Also vertrieben sie ihre Zeit, bis man schlafen ging; da ward Hugh herrlich und wohl gelegt, den seine jetzige Armut im Schlafe nicht störte, vielmehr schlief er in den halben Tag hinein bis zur Mahlzeit. Simon, sein Vetter aber lag die ganze Nacht ungeschlafen, denn er ward von seiner Hausfrau recht übel behandelt, die nichts andres besorgte, denn dass Hugh seines Vetters Rat folgen und bei ihr bleiben würde; darum sprach sie: "Ach lieber Mann, was gedenkst du, du willst den Jüngling zu einem Handwerk verordnen, der alle seine Tage mit Fressen und Saufen, mit schönen Frauen zu kurzweilen hingebracht; in solchen Dingen sollte er uns bald um alles bringen, was wir ererbt und erspart haben, wie er mit seines Vaters Erbe getan hat. Darum ist mein Rat, du gebest ihm morgen eine ziemliche Zehrung und lassest ihn fahren, auf dass du sein ledig werdest, denn es ist leidlicher, einen kleinen Schaden, als einen grossen verschmerzen." – Darauf antwortete Simon: "Liebe Hausfrau sei zufrieden, denn wahrlich, dieses habe ich bei mir selbst vorhin schon überschlagen, ich besorg, er folgt meinem Rate und bleibt bei uns, was mir sehr leid wäre, ich besorge, unser beider Gut würde kein Jahr ausdauern, wenn er in seiner Gewohnheit fortführe." – Darüber ängstete er sich so sehr, auch kamen allerlei Fliegen, die sich abwechselnd auf seine Nase setzten und vor seinen Ohren brummten, dass es ihm sehr früh zu tagen schien. Es wurde ihm im Bette so unruhig, er stieg vor Tage heraus, ging dann nach dem Stalle und fütterte Hughs Pferd, so gut er konnte, und wartete mit grossem Verlangen, wann Hugh aufstehen und ihm Bescheid geben würde. Da es nun schier um Mittag war und man den Imbiss nehmen wollte, erwachte Hugh, stand auf, pfiff sich ein lustig Liedchen, sah nach seinem Pferde, fand auch, dass es nach aller Notdurft wohl versehen war, da trat er zu seinem Vetter Simon in Meinung, ihm dafür zu danken. Da erschrak der gute Simon so sehr, dass er fast in Ohnmacht gefallen wäre; denn seine sorge war immer, Hugh würde bei ihm bleiben, woran doch Hugh keinesweges dachte. Aber ehe dieser noch etwas gesagt, fiel ihm Simon ins Wort und sprach: "Lieber Vetter Hugh, da Ihr mir gestern Abends auf meinen Rat wegen des Handwerks geantwortet, Euer Gemüt stände zu keinem andern Handwerk, als Fürsten zu dienen, so habe ich diese ganze Nacht nachgedacht; dieweil Ihr dasselbe so lange getrieben, so folget dem nach, kommt in meine kammer, ich will Euch eine gute Zehrung mitteilen von wegen Eurer Mutter, die mir sehr lieb gewesen, und die sich noch im grab umdrehen würde, wenn sie Eure jetzige Not wüsste." – Da Hugh das hörte, wehrte er sich nicht lange, ging behend mit seinem Vetter in die kammer; da zog Simon einen seidenen Beutel aus dem Tischkasten und sprach: "Nehmet hin, mein lieber Vetter, diese dreihundert Kronen, verzehret sie von meinetwegen." – Wer aber war fröhlicher als der gute Hugh, der seinem Vetter grossen Dank sagte; desgleichen war auch Simon mit seiner Hausfrau sehr froh, es reute ihnen das Geld nicht, das sie ans Bein gebunden, da sie des Gastes los wurden. Also säumte sich Hugh nicht lange, wollte der Mahlzeit nicht warten, wie sehr ihn sein Vetter anflehete, weil er für ihn einen grossen Rinderbraten an den Spiess stecken lassen. Hugh sattelte sein Pferd, zog Harnisch, Stiefel und Sporen an, dankte Vetter und Hausfrau für Geschenk und Herberge, setzte sich auf sein Pferd und ritt auf und davon. Der Vetter Simon stand noch lange mit der Mütze in der Hand in der tür, und sah ihm nach und schüttelte mit dem kopf, die Frau aber, mit beiden Händen unter ihren Röcken, gähnte und fror, und dachte wie ruhig sie die nächste Nacht schlafen wollte.
DOLORES: "Hör, wenn du so ausführlich die begebenheiten des Ritters vorlesen willst, da werden wir heute nicht fertig."
... Hugh ritt nach Hennegau, weil dort ein grosses Turnier gehalten werden sollte, – nun kommt es gar zu garstig.
DOLORES: "Wir sind ja unter uns und wenn du es weisst, so kann ich's auch wohl wissen, ich bin so gross wie du, ob du gleich zwei Jahre älter bist."
... Aller Orten, wo Hugh in den Niederlanden turnierte, gewann er Preise und – gab sich mit den Mädchen ab – und dann musste er flüchten, sich durchschlagen – zehn Söhne sind da von verschiedenen Frauen ihm geboren; er bekümmerte sich um keine, sondern zog immer weiter auf Abenteuer; das mag noch so adlig sein, recht ist es nicht.
DOLORES: "Da hast du wohl recht, aber die Kinder werden doch gesagt haben, es sei besser auf schlechte Art zur Welt kommen als gar nicht."
... Nein, gewiss nicht. Hugh kam nun mit grossen Ehren und vieler Beute nach Paris zu seinem Vetter zurück, der sich nicht wenig über seine schönen Pferde und prächtigen vergoldeten Harnische freute. Hugh stieg ab, erzählte ihm alle seine Geschichten, worüber sich dessen Hausfrau recht erstaunte und ihn gar sehr lieb gewann. Als das Herr Simon merkte, rief er aus: "Sankt Dionys,