bestimmt sich also aus Respekt gegen das Pantoffelspiel für Spassine, die ihm auch von dem Fürsten für seine Braut angegeben wird. – Der Fürst will darauf seinem Eidam das Reich vom hohen Turme zeigen und Kasperl frägt, ob auch kein starker Wind, dass er etwa über die Grenze geweht werden könnte? – Ernestine bleibt allein zurück und stellt sehr tiefsinnige Betrachtungen in ganz philosophischer Sprache über die fürstlichen Heiraten an, die alle Fürstenhäuser verderben, indem sie aus Naturen nie in leidenschaft die falsche Richtung wegschaffen, die sie auch in sich gefühlt habe, ehe sie geliebt; nur in der Liebe sei Wahrheit, Volkssinn, der sich allem anschliesse, alles verstehe, selbst den Bettler. Sie setzt sich nieder und weint. – Der wahre Prinz, der am Morgen als Bettler verkleidet ihr die Küsse abgenommen, tritt in anständiger Tracht herein und bemerkt sie nicht. Er erzählt von seinen Absichten, eine Heirat aus Liebe zu stiften, und wie er so ganz seeleneigen dem armen Mädchen geworden, das in diesem schloss diene und ihm nichts, als ein paar Küsse, habe geben können; der Prinzessin wolle er entsagen, die ihm bestimmt, dies arme Mädchen aber aufsuchen, – "so recht vertraut, haarklein ihr aufzuzählen, was mir so taglang, so nächtelang tät fehlen, Vertrauen, ewiges in Lieb gebunden, im armen Mädchen hab ich's nun gefunden; die Krone will ich ihr zu Füssen legen, kommt Kuss dem Kuss, der blick dem blick entgegen, und dass dies alles sei kein Augenblick, wie jener Kuss, der noch mein ganzes Glück, nein die Gewohnheit aller meiner Stunden durch heil'ges Band auf Leben und Tod gebunden." – Indem er so deklamiert, ist er mit seiner Hand der Prinzessin so nahe gekommen, dass er ihr ins Gesicht schlägt; sie schreit auf: eine Szene des freudigen Wiedererkennens und der Verzweifelung, sie beleidigt zu haben. Doch sie vergibt ihm mit vielen dicken Küssen. Die Szene verwandelt sich in das Esszimmer des Fürsten, der sehr böse ist, dass seine Tochter alle auf sich warten lässt. Kasperl frisst heimlich alle Schüsseln aus, und sagt immer, das habe nichts auf sich, sie könnten immer noch warten. Endlich wird Spassine nach der Schwester geschickt und kommt mit der Nachricht wieder, dass sie in den Armen eines fremden Ritters liege. Der Fürst fordert Kasperl auf, die Ehre seines Hauses, dem er nun bald verbunden, mit dem Schwerte zu verteidigen. Kasperl will nicht, weil er kein Blut sehen könne, er verflucht die törichten adeligen Sitten. Alle dringen in ihn mit Gabel und Messer, dass er ihre Ehre verteidige; endlich zieht er sein hölzernes Schwert, als aber der Prinz mit Ernestine hereintritt, wird er gleich rückgängig und fällt ihm zu Füssen. Der Prinz reisst ihm seine Kleider ab und nun erscheint er in dem jüdischen Schlafrock, dessen Saum mit Cymbeln besetzt ist. Gretel erkennt ihn und wird unmässig böse und zärtlich gegen diesen ihren verlaufenen Mann. Sie machen einander schöne Vertraulichkeit, ihre Kinder haben alle öffentliche Stellen am Pranger bekommen; endlich fangen sie sich an zu schlagen und die Cymbeln klingeln so laut, dass die ganze Judenfamilie erscheint, ihren Messias und ihren Schlafrock aufzusuchen. Sie wollen ihn mit Gewalt der Gretel entreissen, und der Fürst, der nun durch den fremden reichen Schwiegersohn Mut gewonnen, bestraft sie für diesen frevelhaften Eingriff in eine glückliche Ehe mit dem Verluste der Schuld für das verpfändete fürstliche Ehrenbette. Die Juden bringen mit Lamentieren das grosse Bette aufs Teater, der Fürst segnet die liebenden Verlobten; Kasperl schlägt an seinen Cymbelnrock und die ganze Judenschaft muss tanzen. Die Zuschauer hatten alle des Stücks herzlich gelacht, besonders die Kinder, nur die beiden Söhne Wallers hatten oft während des Stücks bitterlich geweint, und als sie um die Ursache befragt wurden, sagten sie, dass sie die Reden der Ernestine so oft von der Mutter hersagen gehört. Der Graf gewann die beiden Kinder sehr lieb; so auffallend ihm im Anfange ihr wildes, neugieriges, aufspürendes und nachahmendes Wesen geschienen, so bedeutsam wurden ihm jetzt manche ihrer fragen. Die Gräfin teilte diese Neigung nicht; seit sie selbst an den ersten Beschwerden der Schwangerschaft litt, und ihre sonst unzerstörbare Gesundheit geschwächt fühlte, sogar fürchtete, einen ihrer schönen Zähne einzubüssen, hasste sie alle Kinder, und schwor ihrem mann im Übelbefinden ihres Magens, womit sich dieser Tag schloss, nie wolle sie mehr als dies eine Kind haben, das ihr schon so viel Not bereite.
Vierundzwanzigstes Kapitel
Traugotts erste Erinnerung
Gleich am andern Morgen, als Waller noch schlief, fand der Graf die beiden Knaben schon mit Angeln beschäftigt, sie wiesen ihm mit jubel einen kleinen fisch. Hier erfuhr der Graf, dass nur der jüngere Knabe Alonso Wallers Sohn sei; der andere, Traugott, war ein Kind erster Ehe; die Mutter hatte sich aber durch keine Gewalt von ihm trennen lassen. Alonso hatte die Nacht geträumt, die Mutter sei vom Himmel herunter gestiegen und habe in ihre schwarz seidene Schürze, die sie gewöhnlich zu tragen pflegte, den Traugott eingewickelt und mit sich geführt. Der Traum setzte den Grafen in Verwunderung, da beide Kinder eben kein träumerisches Ansehen hatten, doch schien Traugott den Tag viel stiller als sonst; er musste ihm etwas aus seiner früheren geschichte erzählen. Weil er nun noch nie darnach gefragt war, so lag alles sehr bunt unter einander, wie die Umgebung es ihm zurück rief. Viel