiten, je weiter je lieber, von einer Gegend, wo es ihm mit seinen liebsten Wünschen so widerwärtig gegangen war. Dessungeachtet kamen ihm mit dem hellen Morgenrorh andre Gedanken zurück. Er meinte, wie doch immer Licht aus Nacht entspriesse, möge es auch wohl mit seinen Schicksalen ergehn, die Jungfrau habe sich vielleicht ihr furchtsames Verweigern schon längst gereuen lassen, und es komme nur auf einen kühnen Versuch an, sie für seinen Entwurf zu gewinnen. Dieses Vertrauens voll, richtete er Alles zur Reise ein, ohne sich dabei einer lebendigen Seele anzuvertrauen, erhandelte auch unter anderm Vorwand einen leichten Zelter mit bequemem Geschirr für seine schöne Genossin, und harrte ganz allein, die beiden Rosse am Zügel, unter ihren Fenstern, bis er an dem Lampenschimmer vermerken konnte, sie sei nun von dem Nachtmahle zurück gekehret und allein in ihrem Gemach. Da begann er folgende Verse zu singen:
Nicht allzuhoch die Fensterwand,
Strickleiter in des Liebsten Hand;
Ein Wink aus Liebchens Fensterlein