Professor und dessen beiden Anhängern, dem Engländer und Herrn Aaron, die Uebrigen nicht begleitet hatten. Fernando beschäftigte sich ausschliessend mit dem Maler, und andrer Seits hatte man das Ansehen, auch nicht viel auf ihn zu merken. Doch nach und nach ward die Unterhaltung allgemeiner, wenigstens verschmähete es keiner, in das Gespräch des Andern einzugehn. Stein konnte sich nicht genugsam über die Herrlichkeit des altväterlichen Gebäudes und dessen romantische Umgebungen auslassen. Nur blickte er mit einer Art von Unmut auf den modernen Glanz, der ihn umgab. Das ist deutsche Sitte heutiger Zeit, sagte der Maler, das sollte Sie nicht mehr befremden. Warum, fragte Fernando, machen Sie den Deutschen allein diesen Vorwurf, da er jede Europäische Nation fast in gleichem Maasse trifft? Finden Sie in Italien nicht auch das Alte mit dem Neuen gepaart, ohne dass es unangenehm auffällt? Das ist ganz etwas andres, unterbrach ihn Stein. Dort ist Vegetation, Kultur, Kunstsinn, ja der Charakter der Kunst, durch viele Jahrhunderte gleich geblieben, keine der heutigen Erscheinungen ist in sich widersprechend mit ihren Umgebungen; aber wenn wir zu unsern alten, auf rauhem Boden erwachsnen, Eichen, zwischen den Steinmassen, die ein Riesengeist auftürmte, die Griechheit hinüberziehn und diese noch mit französischem Schimmer bedecken wollen, so ist das wohl ein Uebelstand zu nennen. Dann werden wir nur die ehrenwerten Denkmäler schleifen müssen, sagte Werner, denn in der Nachbarschaft wird sich bald ein Häuschen finden, das, nach modernem Massstab erbauet, nicht zu ihm passt. Niemand darf sich einfallen lassen, es bewohnen zu wollen, denn niemand schickt sich dort hinein, nicht der Hausherr, nicht die Frau, nicht die Gäste. Was hülfe es Ihnen, wenn hier alles nach alter Weise, derb und tüchtig zugeschnitten wäre, und wir mit den französischen Kleidern und den Pigmäengestalten herumliefen, die Damen mit griechischem Kopfputz und üppigen Gewändern am Arm. Julius sagte hierauf, dass er sie alle mit Rüstungen und Waffen versehen könne, da sich noch eine vollständige Rüstkammer im schloss befinde, worüber Stein eine grosse Freude hatte, die noch erhöht ward, als er auch von einem künstlich ausgelegten Schrein hörte, welcher teils alte Handschriften, teils schon gedruckte Erzählungen und Legenden entalte. Er versprach sich davon eine reiche Ausbeute für den folgenden Tag, welche Aeusserung Carl mit einem mitleidigen Achselzucken begleitete, und sich ordentlich mit einer Art von Geringschätzung von ihm abwandte.
Die Baronin fand bald Geschmack an Fernandos
Unterhaltung, der sich sehr eifrig um sie und Emilien bemühte. Je länger sie ihn ansah und sein Lächeln und Mienenspiel beachtete, desto auffallender fand sie eine Aehnlichkeit zwischen ihm und der verstorbenen Gräfin Falkenstein, was sie auch Luisen sogleich mitteilte. Mit Viola, dachte diese – ihre Augen hefteten sich unwillkührlich auf die seinigen, und das kleine Bild aus der Kapsel schien wachsend und belebt vor sie hinzutreten, so dass die beiden Gestalten sich auf eine ängstende Weise in ihrer Phantasie verschmolzen. Die Worte der Baronin sollten nun einmal auf alle Weise ihre Unruhe vermehren. Alles was sie von Julius Mutter hörte, ihre Liebe und ihre Leiden, der ganze herbe Kampf ihres Lebens, alles erwachte in ihr. Als sie allein war, warf sie sich auf ein Ruhebett, das Viola besonders liebte, und den Kopf in die Kissen verbergend, dachte sie, wie viel tausend Tränen mögen hier geflossen sein, wie oft mag das arme Herz hier umsonst Ruhe gesucht haben. Sie bemühete sich, das Bild der Gräfin festzuhalten; allein Fernando trat unaufhörlich dazwischen. O warum, warum! rief sie aufspringend, warum diese unglückliche Aehnlichkeit! bedurfte es dieser Täuschung noch? Sie wollte sich so gern überreden, dass die Baronin falsch gesehen und sie mit in den Irrtum befangen habe, daher eilte sie, nach dem elfenbeinernen Kästchen zu fragen, das sie bis dahin vergessen hatte; allein es fand sich, dass es in den Zimmern ihrer Mutter stehen geblieben war, welche niemand wieder nach deren tod betreten hatte. Diese Erinnrungen, das Andenken an den ernsten, furchtbarsten Moment ihres Lebens, weckten andre Vorstellungen in Luisens Seele. Sie weinte still vor sich hin, weich und hingebend, ohne eigentlichen Vorsatz und Willen, aber doch in reinem, heiligem Gefühl.
Am andren Morgen war Carl der Erste, welcher sich von den angekommnen Fremden sehen liess. Mit grossen Schritten ging er im Vorhofe auf und nieder, bis ihn Julius nötigte, herauf zu kommen. Nein, sagte er im Hereintreten, lieber will ich in einer Synagoge schlafen, als neben solchem welschen Teufel; hat er nicht gestern Abend mit seinem Schurken von Bedienten geschabbert, dass mir noch die Ohren gellen, so will ich nicht selig werden. Zu Anfang liess ich mir es gefallen; wie aber das ausländsche Geleiere nicht aufhörte, warf ich meinen Pantoffel gegen die Tür, dass alles so krachte; glauben Sie, dass sie sich stören liessen? recht wie die Mäuse, waren sie einen Augenblick still, und dann ging es wieder, hast du nicht, so siehst du nicht. Luise musste trotz ihrer innren Verstimmung über diesen komischen Zorn lachen. Na, fuhr er fort, und wie der Bediente heraus war, kam der Maler hinein, da wisperten sie eine Weile leise, nachher ging es aber wieder lustig zu, doch sprachen sie deutsch, denn ich hörte die Baronin nennen, und den Italiener sagen, ich bin der Frau grössere Verbindlichkeiten schuldig als irgend jemand ahndet; dann kam was