um so mehr staunte er, als die drei Mädchen ganz bleich das Zimmer verliessen und die Erwählte den Grafen ängstlich bat, als er sie zum haus hinaus begleitete, er möchte ihm den Ring zustellen, und ihm sagen, dass sie ihn sehr hochachte, dass sie ihn aber unmöglich heiraten könne, denn dazu gehöre doch mehr; dass sie von je, seit er in diesem haus gewohnt, seine unglückliche Frau bedauert, die er mit seinem Unsinn zu tod gequält, und dass sie jedem Mädchen von einer Heirat mit ihm abraten würde. Mit diesen Worten verliessen die entschlossenen Landmädchen das Haus und der Prediger Frank, der neben dem Grafen stand, lachte aus vollem Halse. "Ich bin in Geschäften hier, Herr Graf", sagte er, "also nicht gegen Ihren Befehl, aber ich hätte nicht erwartet, mein Geschäft so reichlich bezahlt zu sehen." – Der Graf bat ihn um Entschuldigung jener Beleidigungen am Hochzeitabend, die sein beleidigter Dichterstolz aus ihm gesprochen. "Heute", fuhr Frank fort, "sollen Sie noch ganz andre Erfahrungen über den Dichtercharakter machen; bringen Sie nur in aller Ruhe Herrn Waller den Gruss der Mädchen." – Der Graf trat ein und berichtete mit möglicher Vorsorge in vollkommener Treue. Waller schien wie aus einem Traume zu erwachen, er fragte die anwesende Gräfin, was er getan; er verwunderte sich, als ihm die Verlobung erzählt wurde, lächelte, sagte, es sei eine schöne milde Täuschung seiner Sinne gewesen; sprang frisch und gesund vom Bette und schrieb laut lesend:
Willst du nicht den Ring bewahren,
Den die Freundin lange trug,
Der geschmückt mit ihren Haaren;
Nahmst du ihn aus blossem Trug?
Schickest ihn mit klaren Sinnen
Und mit ernstem Wort zurück!
Kann ich mich doch nicht besinnen,
Was ich dachte in deinem blick,
Tröstend ist es mir gewesen,
Was ich damals zu dir sprach,
Denn ich bin davon genesen
Und ich war vorher so schwach.
Warum willst du nicht behalten,
Was ich gern im Traum verlor,
Kann ich doch nichts fester halten,
Denn ich bin und bleib ein Tor.
Nimm statt eines, beide Ringe,
Dass ich nicht mein Unglück sehe,
Halt mich nicht so ganz geringe,
Dass ich dich mit List umgeh.
Alles Glück hab ich empfunden,
Mit der Liebsten schwand es hin.
Immer bluten meine Wunden,
Bis ich ganz verblutet bin.
Glück soll dir die hände bieten,
Unglück brächte meine Hand,
Denn gefallen sind die Blüten,
Und ich bin vom Schmerz verbrannt.
Diesem Briefe legte er beide Trauringe bei, und bat den Grafen dringend sie fortzusenden; dann legte er sich wieder aufs Bette und schnarchte so lächerlich, dass alle sich auf die Lippen beissen und das Zimmer verlassen mussten. Im Vorzimmer fing sich eine lange Untersuchung über den wunderlichen Menschen an. Den Grafen hatte diese geschichte von ihm zurückgeschreckt; die Gräfin fand darin viel Rührendes und Prediger Frank hatte sie schon zu seiner Menschenkenntnis anatomiert und alles Fehlerhafte sauber eingeschlagen, um es in dem ewigen Spiritus seines unverwüstlichen Gedächtnisses aufzubewahren. – FRANK: "Ich glaube, wir lesen die ganze geschichte bald gedruckt; ein Dichter von der Art wie Waller erlebt selten etwas, wovon sein Buchhändler nicht auch Vorteil oder Schaden hätte." GRÄFIN: "Ich fürchte immer noch, er tut sich ein Leides an; sein Zustand war nicht natürlich, er war heftig und schrecklich, mehr als ein Mensch ertragen mag." FRANK: "Haben Sie nicht sein Gesicht gesehen, wie viel wunderliche Falten auf der Backe, über den Augen; ich kenne Wallern; in einer Tragödie, die er liest, macht er zehnfach ärgere Gesichter noch, als er heute um seine Frau angelegt, ob er gleich mit jedem, der ins Zimmer trat, noch eine Falte aufzog, noch ein Stück Holz in sein Trauerfeuer legte." GRAF: "Sie haben recht, das ist mir ganz verhasst, dass er mit keinem ein daurendes wahres Verhältnis ungestört durch die Gegenwart anderer bewahrt; aber während er noch vertraulich mitteilend mit einem im Augenblicke sprach, ward dieselbe Sache ihm gleich zum Spotte, wenn z.B. meine Frau hereintrat." FRANK: "Sehen Sie, Herr Graf, das ist eine Eigentümlichkeit des Künstlercharakters, vieles Traurige und Lustige, Ernst und Spass wie eine Schimäre zusammen zu denken. Die Frauen sind zufrieden, wenn man ihnen nur etwas zu tun macht, sie mit hülfe und Mitleid anstrengt." GRÄFIN: "Nicht zu allgemein." FRANK: "Das Pflegen eines ausgezeichneten Menschen, der sich leidend stellt, setzt die Frauen in eine gewisse Autorität gegen ihn." GRÄFIN: "Ich kann keinen Kranken pflegen und wär er mein eigener Mann. Nicht wahr, Karl, das hast du erfahren, als du ein paar Tage nicht wohl warst? Schon die eingeschlossene Zimmerluft ist mir verhasst." GRAF: "Du hast recht. Ich mag mich auch von keiner Frau pflegen lassen." FRANK: "Und doch waren Sie so allseitig um den grossen Dichter beschäftigt; es ist unglaublich, wie ein grosser Name wirkt; denn aufrichtig gesprochen, haben Sie etwas anders von ihm vernommen als Unsinn?" GRAF: "Nein, mein Herr Prediger, viel Schönes hat er uns vorgetragen, aber freilich in einer Art, die sich unter einander vernichtet, wie jene zwei Löwen, die sich so lange bissen, dass endlich nichts als die beiden Schwänze