küsste der Gräfin mit Tränen den Rock, dass sie nicht mehr bei ihr sei, klagte, dass ihr Mann so oft schelte. Der Graf fand aber, dass der Förster dabei nicht ganz unrecht haben mochte; das Mädchen, ungewohnt der ländlichen arbeiten, immer nur mit Putzmachen und Ankleiden der Gräfin beschäftigt, hatte in dem artigen neuen haus eine fürchterliche Unordnung einreissen lassen. Die Gräfin bedauerte sie, der Graf aber ermahnte sie ernstlich mit demselben Augenblicke gleich Hand daran zulegen, in ihrem haus Ordnung und Reinlichkeit zu stiften. Wirklich entschloss sie sich mit Mühe dazu und der Graf verliess sie mitten in der Reinigung ihrer Milchkammer, in der alle Milch schon verdorben war.
Den Prediger Frank fanden sie in einem sehr angenehmen kleinen haus. Als ein wahrscheinlich noch lange Unverheirateter hatte er sich ausser seiner Landwirtschaft und Baumzucht, die er im grossen übte, auch alle Künste einer guten Hausmutter angeeignet. Er kochte sehr gut und trat seinen Gästen mit einer Küchenschürze entgegen; da sie über sein Kochen gelacht hatten, so mussten sie auch Proben davon prüfen und sie gestanden ein, dass sie nie so gute Krammetsvögel gegessen. nachher führte er die Gräfin auf Verlangen in seinen Dohnenstrich im Garten und sie war überrascht, einen gefangenen Vogel nach dem andern aus der Haarschlinge zu ziehen und ihn triumphierend in die Jagdtasche des Predigers zu werfen. Als sie nachher ihren guten Fang dem Grafen zeigen wollte, da fand sich leider nur ein Vogel, denn der gewandte Mann hatte immer vorauslaufend und den Weg weisend denselben Vogel in alle Schlingen gehängt. Der Graf behauptete, man könne auf diesen Vogel den Ausdruck einer Zeitung über gewisse Kriegsberichte, nach denen nur immer ein Mann gefangen, von neuem anwenden: der bewusste Mann, hier der bewusste Vogel sei wieder gefangen. Beim Abschiede schien der Prediger recht ernstlich betrübt, schwor ihnen, dass er die schönsten Stunden des ganzen Sommers bei ihnen zugebracht habe, nun sei er ganz einsam; rings um ihn wären lauter Leute, zu deren Fassung er sich herabspannen müsste, niemand der seine Geistestätigkeit anspannte als Gott, mit dem er im beständigen Glaubensstreit lebe, weil er so ganz anders denke, als er lehre und lehren müsse. Er brachte zum Abschiede eine Flasche alten Stachelbeerweins, denn seine Gegend war dem Weinstocke nicht geeignet; dabei erzählte er, dass die Akzise, die alle Industrie des Landes störe, ihn zwingen wolle, ausländische Weine zu trinken, weil sie über das Einziehen ihrer Steuern dabei in Verlegenheit komme. Nachdem sein Wein Beifall erhalten, fing er an, von seiner kleinen Geliebten behaglich zu erzählen: das Kind habe ihn neulich gefragt, wer denn Amor sei, von dem sie in einem Gedichte gelesen? Er habe geantwortet, ein kleiner Mann mit Flügeln, der sehr gefährlich. Darauf habe sie ihm versichert, wenn er nur klein wäre, da wollte sie ihn wohl zwingen, wäre er aber gross, so gross wie er, da könnte sie sich nicht wehren. Er fand in dem Scherze etwas Vielbedeutendes, wer konnte ihm diesen hoffenden Sinn stören; alle schieden von einander in gegenseitiger Zufriedenheit.
Ganz verschieden davon war der Abschied von dem Geistlichen des Dorfes; der Streit mit dem Grafen, noch mehr die mancherlei eigenen vom Grafen ersonnenen Verschönerungen des heiligen Dienstes hatten seine ganze Eifersucht erregt; mancherlei Einkommen, das er durch die Gunst des Grafen bezog, hinderte ihn diese Empfindlichkeit offen zu zeigen, es waren aber so einzelne Ausrufungen, in denen sie sich Luft machte. So sagte er wohl: "Der Herr Graf werden uns so viel Neues mitbringen, dass wir die alte Religion ganz darüber vergessen; zwar bin ich der Meinung, dass wenigstens alle zehn Jahre etwas von dem alten Sauerteige weggeschafft werden müsse, jedes Übereilen ist aber gefährlich." – Der Graf fragte ihn erstaunt, wie er auch nur einen Tag etwas dulden könne, das er in heiliger Überzeugung für alten Sauerteig halte, ob das der Sinn der Märtyrer sei, die in der Bekennung ihres Glaubens selbst gestorben. Der Mann kam in Verlegenheit, rühmte den Herren Grafen, wie er so hübsch spreche, und weiter hatte es keine Folge, als sie beide gegen einander zu erbittern.
Am Abende vor der Abreise, als der Graf im haus hin und her lief, um mancherlei Anordnungen selbst zu machen, die seiner Dolores zu lästig waren, und die doch den Bedienten nicht überlassen werden konnten, klappte er auch alle einzelne Schränke auf, um nach vergessenen Sachen zu forschen. In dieser Vorsicht kam er auch an den Schrank des kleinen Traugott, den er noch voll von seinem Spielzeuge fand; er beschaute mit einem eignen Gefühle diese Lust eines Toten. Einem kind sollte man alles Spielzeug in den Sarg legen, es macht die Lebenden sehr traurig. Alles trug den eigentümlichen Geist des Knaben: seine frühere Geschicklichkeit alles zu durchsuchen und sich zuzueignen und die spätere Sinnigkeit seines ganzen Wesens; auf dem kleinen Wagen lagen in strenger Ordnung alle Art Sonderbarkeiten, Steine, die wie Brot oder wie Pflaumen aussahen, viele wunderliche Puppen, die er zu seinen Stücken sich ausgeschnitten und bekleidet hatte, und tausend andre Dinge, die der Graf nie bei ihm bemerkt hatte. Einen kleinen Schrank von Nussbaumholz mit Schlössern und vielen Kästchen, die der Graf in seiner eignen Jugend sehr wert gehalten hatte, fand er dort mit Verwunderung; der Knabe musste ihn auf dem Boden irgendwo entdeckt haben. Eingedenk der eignen Art, wie er jedes Kästchen zu einem besonderen festen Gebrauche