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alle mit den Gefangenen ganz beschäftigt waren. nachher besah er die Art, wie der Baron in das Schloss gekommen, wo Ilse ein Fenster, statt es zu schliessen bloss angelegt hatte. Nun wollte er auch die Doppelpistole versuchen, die ihm drohend so gute Dienste geleistet, aber wie verwunderte er sich, als das Pulver ohne Schuss von beiden Pfannen brannte, ungeachtet sie sehr stark geladen. Er zog den Schuss aus und fand, dass Waller in seiner gewohnten Unordnung, die eigentlich verbunden mit Verhören, Übersehen und einer grenzenlosen Unbescheidenheit das Fundament seines Witzes ausmachte, die Papierpfropfen vor das Pulver eingeladen. Und mit dieser unbrauchbaren Ladung hatte er drei wohlbewaffnete Männer gefangen! So geht es aber im kleinen, wie im grossen Kriege, Zutrauen und Unternehmung besiegen meist überlegene Zahl und Waffen.

Als die Gräfin aufgestanden war, erzählte er ihr ausführlich das ganze Bekenntnis des baron, bewunderte ihre geheime Vorahndung, die sie mit in den Garten getrieben, und machte sie fast stolz mit den reichen Artigkeiten, wozu seine Liebe nur Gelegenheiten suchte, um sich ganz ungemessen über sie zu ergiessen. "glaube mir nur immer", sagte sie, "wo ich auf etwas bestehe, habe ich sicher meinen geheimen Grund; so wusste ich recht gut, dass mich der Baron liebte, jede Frau weiss das einem mann abzusehen; so kannte ich recht gut seinen gefährlichen Charakter und drang damals so ernstaft in dich, seiner im Zweikampfe nicht zu schonen. Noch immer fürchte ich, dass er zum Mittagessen entweder nicht erscheint, oder eine geheime Bosheit ausführt!"

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Der hässliche Baron, Nudelhuber, Kirre und Waller

ziehen in den Krieg

Es schlug und läutete zum Mittagsessen und es fuhr ein Reisewagen ins Schloss, aus welchem der Baron in alter Uniform mit seinen beiden lächerlichen Begleitern ausstieg; auch Waller wurde sichtbar, doch mit geborstenen Lippen, die ihm das lachen nicht erlaubten, und zu gleicher Zeit sprengte Frank auf seinem Filialklepper herbei. Als die ganze sonderbare Gesellschaft beisammen, bat der Baron noch einmal den Grafen und die Gräfin wegen seines Frevels um Verzeihung, wobei die lächerlichen Begleiter schweigend die Gebärden nachahmten; er zeigte ihnen in der bereits angetretenen Reise die Erfüllung seines Versprechens zu einem tätigen Leben überzugehen. Alle verziehen, doch wurden ihm manche fragen noch über seine sonderbare Bildung vorgelegt. "Von meiner hässlichen Bildung", sagte er, "kommt alles; Liebe zu erwecken, schien mir von frühester Kindheit unmöglich, weil mich die eigene Mutter mit Abscheu anlachte, mit meinem Grinsen Possen trieb und mich dann im Ekel von sich warf. Ich suchte also den Leuten bedeutend zu werden, indem ich mich in aller andern Art, nur nicht im Guten, auszuzeichnen suchte; unzählige Schläge und Kränkungen machten mich noch härter und trotziger, und was anfangs nur ein willkürlicher Versuch war, mich geltend zu machen, das wurde bald meine andre natur und meine einzige. Hätte ich ein glattes Gesicht behalten, wie der Graf, ich glaube auch, dass ich zu allem Grossmütigen aufgelegt gewesen und geblieben wäre; und punktierte, tatowierte, bemalte und kerbte man sich hier wie bei den Wilden, so hätte ich ausgesehen wie alle andern und wäre auch ein edler Mensch; die Schönheit macht aber alles Unglück der Welt." – Dieser widrige Mensch entzückte Wallern; vielleicht mochte auch die Kränkung der vorigen Nacht, vom Grafen heimlich beobachtet zu sein, nachwirken; genug, er beschloss den Baron zu begleiten, der mit rechtem Behagen seine Sammlung noch um eine wunderliche Menschenspezies vermehrte. Waller sendete gleich seinen Sohn Alonso mit einem freundlichen Briefe an die Amtmannstöchter, beschwor sie bei der Liebe, die sie zu seiner Frau getragen, bei der reinen Segnung, die ihnen aus dem Himmel dieses reinen Engels herabstrahlen werde, der Erziehung dieses Kindes alle Sorgfalt zu weihen, es sei gut geartet und werde ihnen im Gedeihen reichlich lohnen. Traugott überliess er dem Grafen, doch wagte er ihm nicht mündlich Ermahnungen zu geben, sie hätten sonst allesamt in den Lachkrampf, wie in der Nacht bei der Mühle zurückfallen können. Nun suchte er sich im haus zusammen, was er auf der Reise brauchen könnte; statt des Weibersattels seiner Frau legte er dem Pferde einen Sattel des Grafen auf, packte aber alle seine Sachen in Tücher gebunden nicht auf das Pferd, sondern in den Wagen des baron; die beiden Ziegen verkaufte er dem Grafen, der sie ihm vielfach teurer bezahlte, als sie wert waren. nachher setzte er sich zuerst in den Wagen und liess sein Reitpferd anbinden, darüber vergass er den Abschied; der Baron schied mit der ersten Rührung seines Lebens und setzte sich still neben ihn; der Schweizer folgte ihm mit der Versicherung, es wären doch liebe, liebe Leute, der Graf habe ihm ein paar Kupferstiche gut bezahlt. Wie erschrak aber der gute Malm, als er seinen Sitz mit den Sachen Wallers besetzt fand; ohne Anfrage warf er alles zum Wagen hinaus. Waller fiel über ihn her, aber jener drückte ihn als der Stärkere zusammen; der Prinzenhofmeister stieg ein mit einem feinen spottenden Blicke über dies Ereignis; der Baron rief: "Fahr zu!" und in wenigen Augenblicken waren sie entrollt und der Staub senkte sich stille hinter ihnen. Die sogenannten Sachen des Dichters bestanden aber eigentlich nur in einer Masse einzelner Papiere in Tücher gebunden wie alte Wäsche; die Tücher hatten sich gelöst und die Blätter flogen im Winde umher. Der Graf schickte alle seine Leute auf diese Schmetterlingsjagd,