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das oft unverhofft käme, brachte er vor, dass ein junger Graf, wunderlich, halb soldatisch, halb abenteuerlich wie alle Studenten gekleidet, nicht gross, aber von recht feinen Zügen, von dunklen Augen und krausem Haar, auf einem Wege, den sonst jedermann, dem er nicht notwendig, zu vermeiden pflegte, über alte Felsen und Schluchten sich dem gräflichen Lustgarten angeschlichen und über der Mauer, von der die Deckplatten und mancher Stein gestohlen, zu seiner grossen Verwunderung vor dem Palaste zwei schöne Mädchen gesehen, die er für Königinnen wegen des edlen Anstandes aller ihrer Bewegungen gehalten, hätte nicht ihre Beschäftigung, die Wäsche an der Sonne auszubreiten und zum Bleichen zu begiessen, ihn an seiner Meinung und an seiner Anrede gehindert. Der junge Herr hätte sich ihnen möglichst genähert, und hinter einem Haselstrauche versteckt, so lange zugesehen, als sie damit beschäftigt gewesen, und nachher noch bemerkt, wie sie ihre zahme Dompfaffen aus dem mund mit etwas Grünem gefüttert. Dann wären sie, mit den Vögeln auf der Hand, ins Haus getreten, und der Herr hätte sich gewünscht nur eine Stunde so ein Vogel zu sein. – "Ei, der ist doch nicht töricht", sagte Dolores ganz trocken. – "Nein", sagte der alte Bediente, "das ist so ein alter ehrlicher Wunsch von jedem Liebhaber, er möchte immer etwas andres sein, als er wirklich ist, um mehr zu gefallen, ich war in meiner Jugend eben so!" – Die Mädchen lachten und der Alte erzählte weiter, der Graf sei zum Wirte der drei Weltkugeln gegangen, bei dem er eingekehrt, habe ihm mit grosser Heimlichkeit sein Geschichtchen erzählt und besonders viel von einer gesprochen, die ihm so besonders in die Augen gefallen, und die er gern kennen möchte. Die Mädchen sahen einander an, und Klelia sagte ganz ruhig: "Das bist du gewiss!" – "Nein, Schwester", antwortete Dolores, "dich hat er gemeint, du hattest heute das schöne rote Halstuch umgebunden"; heimlich aber dachte sie: Gewiss bin ich's, die er aufsucht; ich hielt die Vögel viel öfter an meinen Mund, ich bin voller, meine Züge grösser und meine Wangen röter, und meine Augen so viel beredter, als meine Locken krauser sind, obgleich unsre Haare von gleicher Farbe; auch nennen mich alle Leute schöner. Ihr wurde doch dabei so eifersüchtig, als stände der junge Mann zweifelnd zwischen ihnen, wie zwischen Tugend und Laster. Der alte Bediente fuhr darauf fort, wie der schlaue Wirt, der auch noch einige Anforderungen an das Haus hätte, gleich zu ihm geschickt, er möchte doch dem jungen Herrn, der sich Graf Karl nannte, unter dem Vorwande das schöne Haus zu besehen, zu den schönen Gräfinnen bringen, es könne immer was daraus werden, der Mensch denke, Gott lenke, und dann sei ihnen allen geholfen. – Klelia setzte diesem Vorschlag viele ernste Bedenklichkeiten entgegen; es sei ihren Gewohnheiten ganz unangemessen, einem jungen mann, der allen unbekannt, mitwissend seiner Absicht also entgegen zu kommen, sie wolle ihn nicht sehen. Dolores erklärte sich heftig gegen diese Hindernisse ihrer angeregten Eitelkeit, sie hätten so viele Männer gesehen, was ihnen die Bekanntschaft dieses einen schaden könnte; wenn er ihnen auch nur etwas Neues erzählte, so wäre das schon genug; dann fuhr sie auf: "Hör, Klelia, wenn du nicht heiraten wolltest, warum zeigtest du mir wohl neulich den Rand deiner Hand am kleinen Finger, dass du eine Falte dort trägest, wenn die Hand gebogen, also einen Mann bekämest, und sahst nach meiner Hand, und ich hatte andertalb Falten; sieh, du hast gerade recht viele Lust zum Heiraten, darum willst du es nicht eingestehen." – Klelia stand, erzürnt über diese Missdeutung eines kleinen spielenden Aberglaubens, von ihrem stuhl auf und verliess das Zimmer; nichts kränkt tiefer als absichtliche Missdeutung mit dummer Listigkeit vermischt. Der alte Bediente stand dabei wie ein einfältiger Beichtvater neben einem höher gebildeten Beichtkinde, das sich Sünden anrechnet, die ihm ganz gleichgültig sind; doch gab er der Klelia, weil sie so trotzig weggegangen, unrecht und eilte dann den Bitten der Dolores zu folgen, den Besuch nach einer Stunde herbei zu führen. Während sich nun Klelia auf ihre kammer zum Gebetbuche gesetzt hatte, des Streites ganz zu vergessen, ging Dolores rechts und links in grosser Eile, aus ihren beiderseitigen Kleidern einen guten Anzug sich zusammen zu stoppeln, der glänzend weiss und reinlich, aber freilich von mancher überflüssigen Naht durchkreuzt war, als diene er gegen Behexung. Als sie damit fertig war, lauerte sie ungeduldig durch die angelegten Laden auf jeden, der die Strasse herunter schritt, zwischen durch sah sie sich im Spiegel und sann auf guten Ausdruck des Gesichts und der Rede, und dann gedachte sie lachend, wie sie oft Fürsten und Herzöge, die ihr als Kind geschmeichelt, kaum eines Blicks gewürdigt. Endlich erblickte sie die grüne polnische Mütze auf den dunklen Haaren, die grüne leichte Husarenkleidung mit Gamaschen und Reiseschuhen, die nach dem Vorberichte des Bedienten, den bedeutenden Mann bezeichnen sollte, der Bediente begleitete ihn; sie wollte ihm wie durch Zufall auf der Treppe begegnen, damit er ihr elendes Stübchen nicht bemerke.

Sechstes Kapitel

Die Studenten

Wir wollen dieses junge Blut, das da so fröhlich die Strasse herunterschreitet, ungeachtet vorbedeutend eine schwere dunkle Wolke in den zusammengewachsenen Augenbraunen seiner stark gehügelten Stirne lastet