Haar ich spiele,
Der Träume Schar ich fühle
In ihrer Locken Nacht;
Doch bald bin ich erwacht:
"Wie Espenlaub mein Herz hat keine Ruh,
O wäre früher ich geboren, oder später du."
"Lieben Leute", rief hier Waller aus, "hätte meine Frau nicht ein Kind bekommen, den Alonso, ich wäre aus Langeweile toll geworden; da bekam ich doch was zu sprechen mit all dem närrischen volk von Ärzten und Weisemüttern. Das hielt doch auch nicht länger vor als bis zum Frühling, da sagte ich, dass ich auf die Leipziger Messe gehen müsse, um ein Manuskript zu verkaufen, und lief über Berg und Tal, als wenn ich gehetzt würde. Denkt euch, in Leipzig sitze ich in guter Ruhe bei Mainoni und esse Stengelrosinen und Knackmandeln, da bringt mir der Bursche aus der Buchhandlung einen poetischen Brief von meiner Frau:
Der Liebe Furcht ist Fackel meiner Liebe,
Die meinen Traum mit Strahlen Nachts erfreut,
Damit mich nicht die Einsamkeit betrübe,
Mir Sterne auf die dunkle Erde streut,
Und meiner Liebe Flamme höher treibt,
Dass Dir ein Zeichen bleibt.
In Liebesfurcht ich sehe die Wolken jagen
Dort überm Mond, dass er zu wanken scheint.
Wohin, wohin will euch der Sturmwind tragen?
Zu meinem Lieben, der es treulich meint!
Der Blume Blätter werf ich in den Wind,
Er bringt sie Dir geschwind.
Der Liebe Furcht durchbebet mich so sachte,
Zu schauen, ob mein Kind noch atmen kann,
Es sah mich an, und drehte sich und lachte,
Ich sah es schon wie Dich, wenn es ein Mann;
So schauet aus der Liebe ödem Haus
Ein frommer Geist voraus.
Wird Liebe Furcht, so lass die Furcht mich lieben,
Und liebe mich, dieweil ich furchtsam bin,
So kann die Furcht die Liebe nie betrüben,
Und Furcht und Liebe haben gleichen Sinn,
Es wächst die Furcht der Liebe zum Gewinn
In Deiner Liebe Sinn.
fragen Sie sich selbst, ob ich länger von ihr bleiben konnte nach solcher Einladung; denken Sie sich, mir zu Liebe hatte die liebe Frau die ersten Verse in ihrem Leben gemacht. Ich trat denselben Tag noch meinen Rückmarsch an; mein Buch wurde nicht fertig gedruckt.
Damals hab ich eine schöne Zeit mit ihr gelebt; leider, dass uns die allergemeinste Ursache bald in Verlegenheit setzte. Ich hatte ein Landgut gekauft und war kein Landwirt, und meine Frau verstand bei dem besten Willen eben so wenig davon; ich hatte viel bezahlt, verzehrte noch mehr und nahm nichts ein; die Summe gezogen, musste ich den Hof meinen Schuldnern überlassen und in die Stadt ziehen. Da jubelte mein ganzes Herz; meine Frau war aber betrübt, sie machte mir so rührende Vorstellungen, dass ich ihr zuschwor, recht fleissig zu werden; sie selbst fing an Kupferstiche zu meinen Gedichten recht artig zu radieren und die waren meist schon fertig, wenn das Gedicht erst zur Hälfte gelangte. Dann weckte sie mich immer früh auf, hatte schon mein Zimmer geheizt, mir Kaffee gekocht, und da sollte ich nun arbeiten, das war eine Sache zum Einschlafen; in meinem Ärger über diese Behandlung und doch im Gefühle, wie es nicht anders gehen könne, schrieb ich eine Elegie vom Weber, den ich vorstellte, und von der Spinnerin, die meine Frau bezeichnet, welche ich Ihnen mit der rechten Betonung vorlesen will; macht sie Ihnen Langeweile, so ist es meine Schuld."
Zwanzigstes Kapitel
Der Weber und die Spinnerin
Als ich Geselle noch war und webte geschäftig beim
Meister,
Sprang ich für Augenblickslohn oft zu der Tochter
hinein,
Immer fand ich die Braut beim schnurrenden
spinnendenRädchen,
Ungeduldig einmal schwieg ich tückisch in mir; Doch sie fragte mich nicht, da brach ich das
Schweigen erglühend:
"Wahrlich die Göttin tat recht, als sie Arachnen
bestraft;
Denn nur Eitelkeit ist's, zu lieben und andres zu
schaffen,
Als das zierliche Werk, dessen Rädchen das Herz." "Ungeschickter", sie sagt, ganz ruhig beschaut sie
den Faden,
"Stören die hände dich je, die beschäftigt im Werk? Höre den ruhigen Takt, das Ungeordnete gleichend, Und das Auge, es weiss, was dir erlaubt sei dabei!" – Wohl ich nützte auch gleich die zart mir gegebne
Erlaubnis,
Und ich gab ihr den Kuss, doch nur den Backen er
traf.
"Ach", so seufzte ich dann, "kein duldendes
Weibchen ich wollte,
Sondern das harrend gelauscht, mich im Kommen
umschliesst!"
"Bläulich blühet der Flachs", entgegnet sie,
"Hoffnung der Liebe,
Dass ein bräutliches Bett wachse in Blumen darauf; Doch die Blume, sie täuschet, es fallen die bläulichen
Blätter,
Und der Faden erwächst unter der Blume versteckt, Tief gebücket wir ziehen ihn aus zum Brechen und
Spinnen,
Ehe die Blumen so hell stehen im Laken gewebt. Nun verzweifelst du schon, noch ehe dir Arbeit
geworden,
Und schon mürrisch du bist, eh' noch gesponnen der
Flachs." –
Und es brach ihr der Faden, da bat ich sie flehend um
Gnade,
Spann nun selber da an, wo ihr gebrochen das Herz; Grob ward der Faden, ich glaube es, doch hält er
länger und länger,
Und sie zeigte mir ihn, streifig im Laken verwebt, Als ich zum eigenen Herd mir holte mein liebliches
Bräutlein,
Und das Bette so weiss stand in dem Zimmer bereit