Caroline de la Motte Fouqué
Die Frau des Falkensteins
Ein Roman in zwei Bändchen
von der Verfasserin des Rodrich
Erstes Bändchen
Zueignung
Mit der Bescheidenheit gesenkter Wimper
Tritt vor die hohe, königliche Herrin
Die Frau des Falkensteins verlegen hin.
Sie fühlt sich ihr genaht durch das Geschlecht,
Das zarte, weibliche, dem sie gehört;
Genaht ihr, weil auch sie den Namen trägt,
Den unsre Königin ihn führend ehrt.
Doch ach, wie fern, wie fern in Allem sonst!
Mich Frau des Falkensteines traf der Himmel
Barmherzig, aber strafend, mit Gewittern,
Abbrennend mir des schwachen Herzens Schuld.
Und wenn auch um die schöne Königin
Gewitter einst sich hoben, Blitze zuckten,
So war es nur glorreiches Prüfungsfeuer,
Aus dem das Gold, vorher schon rein und klar,
Gleich rein und klar hervorgeht, unverwandelt.
Daher auch scheidet streng' sich meine Bahn
Von jenen seegensreichen, freud'gegen Wegen,
Zu denen trüb' mein blick hinüberstreift.
Ich, aus des Unheils Gluten kaum gerettet,
Trat still ergeben in die Klosterwelt
Der Abgeschiedenheit und der Entsagung;
Kein zartes Kind hat Mutter mich gegrüsst.
Der Herrin blüht nach finstrer Wetternacht
Ein Frühlingsmorgen wundersam hervor,
Als holde Kinder leuchten um sie her
Viel künft'ge Helden, rühmliche Regenten,
Und künft'ger edler Frau'n ein schöner Kreis.
O, reicher Seegen zeigt sich meinem blick
In ferner Jahre labendem Gefild!
Was Deine Völker beten, hohe Kön'gin,
Dein Heil und Deines Stamm's, es wird erhört,
Denn Reinheit, frommer Mut und edle Huld,
Die in der Prüfungszeit Dich treu umwallten,
Sie bringen nun des gottgesandten Lohnes
Frischlaub'ge Kränz' aus Paradiesesland.
Erstes Buch
Komm, ich bitte Dich, rief Matilde, indem sie ein verhülltes Körbchen in die Höhe hielt. Wüsstest Du – Luise flog den Lindengang hinunter, in dessen Schatten die geliebte Mutter, durch kränkelndes Unvermögen gehalten, sie unruhig erwartete. Der Wind strich spielend durch die Zweige und hob das Tuch, ehe noch Luise jenes geheimnissreiche Körbchen ergreifen konnte. Ein reiches Stirnband blitzte ihr wie tausend Liebesblicke daraus entgegen. Geschenke von Julius, rief sie, und sank überrascht zu den Füssen der Mutter, die behaglich die hellen Steine zwischen den braunen Locken der Tochter spielen liess. Luise küsste gerührt die schönen hände, die so oft in lieber Ungeduld ihre Lippen streiften. Das schwindende Leben in Matildens Zügen, ihr naher Tod und der bräutliche Schmuck, der so sichtlich auf die kommende Feier hindeutete, alle Freuden ihres jungen Lebens und der ernste Wechsel desselben, das ganze wunderbare Gewebe der Zukunft schien sich in den Steinen zu spiegeln, die sie schnell wieder verbarg, indem sie bittend sagte: noch nicht, beste Mutter, noch nicht! und als habe sie das goldne Band gedrückt, so strich sie die Locken aus der Stirn und liess sich anmutig von den streifenden Lüften kühlen. Wie seltsam! sagte die Mutter, sie unruhig betrachtend, Du fragst nicht einmal, wie Dir die reichen Gaben kommen, und ob sie nicht irgend ein geliebtes Wort begleitet? So, – fiel Luise zerstreut ein: hat er geschrieben? Ja lies nur, du unstätes Kind, erwiderte Matilde, indem sie ihr ein offnes Blatt hinreichte. Luise ward bei dem Anblick der festen, sichren Schriftzüge, die ihr den gehaltnen Sinn des ernsten Mannes so klar aussprachen, plötzlich gesammelt, und eine innre Aengstlichkeit kaum beachtend, gab sie sich gern dem Dank und der Rührung hin, die folgende Worte in ihr erregten.
"Ihre Hand, geliebte Mutter, möge meine Luise mit dem Schönsten zieren, was ich für sie auffinden konnte. Sah ich doch immer mit Entzücken, wie sich das mütterliche Auge in dem Glanz des aufblühenden Kindes belebte, und wie jedes Gefühl durch diese heilige Liebe erhöht wird. Darum lege ich auch heute all mein Wünschen und Hoffen einzig an Ihr Herz, und bitte Sie, es so erfreulicher vor Luise hintreten zu lassen.
Liebe Mutter, mich quält so oft der Gedanke, dass ich überall nicht fähig sei, ein weibliches Gemüt zu beglücken, am wenigsten ein solches, das sich im zartesten Liebeshauch erschloss.
Der schwerfällige Ernst unsrer Altväter, der auf mir und meinen düstren Umgebungen ruht, und den die Glut meiner italienischen Mutter nur im inneren, wie eine zuckende Flamme, durchbricht, lässt mich so wortarm, so schroff, wo ich voll Liebe die Menschen an meine Brust drücken und das tiefste innerste Leben ausweinen möchte! Oft ist es grade das Gefühl dieser äussren Starrheit, was meine Zunge lähmt und mich in wildem Unmut über die Welt und mich selbst hinaustreibt. Und wie ich dann so einsam hier im dunklen Harzwalde auf mich und den uralten Sitz meiner Ahnen blicke, und es inne werde, dass so wenig modische Macht dem alten Falkenstein ein heitres Ansehn geben konnten, auch mich Jahre langes Reisen und ein bewegliches Leben unter fremdem Himmel unverändert liessen, so denke ich zagend an die lachende Luise und den seltsamen Willen des Schicksals, das uns beide verband.
Sie sehen, der wunderliche Knabe blickt noch überall hindurch, der einst Musik und Kerzenschein verschmähend, ruhig in der nahen Klosterkirche, unter dem steinernen Bilde seiner Ahnfrau schlief, bis Sie und die bunte Schaar der Gäste ihn dort erweckten. Aber es soll nun alles anders werden. Ich eile zu Ihnen und führe Sie und Luisen hieher. Gewiss, Sie dürfen mir keinen Augenblick länger fehlen. Sie allein verstanden mich