Grafen beschrieb.
Die Zeit der befürchteten und gehofften Niederkunft nahete mit dem Eintritt der stärksten Kälte; mit Geschmack hatte er das Wochenzimmer verziert; ein schönes altes Bild, das Christuskind auf dem Stroh in der Krippe, das mit beiden Händen lächelnd nach den Engeln greift, die in der Luft schweben, verzierte die Hauptwand. Die Freundinnen waren arbeitsam, eine grosse Zahl zierlich gestrickter Mützen, gestickter Kleiderchen und gestickten Wiegenzeuges zusammen zu bringen. Mitten in diesen Anordnungen überkam eine schnelle und leichte Geburt die Gräfin. Der Graf war ein paar Stunden in notwendigen Geschäften abwesend gewesen, doch behauptete er, einen durchdringenden Schrei in seinen Ohren gehört zu haben, weswegen er mit Besorgnis nach haus geeilt sei, die aber von dem Anblicke des wohlgebildeten kleinen schreienden Buben, der reinlich auf einer Decke liegend, von allen Hausgenossen angestaunt wurde, zum höchsten jubel überging. Die Gräfin sagte ihm leise, sie würde um keinen Preis der Welt je wieder in die Wochen kommen; doch die andern Frauen erklärten gleich, dass diese Redensart eben nicht im strengen Sinne zu nehmen, vielmehr als ein Eid anzusehen sei, den die Gefahr erpresste, der also gerichtlich ungültig werde. So rot und blau sein Kind angelaufen war, so vermischt alle Züge, doch schien es ihm wunderschön; er konnte es nicht begreifen, wie es seine Frau zur Erhaltung ihrer Schönheit einer Amme übergeben mochte; doch jetzt konnte er ihr in nichts mehr widerstreiten, nachdem sie seinetwegen so viel Schmerzen ertragen. Da sich Dolores bald ganz wohl befand, so wurde die Taufe beschleunigt; dies war immer des Grafen heiligstes Sakrament: es hing mit seiner ganzen Ansicht von der Weltentstehung zusammen. Er wendete die höchste Vorsicht in der Wahl der Gevattern an, und liess im Namen Kleliens ein eben eingesegnetes sehr schönes Mädchen dem Kleinen die hülfegelobende Hand auflegen. Doch verdarb ihm der Geistliche, der seine Aufklärung in einer langweiligen Vorrede beweisen wollte, die ganze Herrlichkeit der heiligen Handlung. (Der Kleine wurde Karl genannt.) Seine Frau konnte sich in das übrige Zeremoniell der Wöchnerinnen noch weniger finden, sie war zu gesund, um sich auf ihr Bette zu setzen.
Zweites Kapitel
Kleliens Verheiratung an den Herzog von A ...
Vierzehn Tage nachher traf Kleliens Danksagungsbrief für die angewiesene Ehrenstelle ein, sie wollte sich nach allen Kräften des Kindes annehmen; zugleich entielt der Brief die unerwartete Nachricht, wie sie einem spanischen Herzoge von A ..., der auch in Sizilien grosse Güter besitze, in Palermo vermählt worden. Sie erzählte, wie sie einander bei einer Wasserfahrt begegnet, wie er in der Katedralkirche an ihrer Seite geknieet, so fromm und bescheiden seine Liebe ihr kund getan; sie rühmte gleich hoch seine Frömmigkeit und seine Talente, die in seiner Schönheit einen herrlichen Tempel gefunden; sie erzählte, wie er ganz Europa durchreist, um den sittlichen Zustand aller Nationen kennen zu lernen; wie er auch ihren Vater gekannt und lieb gewonnen habe, und ihre Muttersprache geläufig rede. – Dolores seufzte in sich bei diesem Briefe; gewiss, dachte sie, wäre ich meinem Wunsch mitzureisen gefolgt, er hätte mich vorgezogen; die weite grosse Welt stände mir dann offen; schon das Spanische in der geschichte wäre ihr willkommen gewesen; aber dieser Glanz eines unermesslich reichen herzoglichen Hauses, in alter und neuer Welt gleich begütert, gleich berühmt, eines Mannes, der in den ersten Stellen seines Hofes Zutrauen genossen, neben dem anständigen, aber mittelmässigen Geschicke eines wohlhabenden Grafen, dessen höchster Ehrgeiz es war, seinen Bauerknaben auf die kürzeste Art etwas geschichte und Lesen zu lehren, den Mädchen Kochen und allen eine gesundere und frohere Art zu leben, der das Hofgehen für einen harten Frondienst hielt: dieser Untergang von Licht zu Schatten blendete ihre Augen, dass sie übergingen. Sie blieb den Abend ganz ärgerlich; der Graf aber, der so kleine Empfindlichkeiten schon in ihr als Vorboten grosser Zärtlichkeit kennen gelernt hatte, nahm es wieder lachend auf, und belohnte es mit der Zärtlichkeit, die sein ganzes Wesen noch immer wie am ersten Tage ihrer Bekanntschaft bei jeder Berührung ihrer weichen durchsichtigen Hand belebte. Den andern Tag entschädigte sich die Gräfin wenigstens damit bei ihren Bekannten, dass sie erzählte von ihrem Schwager, von seinem Reichtume, seiner Pracht, dass er ihr eigentlich bestimmt gewesen, dass sie sich aber glücklich schätze, nicht in so fremde Gegenden wandern zu müssen.
Ein anderer Brief von Klelien, voll treuer lebendiger Beschreibungen ihrer Güter, der Sizilianer, ihrer Feste, ihrer Lebensweise, entielt auch die Nachricht, wie der Herzog sie in Angelegenheiten seines Hofes verlassen; die Trennung hatte sie krank gemacht; seitdem sie genesen, ging sie täglich nach dem Garten eines hochliegenden Nonnenklosters, um über das Meer zu sehen, wo ihr Mann gefahren, und eine Schar Mädchen zu unterrichten, die sie auf den Gütern auserwählt, um sie am Tage der Rückkehr ihres Mannes auszustatten; "das alles", schrieb sie, "kommt nicht aus mir, sondern ist Nachahmung meines lieben Schwagers, dessen Freundschaft mich noch hier zu manchem Guten aufmuntert, worauf ich sonst nicht verfallen wäre." Der Brief beschämte etwas die Gräfin, die immer auf des Grafen Beschäftigungen mit einem eignen geistreichen Hochmute hingeblickt; sie war ihm den Tag ausserordentlich gewogen und wie liebreich sie sein konnte, wenn sie es wollte, das wissen alle Engel, die ihr dann aus den Augen blickten.
Drittes Kapitel
Der Marchese D ...
So abwechselnd wirkte die Schwester mit ihren Briefen