ich war einst dabei, hab mitgemacht,
Und hab in Jahren nicht dabei gelacht.
Die guten alten Spieler werden schwach,
Und ach das junge Volk wächst schwächlich nach,
Was kann die Welt für Lust an Kindern haben?
Es dankt das Publikum für künftige Gaben,
Will Fert'ges sehen; was sich erst bilden soll,
Das mache kein Geschrei, sonst heisst es toll.
Den Kindern springt die Quint, wie ich's gehört,
Das Publikum ward ganz von Hass betört,
Es pocht, es lärmt, und keiner schien mehr recht,
Es flohn die Schauspielleut aus dem Gefecht.
Da nahm ich nun mein Tuch, macht einen Knoten,
Und hab ein Kinderspiel dem Volk geboten,
Und wackelte damit und liess es tanzen,
Ich ward vergnügt und es gefiel im ganzen.
Ich nahm das Buch recht wie ein Kind in Lehre,
Als ob's das Publikum, das edle wäre,
Und fragt es aus, wie es uns möchte haben?
Da sprach's so viel von hohen Künstlergaben,
Doch wusst es nicht, wo die zu Kaufe waren;
Da musste ich es billig drin belehren:
"Die Kunst ist frei, sie brauchet viel Teater,
Das eine bild das Kind, dies zeig den Vater,
Wenn jenes reif, da tret es hier erst ein!
Doch weil für jetzt dies Schauspielhaus allein,
So müsst ihr auch den Schülern gnädig sein."
Auf dieses Wort folgt Klatschen allgemein,
Ei dachte ich, und konnte es gar nicht fassen,
Dies Schnupftuch kann jetzt mehr, als Künstler
spassen;
Die Künstler sind zum Spass zu vornehm worden,
Und doch nicht gross genug zum trag'schen
Morden.
Ich ging davon und machte kleine Puppen;
Viel hatte ich nicht zu brocken in die Suppen,
Doch essen auch nicht viel die kleinen leute,
Sie sind zu jeder Rolle stets bereit,
Um Kleider ist kein Streit, auch nicht um Tugend,
Auch nicht um Liebhaber, auch nicht um Jugend.
Sie sind so alt, wie ich sie eben brauch,
Die weissgenasten häng ich in den Rauch.
Mein Kopf füllt mein Teater ganz allein;
Sind meine Menschen gegen mich nur klein,
So bin ich darum wahrlich gross zu nennen,
Kann sie verbinden, und sie trennen,
Nach Eigensinn und nach Verstand,
Und bin ein rechter Gott in diesem Land;
Weiss ich nichts mehr aus meinem Kopf zu sagen,
So brauchen sie nur tüchtig sich zu schlagen,
Und weil mein Kasperl trefflich Tritte gibt,
So schweigt Kritik und ich bin stets beliebt,
Ein jeder lacht, ein jeder gibt sein Geld,
Jetzt ist mein Kasperl hier der grösste Held.
Kasperl kuckt bei diesen Worten neugierig in ein Fenster, wo eine ansehnliche Judenfamilie unter versetzten Sachen bei einem Gewitter kauert. Sie glauben der Messias komme, worüber die Tochter Rachel hochmütig lächelt; aber nun springt Kasperl herein, alle erschrecken und die ohnmächtige Tochter bittet um ein Zuckererbschen aus dem silbernen Büchschen; Kasperl gibt ihr einen Nasenstüber und gibt sich für den Messias aus. Der Jude frägt, woran er ihn dafür erkennen soll; Kasperl gibt ihm Tritte wegen seines Unglaubens, der alten Jüdin einen Kuss und so glauben alle an ihn. Er wird ungemein mit Räucherungen geehrt, nimmt ihnen aber das Opferfleisch vor der Nase weg, und sagt ihnen, das sei also die neue Mode im Himmel. Nachdem er gut gegessen, will er zu Bette; der alten Jüdin sagt er heimlich, er wolle sie heiraten, und dem jungen Mädchen gleichfalls. Sie geben ihm ein grosses Bette, da erschrickt er über die Decke, worauf das fürstliche Wappen gestickt; er ruft alle herein, wie sie dazu gekommen. Sie sagen, das müsse er in seiner Allwissenheit auch wohl wissen, dass sie es im Versatz hätten. Er sagt, dass er nur der Ordnung wegen gefragt, und schickt sie wieder fort. Nun hebt er einen Judenschlafrock auf, dessen Saum mit Cymbeln besetzt ist; er fängt die Cymbeln an zu bewegen, alle laufen zusammen und fragen nach der Neuigkeit. Er sagt ihnen, es sei bloss der Wachsamkeit wegen; sie gehen ärgerlich ab. Nun besieht er seine Leibwäsche, die er ausgezogen und die voll Löcher, und zieht ein Judenhemde an, das voll Flicken, den Schlafrock mit den Cymbeln drüber, und so geht er fort aus dem Fenster, um seinen Herrn, den Prinzen von Mesopotamien, zu bedienen, dem er im Gastofe Quartier machen sollte. Die beiden Jüdinnen, Mutter und Tochter, kommen jetzt herein und wollen zum Messias, und eine hält die andre dafür; der alte Jude hat sie aber vermisst und kommt mit Licht; da erkennen sie sich, und der alte Jude meint, der Messias wäre wegen ihrer Unkeuschheit davon gegangen; sie aber sagen, er sei vor ihnen gegen Himmel gefahren; der Jude wird böse und will sie schlagen, wird aber jämmerlich von ihnen am Barte gezaust. So schliesst der erste Akt, und der zweite beginnt, indem eine Lerche nachgeahmt wird. Es ist Morgen, des Fürsten Schloss auf dem Berge wird von der Oberhofmeisterin Gretel ausgefegt, sie will dabei allerlei geistliche Lieder singen, doch fällt ihr immer der verlaufene liebe Mann Kasperl ein; dann schimpft sie auf ihren schweren Dienst und erzählt von ihren Erziehungsgrundsätzen, wie sie die beiden Prinzessinnen Spassine und Ernestine klug gemacht. Spassine und Ernestine kommen gelaufen; jene bringt einen Apfel, worin ein Gesicht geschnitten, und frägt sie