sehen wir sehnend von hier,
Stürzten uns gerne dir nach;
Dich erreichet kein Ach!
Dich erreicht nur die Lust,
Strebend dir nach in der schwimmenden
Brust,
Dich erreicht sie im Meer;
Ach wer dort nur erst wär,
Wo viel tausend der Wellen
Sich in der Sonne gesellig erhellen.
Das Leben ist uns ewig offen, dass wir uns schauend mit seiner Allgegenwart erfüllen, aber wir selbst stehen uns im Lichte mit toter Vorsicht, wie mancher grosse Mann gähnend einem kind im Lichte steht, bei dem Festaufzuge, der das Kind entzückt hätte; könnten wir uns nur überzeugen, dass nichts alt und nichts neu in der Welt, nichts abgetan sei, und nichts erschöpft. – In diesen Gedanken sah ich umher und es fuhren mehrere Wagen an mir vorüber; aus dem einen lachten und winkten mir neckend viel fröhliche Mädchen, und trieben den Kutscher, dass er schnell fahre; im anderen, der sehr bestäubt war, sass ein ernstaftes und doch jugendliches Paar: ein junger Mann und eine wunderschöne Frau; ohne Betrübnis schienen sie doch beide ganz in sich versunken, und sprachen nicht mit einander, und dankten auch nicht meinem Grusse. O Bilder der Ausreise und der Rückreise, dachte ich bei diesen beiden Wagen; jene, wie von einem Luftballe am hellsten Tage zu Regionen ewiger sehnsucht getragen, sehen unter sich die ganze Welt offen liegen; diese wie verwundete Gefangene mögen die bekannte Gegend nicht wiedersehen, die sie kürzlich in Siegeshoffnung fröhlich durchzogen. Den Grafen und die Gräfin verliessen wir auf ihrer Rückreise nach der Stadt; das gleichmässige Stossen des Wagens erweckte in der bekannten Gegend, in dem erregten Zustande, wie sich beide neben einander fanden, sehr verschiedene Nachgedanken und schläferte ihre Unterredung mit einander ein. Die Gräfin erfasste am Schlusse dieser Nachgedanken eine innige Überzeugung, dass kein Landleben ihr Beruf sei, dass es allen ihren geselligen Talenten und Neigungen entgegengesetzt, im folgenden Jahre auch wegen der Erziehung des erwarteten Kindes notwendig abgekürzt werden müsse. Der Graf in seinem Nachdenken erschrak fast, dass er von den arbeiten, die er sich auf der Hinfahrt zu beendigen vorgenommen hatte, nur den kleinsten teil angefangen, und dagegen von tausend Nebensachen zerstreut worden sei. Er bemerkte mit einiger Kränkung, dass die fehlende Mitwürkung seiner Frau ihm einen wirklichen Mangel in aller Ausführung gelassen, den er durch keinen Besoldeten zu ersetzen vermocht; er nahm sich vor, sie ernstlich zur Landwirtschaft zu ermahnen, und sie heimlich zu derselben zu führen. Hier verwunderte er sich, als er sich selbst auf einem klugen krummen Wege überraschte und fand, dass er in dem Laufe seiner Beschäftigungen von der geraden treuherzigen Überredung zum Gebrauche mancher Vorteile, Listen und Klugheiten übergegangen sei, doch mehr im Verhältnisse zu seinen Leuten, als zu seiner Frau. So wusste er schon recht gut, dass Leuten von geringer Bildung nichts so stark, als das Gedächtnis imponiert und in Betrügereien schüchtert; so fasste er deswegen oft unbedeutende Kleinigkeiten auf, um den Leuten bei gelegenheit als ein allwissendes Gewissen zu erscheinen; so wusste er sein Vertrauen oft scheinbar einem Menschen zu schenken, um ihn kennen zu lernen; so wusste er die Feindschaften der Leute nach seinem Willen zu benutzen; kurz, er fand mit grossem Erstaunen, dass seiner Einbildung ganz entgegen, die Bauern in die eignen edlen Gesinnungen hinüber zu überzeugen und zu erziehen, sie ihn in ihrer Klugheit und Umschauung erzogen hatten. Diese Klugheit und Umschauung sind auch Himmelsgaben, wenn gleich unter allen die geringsten, die sich am rohen Menschen zuerst entwickeln und darum von höher Gebildeten wie das Gedächtnis leicht zu sehr verachtet werden. – Der Graf sollte sie künftig nur mehr brauchen. Nachdem sich beide so wüste und müde in sich gedacht hatten, fielen sie einander in die arme, und küssten sich, um ihr Gähnen zu verstecken; niemand sollte sich einen solchen Kuss der Gewohnheit und der Langenweile erlauben, er nimmt allen lebendigen Küssen, die folgen, ihre überzeugende Kraft. Darüber dachten beide nicht nach, beide lebten, so wie sie sich der Stadt näherten, allmählich ganz hinüber, und kaum waren sie angekommen, so erfüllte die Freude des alten Bedienten, der die Aufsicht über Haus und Garten geführt hatte, seine gesammelten Schätze an Früchten des Gartens, die er alle in die Zimmer trug, der Andrang aller Bekannten, die Licht darin gesehen hatten, das ganze Haus. Jeder bemühte sich in der kürzesten Zeit alles Geschehene zu erzählen; das liebe Geheimnis der Gräfin war gleich entdeckt, und es drängten sich viele Frauen mit klugen Mienen an sie, ihr Belehrung zu geben in diesen neuen Umständen. Den Grafen ärgerte etwas dies Geschwätz, dies Heimlichtun, das alle folgende Tage fortdauerte, er überraschte seine Frau sehr bald auf manchem Satze, der ihm in ihrem mund ganz fremd klang; er konnte nicht begreifen, wie sie daran Vergnügen finden könnte, zu hören, wie jene gesäugt, wie diese voraus wisse, ob es ein Knabe oder ein Mädchen sei; doch sein Mitleid mit den Beschwerlichkeiten ihres Zustandes unterdrückte jeden Tadel. Lächelnd dachte er seines Ärgers über den Prediger Frank und dessen zeugende Blicke, weil wirklich übereinstimmend mit dessen erstem Besuche, der Ursprung des geliebten Kindes gesetzt werden konnte, das ihm unsichtbar entgegen pochte, wie ein neues Herz, und dem er mit Ungeduld entgegensah. Dem Prediger schrieb der Graf wirklich einen scherzhaften eifersüchtigen Brief deswegen, den Frank in gleicher Gesinnung recht artig beantwortete, und mit Leidwesen die Öde in dem schloss des