, wem es gleiche? Gretel fängt an zu weinen: so sehe ihr lieber verlaufener Mann Kasperl aus. Nun lassen sie sich von ihr den Mann beschreiben; sie erzählt unter andern, dass er vom Reiten auf Abenteuer schöne krumme Beine gehabt, seine Nase dabei als Meilenzeiger, die Augenbraunen als Regenschirm gebraucht habe. Hierauf kommt der Fürst mit Jagdzeuge beladen von der Jagd zurück, er hat einen Zaunkönig geschossen und der soll zum Mittagessen gebraten werden; dann macht er sich bequem und examiniert seine Kinder, was sie gelernt und getan: "Nun liebe Ernestine", sagt er, "du hast was auf deinem Gewissen, bekenn es nur, du bist so still heute. Wie? Du fängst bitterlich an zu weinen, hab ich dich mit dem Kamm gerissen? Sieh, ich muss mit weinen, und das kostet mir mehr als dir." ERNESTINE: "Weinen Sie nicht lieber Vater, ich will alles sagen, aber Sie müssen mich nicht so anblicken." FÜRST: "Sprich nur liebes Kind, ach Gott gib mir Kraft, was werde ich hören müssen." ERNESTINE: "Ich war in den Garten hinuntergesprungen, ganz traurig bin ich zurückgeschlichen." FÜRST: "Du armes Kind." ERNESTINE: "Weil er weggegangen." FÜRST: "Je wer denn?" ERNESTINE: "Ei nun der Bettler, dem ich den Kuss gegeben." FÜRST: "Ein Bettler? Ist denn mein Bettlermandat nicht angeschlagen?" ERNESTINE: "Lieber Vater, ich hatte gar nichts, ihm zu geben, Sie wissen ja; und es war so ein schöner junger Mann, den ich ohne Trost nicht weglassen durfte, da fragt ich, ob ihm ein Kuss nicht zu wenig wäre – und da sagte der gute Mensch, er sei ihm nicht zu wenig, und da gab ich ihm doch zwei, und den dritten nahm er sich, und den vierten gab ich ihm obenein, und den fünften in den Handel, und den sechsten, weil ungerade Zahlen nicht gedeihen und ..." FÜRST: "Der Bettler muss dir was angetan haben." ERNESTINE: "Er hat mir was abgenommen, meine Ruhe; aller Orten suche ich ihn und singe: Wo suchen dich Herzliebster meine Gedanken? Es findet dich nirgends mein blick, dein Bild bleibt vor mir im Schwanken, wie's Glück. O du mein einziges Glück, dir nach meine Seufzer rufen! Dir nach die Seufzer grüssen, mein Mund folgt nach dem Kuss, den deine Lippen küssen, und deine Küsse sind Luft; der Wind kann sie nicht wegnehmen, er müsste sich ja schämen, dass er mir alles nähm, das wär ja unverschämt." FÜRST: "Ach, was ist das für ein Unglück; das Armut will ich doch gar nicht mehr in meinem land dulden; es soll alles Armut freien Abzug zum Nachbar haben." SPASSINE: "Vater, da müssten wir und Sie ja auch zum land heraus." FÜRST: "Schweig, in Regierungssachen musst du dich nicht mischen; ihr macht mir heute vielen Kummer. Ernestine, blase die Gedanken weg, heute kommt dein Bräutigam, der Prinz von Mesopotamien; schlag Federball, das vertreibt dir die bösen Gedanken." ERNESTINE: "Ich kann nichts anders denken, als ihn, ich kann niemand anders heiraten, als ihn; den Prinzen kann ich nicht lieben." FÜRST: "Ei was lieben, darauf kommt's beim Heiraten nicht an, das Heiraten ist eine Sache für sich; deine Mutter selig war mir ganz abscheulich, ich habe sie doch geheiratet." ERNESTINE: "Lieber Vater, ich kann ihn nicht nehmen; ich würde eine Lust bekommen, ihn umzubringen." SPASSINE: "Lieber Vater, wenn die Schwester den Prinzen nicht haben will, geben Sie ihn mir; ich möchte gar zu gerne heiraten." FÜRST: "Ei meine Tochter, so was müsst ihr gar nicht sagen, wenn das unten bei den reichen Juden bekannt würde, die liessen es in ihre Zeitungen und Journale einrücken; Frau Gretel, sag Sie mir doch, was hat Sie den Kindern für Sachen in den Kopf gesetzt; merk ich so was von Ihr, so geb ich Ihr eine Backpfeife, dass es Ihr noch lange vor den Ohren summen soll." – Frau Gretel setzt hierauf ihre Pestalozzische und Vakzinations-Erziehungsmetode auseinander; der Fürst will die alte Metode verteidigen, sie zieht aber den Pantoffel aus und weiset ihn zur Ruhe. – Während dieses pädagogischen Gefechtes tritt Kasperl in den Kleidern seines Herren, der ausgeblieben, mit einigen Reden, die seinen Spass erklären, herein und gibt sich für den Prinzen von Mesopotamien aus. Gleich erkennt er seine Gretel; sie hat aber zu viel Respekt gegen ihn und seufzt vor sich, dass es schade sei, ihr Kasperl habe doch nie so was Vornehmes an sich gehabt. Der Fürst und die Töchter sind sehr verlegen; doch fasst sich Spassine und gibt die Schlägerei für ein Pantoffelspiel aus; der Fürst bezeugt auch sein Vergnügen an dem schönen Spiele, und sucht seine blutende Nase zu verstecken. Kasperl dankt für dergleichen Spiel und schlägt ihm dafür das grosse Essspiel vor. Als ihm dies nicht gewährt werden kann, weil der Zaunkönig noch nicht gebraten, so soll er inzwischen raten, welches seine Braut; Spassine macht ihm viele Artigkeiten und Ernestine weiset ihn sehr hart ab; er