Unfalls, alle Pflanzungen im Garten auf, zu denen schon alle Gruben ausgegraben waren. So im Aufgeben lang gehegter Wünsche trat er zu seiner Frau; sie wollte ihm erst die Ursache ihrer Tränen nicht entdekken, aber das war nur scheinbar, sie war entschlossen noch den Abend alle ihre Anklagen gegen das Land ausströmen zu lassen, und so entwickelte sich eine Fülle von Missvergnügen und Übelbefinden über den Grafen, dass er mit den nächsten Tagen aus sorglicher Liebe für Frau und Kind heim zu kehren beschloss. Nie wurde ihm eine Äusserung zärtlicher belohnt.
Einunddreissigstes Kapitel
Abschied vom Landleben
Die nächsten Tage gehörten dem Abschiednehmen in der Gegend. Die Gräfin, heitrer gestimmt und gewiss, dass sie die Leute so bald nicht wiedersehe, war ihnen so verbindlich, dass keiner begreifen konnte, wie er ihr je etwas übel genommen. "Ich habe es immer gesagt", sprach einer zum andern, "sie ist so übel nicht, aber noch jung, es fehlt ihr nur noch an guter Lebensart." – Sie selbst fand sich von der Behaglichkeit in dem inneren mancher dieser verachteten Familien sehr überrascht, sie bewährten hier ein Leben und eine Erfindsamkeit, es auszuschmücken, die sie ihnen nie zugetraut; jede Arbeit war ein Familienfest. Merkwürdig war ihr vor allen die Frau eines entfernten Anverwandten des Grafen, die mit allen Kenntnissen der besten Erziehung, mit bedeutendem Vermögen und ausgezeichneter Schönheit, bloss aus Gewohnheit, weil sie mit ihm auferzogen worden, sich dem sehr beschränkten, aber gutmütigen mann hingegeben hatte und durchaus nichts in der Welt versäumt zu haben meinte; sah jemand beide einzeln, so schien es unbegreiflich, waren sie beisammen, so konnte es nicht anders sein. Eine gutmütige natur ist immer sehr reich in allen Verhältnissen zu andern, je vertraulicher sie werden; während die höchsten Talente mit der Härte, die ihnen beigesellt zu sein pflegt, in dieser Vertraulichkeit, in dieser Gewöhnlichkeit ermüden, langeweilen und durch das Widerspiel des Streits sich zu erhalten und zu bewähren streben. Nichts ist törichter, als eine Heirat um eines ausgezeichneten Talentes willen: eigentlich der schändlichste Eigennutz; was der Welt gehört, möchte man sich zueignen; dabei der furchtbarste Aberwitz, den Geist im Körper sich anzueignen, und doch ist dies eine der gewöhnlichsten Verirrungen unsrer Gedanken und keine bestraft sich so schnell. Selbst das Beste, was der Mund spricht, der uns singend entzückt und an sich gerissen hat, scheint uns gegen die Glut jener Kunstübung, die von der natur zur Freude vieler geschaffen, in vielen Jahren sich ausgebildet hat, etwas sehr Ungenügendes. Aber wer den Umgang einer Schauspielerin aus Bewunderung einer ihrer Darstellungen sucht, findet sich immer schmerzlich getäuscht, wenn auch die Frau viel besser als ihre Rolle sein sollte. Die Lehre ist alt, aber die Welt wird ewig wieder jung, dieselben Empfindungen, Schauspiele, über die wir hinaus sind, gefallen der Jugend immer wieder, wie sie uns einst gefielen; so wollen wir sie denn auch gegen dieselben Fehler gewarnt haben, denen auch wir uns unterworfen fühlten. Welche Qual in einem geliebten Wesen ewig etwas Hohes zu ahnden, was sich in jedem Augenblicke verleugnet. – Die Gräfin verliess das Haus dieses Anverwandten mit einem Vorwurfe gegen ihren Mann, den er eigentlich nicht verdiente; sie sagte ihm, dass er sie doch nicht so liebe, wie dieser Mann seine Frau, der ihr die Kinder nachtrug, und die Küche bestellte; aber der Vorwurf war nicht ernstlich gemeint. Besonderen Spass machte beiden die Haushaltung eines wohl genährten Vetters, der sein ganzes Dorf zum Range seiner Familie erhoben und von jedem kind Vaterchen genannt wurde; diese Art patriarchalischer Verhältnisse machte ihnen einige Stellen des Alten Testamentes deutlich, die unsren Sitten sonst ganz unverständlich scheinen. "Lieber Karl", sagte die Gräfin zu ihrem mann, "wärst du wie dieser, auf ein paar Gedanken und viel Essen und viele Weiber gerichtet, und von Jugend an im Stalle und bei den Knechten erzogen, könntest du jeder Magd Unarten sagen, jeden Schmutz ertragen und belachen, da könntest du auf dem land auch glücklich sein, aber deine Ausbildung, dein Lebensmut werden dich dort stets unbefriedigt lassen." – Dolores zeigte hierin, so wenig es sonst ihre Sache, dass sie da, wo ihr etwas am Herzen lag, wirklich recht tief beobachten konnte; es lag viel Wahres in ihrer Bemerkung und der Graf musste es fühlen, dass der Übergang vom land zur Stadt sehr leicht, das Entgegengesetzte aber sehr schwer sei; zeigt dies doch die geschichte aller Nationen. – Auch das Fräuleinstift besuchten sie noch aus Neugierde; das alte Hausgeräte, die vielen Sonderbarkeiten der einzelnen ledigen Leute, gaben so viel zu lachen, dass sie beinahe die dienstfertige Gunst aller verscherzt hätten, doch das Angedenken des schönen Hochzeitfestes hielt sie zurück, sich darüber zu äussern; alte Jungfern rechnen sehr weit in die Zukunft und es dachten jene, die dort gewesen, sie hätten sich angenehm beredt gezeigt, um wieder eingeladen zu werden im künftigen Jahre, und die andern, von den Beschreibungen entzückt, hofften, dass auch sie im nächsten Jahre die Reihe treffen könnte.
Die Neuvermählten in dem entfernten Forst wurden ebenfalls nicht vergessen; aber wie erstaunten sie, die Hochzeitschuhe so schnell vertragen zu finden. Die Frau hatte nachlässig ihre Haare um den Kopf hängen, ihr Mann war auf der Jagd; sie schüttete mancherlei Klagen der Eifersucht aus, wegen der vielen Weiber, die sich Holz in dem Forst lasen; sie