sie zu erfassen, aber dieser Ephemeren waren zu viele und eine so innere Flüchtigkeit in allen, dass immer zehne wieder entflogen, während eines dieser Papiere eingefangen wurde. Noch am andern Morgen fanden die Dorfkinder am rand des Baches einzelne Blätter, in denen der Geistliche die herrlichsten Sapphischen Oden und grosse Stücke aus einem kleinen epischen Gedichte über das Weltmeer entdeckte, und dieser brachte den Grafen, der gerade den Knopf der neuerbauten Kirche aufsetzen wollte, auf den Gedanken, neben tausend besseren Denkmälern auch alle diese Papiere in der grossen kupfernen Kugel, dicht verlötet, in die höheren Regionen erheben zu lassen, dass sie als ein Zeugnis der kommenden Welt dienten, wie weit es unsre Zeit gebracht habe.
Siebenundzwanzigstes Kapitel
Kirchweihe
Eine feierliche Kirchweihe mit allen den geheimnisvollen Gebräuchen, die der katolische Glaube gestattet, den Räucherungen, Weihungen und Austreibungen, welche eine ganze Nacht bei verschlossenen Türen in ihr festgesetzt werden, beschäftigte, sehr verschieden von der vorhergehenden, die nächste Nacht; da dann der Morgen die Kirche mit Grün und Blumen herrlich geschmückt, von Weihrauch duftend, von unzähligen Lampen erhellt, der Geistliche das Allerheiligste in der Hand, der staunend niederstürzenden Menge eröffnete. nachher hallten die Chöre des Grafen einen abwechselnden Gesang, der bei jedem Kirchweihfeste in alle Zeit, so weit des Menschen Wille reicht, wiederholt werden sollte. Die Gräfin fand diese Gebräuche sehr abgeschmackt, ob sie gleich davon ergriffen wurde; der Graf, der an der Anordnung mit wahrer Liebe gearbeitet, konnte ihr nichts antworten, als dass alle speisen nicht mehr schmeckten, wenn man ihrer genugsam gegessen, wer sie aber genossen, solle dankbar sein dem Geber aller Dinge, denn so stehe im Vaterunser.
Achtundzwanzigstes Kapitel
Die Ernte
Die Ernte, die bei schönem trockenen Wetter glücklich angefangen wurde, beschäftigte den Grafen mehrere Wochen ausschliesslich, er selbst war gern den ersten Tag eine Stunde lang Vormäher, seine Kraft und seine Kenntnis und seine Wertschätzung des Geschäftes öffentlich zu beweisen. "Wie überfällt mich so liebe vieljährige Erinnerung", sagte er, "denke ich der Ernte, wie ich als Kind schon die schweren Garben zusammen zu tragen suchte, und sie doch hinter mir herzog, wie ich dann, alles mit durchspielend, mich zu dem Bierfasse setzte und einen Schluck des Getränkes jauchzend leerte, und mir ein kleines Mädchen aufsuchte, dass sie mir einen Strauss mit Silberband schenkte, dass auch ich geschmückt wie jeder Mäher einherziehen könnte; wie ich dann so früh aufwachte, so gerne ich sonst schlief. Wahrlich, die Kindheit aller Menschen gehört aufs Land, kein Mensch sollte seine früheren Jahre in der Stadtmauer zubringen!" So rief der Graf einmal heimkehrend seiner Dolores zu, der die Anstrengung bei diesen sogenannten Freuden, so verhasst war, dass sie nicht gern den Ernteleuten begegnete, und sie spottend Feldscherer nannte; diesmal kam hinzu, dass der Graf sehr beschmutzt heimkehrte, auch in der Ermüdung dies wenig bemerkte oder verbesserte, dazu endlich die Hitze, welche Tage und Nächte mit Feuer und schreckhaften Gewittern füllte; genug, diese hocherwünschte Zeit war ihr zum Verzweifeln verhasst, und sie antwortete ihm statt der Beistimmung mit der Bitte, sich zu waschen und umzukleiden, es wäre sonst in seiner Nähe nicht auszuhalten. – Der Graf besah hände und Stiefeln und fand, dass sie recht hatte; aber die Erinnerung kam so wunderbar in seine Erinnerungen eingekeilt, dass er sich eines kleinen Ausrufs: "Wie gehört das hierher?" nicht erwehren konnte. Überhaupt sei jedermann vorsichtig in einem geliebten Umgange gegen irgend etwas einen Ekel auszudrücken; ist es auch etwas Vorübergehendes, was weggeschafft werden kann, es ist doch eine Störung im Vertrauen, einem geliebten Wesen auch nur für einen Moment ekelhaft gewesen zu sein. Darum ehre ich auch die Gesinnung mancher Mütter, die ihren Widerwillen gegen manche unvermeidliche Unreinlichkeiten der Kinder mit einer freundlichen Ergebung, ja selbst mit einer Art Ehrgefühl, dulden, als sei diese Duldung eine reizende Pflicht. Was aber den Grafen mehr als jene eigne Kränkung beunruhigte, war der Widerwille seiner Dolores dem kleinen Traugott, der nach dem tod der Mutter immer kränkelte, beizustehen; keine Viertelstunde konnte sie es in seinem Krankenzimmer aushalten, und doch hatte das schöne Kind, wie dies häufig gefunden wird, durch diese krankhafte eine ernste Beziehung auf sich, eine vorreife sehr überraschende Geistesbildung erhalten, so dass man oft glaubte, es spreche nach, wo es tief aus sich gedacht hatte. Der Kleine litt an einem unregelmässigen kalten Fieber; trat nun der Frost ein, so suchte er die sonnigen Stellen sich auf, wo er ihn ungestört überstehen konnte. Der Graf hatte vergebens seine Frau gebeten, sie möchte doch hindern, dass der Knabe sich nicht auf feuchte Erde lege, sondern ihm eine Matratze oder einen Stuhl nachtragen lassen; die Gräfin vergass es, sich darum zu bekümmern, und der Kleine mochte niemand bemühen. Er schlich ganz heimlich fort und da ihn niemand auf dem Kirchhofe suchte und der Rasen dort voll Blumen aller Art und sehr weich war, so hatte er dort schon mehrmals sein Fieberlager gehalten, als er auch einmal zufällig auf dem grab seiner Mutter einschlief. Nun träumte ihm wunderbar während der Fieberhitze, dass er nach einer Blume greife, die er für herrlich halte, weil sie in Gelb glühete, dass er sie nach kindischer Art essen wolle: denn so versuchen die Kinder alles, was ihnen gefällt; dass aber die Mutter, ganz wie er sie in den letzten Stunden gesehen, die Blume