, das voll Entsetzen zu mir hereinstürzte. Ich sprang wie betäubt unter sie; verworrene, dunkle Worte, Tränen, lautes Jammern umfing mich von allen Seiten und riss mich zu dem Cabinet meiner Tante. Nein, niemals, niemals wird mich das Entsetzen jenes Augenblickes verlassen! – Er fasste Luisens beide hände und bedeckte sein Gesicht, auf welchem alle Schrecken jener Erinnrung lagen. Ich fand sie tot – sagte er nach einem augenblicklichen Schweigen, mit stockender, verhaltener stimme, tot – ermordet, die schönen hände gebunden, alle Zeichen eines gewaltsamen Ueberfalls und der schändlichsten Beraubung ihrer Kostbarkeiten um sie her. Der Fremde, der Fremde, tönte es wie aus einem mund von den Umstehenden. Ich weiss nicht, warum mich dieser Verdacht mehr als die Tat empörte. In der höchsten Wut stritt ich dagegen, sank indess bald darauf erschöpft und bewusstlos zu den Füssen meiner geliebten Freundin, von der man mich, ohne ein Zeichen des Lebens, den Gefahren einer langen Krankheit entgegenführte. Als ich endlich genas und die Erinnrungen des Vergangnen langsam wieder hervortraten, sagten mir meine Freunde, jene grauenvolle Tat wiederhole sich auf ähnliche Weise, fast jede Nacht, in den angesehensten Häusern Neapels. Eine ängstigende Scheu liege auf den bleichen Gesichtern der Einwohner, die still auf den Strassen hinschlichen, ohne Lust und Mut, einander anzureden. Niemand traue dem geliebtesten Freunde, die Häuser blieben verschlossen, und gleichwohl glaube man an eine unsichtbare Gewalt, die dem angstvoll Schlafenden überfalle und das frischeste Leben schnell beende. Nötigen Vorkehrungen gemäss, habe man auf blossen Verdacht hin, eine Menge Personen in Verhaft gezogen, ohne gleichwohl irgend eine zuverlässige Spur aufzufinden. Ich dachte sogleich an den Unbekannten, und mit einer Angst, die unbeschreiblich ist, forschte ich, ob er sich unter den Beschuldigten befände. Allein niemand wusste etwas von ihm. Die Leute im haus meinten, er sei gar nicht sichtbar in der Stadt geworden, kein Mensch wolle ihn gesehen haben. Ich ward wieder ruhiger, und liess in einer Art von Dumpfheit, die wohl noch Folge meiner Krankheit war, alles um mich her geschehen, ohne sonderlichen Anteil zu nehmen, als eines Tages die Haushälterin der Markise im höchsten Unwillen zu mir hereintrat und mit Tränen sagte: das Maass der Leiden dieser armen Stadt sei gefüllt, da auch die geprüfteste Unschuld nicht mehr vor erniedrigendem Verdacht sicher sei. Sogar der arme Schuster, fuhr sie fort, hier im Nebenhause, dessen stilles, heiliges Leben wohl manchem ein Vorwurf sein mochte, ist diesen Morgen, da er sich zufällig mit mehrern seines Gewerbes in der Herberge befand, aufgegriffen und eingezogen worden. Ich kannte den Mann sehr wohl; er gehörte zu den Frommen Neapels, und war sowohl wegen seines strengen, entaltsamen, Wandels berühmt, als wegen der erschütternden Reden, die er öfters dem volk auf den Strassen hielt. Er redete in wahrhafter Verzückung mit einem Feuer und in so phantastischen Bildern, dass man unwillkührlich hingerissen ward, weshalb er denn auch in den vornehmsten Häusern Zutritt fand. Ich tröstete die bekümmerte Frau, der er wohl oft das Herz mochte erweicht haben, mit der allgemeinen achtung, die Antonio genoss, und versprach ihr, mich noch persönlich wegen seiner Freilassung zu verwenden. Der gang des Rechts ist indess langsam, die Anhäufung der Klagen und Fürbitten war so gross, die ganze Verhandlung so dunkel, dass es mir erst nach vierzehn Tagen gelang, Antonio zu befreien. Seine Anhänger erwarteten ihn mit stürmischer Freude an den Türen des Gefängnisses. Er trat mit ernster Ruhe unter sie, und duldete es nicht, als man ihn im Triumph nach haus führen wollte; indess geschahen mehrere Tage hindurch förmliche Wallfahrten nach seiner dunklen, öden wohnung, in der er sich eingeschlossen hielt. Man nahm allgemeinen Anteil an dieser kleinen Begebenheit, und ward eben so sehr allgemein bestürzt, als es verlauten wollte, dass der Verdacht gegen den Schuster aufs neue erwache, da während der ganzen Zeit seiner Gefangenschaft kein Mord geschehen, die blutige Tat indess an einem der vornehmsten Richter in der Nacht nach Antonios Freilassung verübt sei. Ich, wie Mehrere, erklärten dies für einen Zufall. Man ward dennoch aufmerksam, beobachtete ihn, forschte nach seinem Tun und Treiben, ohne jedoch etwas zu entdecken. Ein fremder Rechtsgelehrter hatte den Einfall, den Angeklagten mitten in der Nacht überfallen, aus dem Bett reissen und vor das Gericht führen zu lassen. Halb vom Schlaf befangen, aus den unruhigen Träumen eines bewegten Gemütes in die fremde Wirklichkeit hinübergezogen, trat Antonio vor die ernste Versammlung der Richter. Sein Gleichmut verliess ihn, er fand keinen Ausweg, und bekannte, dass er seit zwei Monaten fast jede Nacht, allein, ohne eines Menschen Wissen, in die Häuser der Reichen, deren geheime Zugänge er kenne, gedrungen, sie ermordet und beraubt habe. Eine so ungewohnte Erscheinung veranlasste tausend Nachforschungen, was diesen Frevel in ihm veranlasst habe. Er sagte darauf immer dasselbe: vom Guten zum Bösen, wie von der Demut zum Uebermut, führe oft nur ein Schritt. Die Eitelkeit habe ihn in des Teufels arme gelockt. Als er keine Rettung sah, stiess er sich den Kopf an den Mauern seines Gefängnisses ein.
Als Fernando hier endigte, die Eindrücke der Erzählung in eines Jeden Brust hin und her wogten, und niemand ein beruhigendes Bild festalten und den inneren Aufruhr stillen konnte, bemerkte Julius ihnen gegenüber den Mönch, der, mit verschränkten Armen an einem Baumstamme gelehnt, wohl schon