ihrer Bildung und in der Art ihrer Bewegung, vielerlei Fertigkeit, wenig Überlegung. Ihr Vater sagte mit Recht: "Es sind Menschen, wie die künftige Zeit sie brauchen kann, mit jeder Not vertraut, in Arbeit und Mühe und jeder Witterung abgehärtet." Da Frau Waller Ruhe bedurfte, so liess sich Waller mit seinen neuen Bekannten in ein Gespräch ein, wusste so schnell in alle Besonderheiten des Hauses einzudringen und sich darin zu fügen, dass er in einer Stunde mehr Herr darin zu sein schien, als der Graf. Für die Vertraulichkeiten, die er ihnen entlockt hatte, forderten sie gleiche Vertraulichkeit von ihm und er sprach mit einer Art Überhebung von sich; seine Frau sei früher an einen reichen Kaufmann verheiratet gewesen, er habe sich in dem Geldmangel, worin er sich seit seiner Jugend befunden, auch an dieses Haus gewendet und sei wegen seiner Spasshaftigkeit Tischgenosse geworden. Die Frau, die älter als er, habe sich in ihn verliebt, und um sie nicht unglücklich zu machen, ungeachtet sie ihm immer fatal gewesen, habe er drein willigen müssen, dass sie sich scheiden lassen und ihn geheiratet. Wir wollen hier seine lange Erzählung zusammen ziehen. Waller war des Herumstreifens müde, er beredete sein Frau, ihr Haus in der Stadt zu verkaufen, um ganz der Kunst in einem abgelegenen Landhause zu leben, das ihn einmal auf einer Reise in der Mitte eines Tannenwaldes entzückt hatte. Sie willigte in alles; seit ihrer Scheidung lebte sie ganz ihrem mann und der Malerei; er reiste in die romantische Gegend, kaufte das Haus sehr teuer, weil eine Familie, die dort geboren und gross gezogen, nicht aus gleichem Sinn an der natur, sondern aus Gewohnheit sich nur grosser Vorteile wegen davon trennen mochte. In wenigen Tagen richtete er sich alles nach seinem Geschmacke ein: sonnte die angekommenen Betten, stellte Blumentöpfe in die Fenster, wand eine Ehrenpforte an der tür aus Birken mit Bärenklau und Feldblumen, setzte sich in den Garten und schrieb dieser Ehrenpforte eine Inschrift:
Hier fielen Druck und Sorgen
Von eines Menschen Herz,
Er kann euch wieder borgen
Von seinem eignen Scherz.
Nur einmal Herr der Erde,
Nur einmal Herr der Luft,
Dann weichet die Beschwerde,
Dann füllet sich die Kluft.
Die offnen Augen tragen,
Wohin der Fuss mich trägt,
Bis zu dem Sonnenwagen,
Der hoch am Himmel wegt.
Nach einem andern Wagen
Horcht hier im Sand sein Ohr,
Der soll die Freundin tragen
Durchs hohe Gartentor.
Er sonnte still im Garten
Die Betten ganz allein,
Er musste lange warten,
Sie tritt ins Haus herein,
Und an der Ehrenpforte
Vielbuntem Bogenzug
Liest sie die frohen Worte:
Die Eine mir genug.
Er hatte es sich aber bloss eingebildet, dass sie gekommen, sie war durch ein gebrochenes Rad auf dem Wege aufgehalten; er wurde immer ungeduldiger, hatte für alles gesorgt, nur nicht fürs Essen: er musste sich mit Brot und Milch begnügen; aus Ärger warf er endlich die Ehrenpforte zusammen, fegte die Blumen aus den Zimmern und empfing die Frau, die dazu ankam, mit heftigen Vorwürfen, wie sie ihm jedes Vergnügen verderbe. Sie suchte, ihn zu beschwichtigen und er ward wieder vergnügt. Am anderen Morgen wollte er eine gewaltige Arbeit machen, zu der er sich lange einen recht schönen Tag gewünscht; wirklich war das Wetter hell, er ging auf sein Studierzimmer, aber es wollte ihm nichts gelingen: er war zerstreut; ein paar welsche Hähne, die sich im hof bissen, zogen alle Aufmerksamkeit an sich; dann sah er einer dicken Magd zu, die im Garten arbeitete; dann wurde es ihm zu heiss. Es ward Mittag und er hatte nichts getan, und fand darüber alle Lieblingsspeisen schlecht, die ihm seine Frau zubereitet hatte. Jeder Tag hatte seine eigne wunderbare geschichte, insbesondre seit er sich darauf legte, die natur recht zu geniessen; da zog er seine Frau halbe Nächte durch nebelbelegte Wiesen und kühle Waldungen herum, den Sonnenaufgang zu sehen, und gemeiniglich ehe es dazu kam, musste einer von ihnen aus irgend einer Unbequemlichkeit nach haus gehen und sie hatten nichts als Schnupfen und Fieber davon gehabt. Wallern war es ganz erstaunungswürdig, dass er die natur ganz anders gefunden, als er sie beschrieben, aber die Landleute entsprachen noch weniger seinen Erwartungen; seine ländlichen Gedichte verstand keiner, sie hatten alle den "Eulenspiegel" viel lieber. Diese Erfahrungen machte er im Sommer, aber im Winter hatte er noch viel mehr zu lernen; vergebens schrieb er an alle Bekannte der ganzen Gegend, dass sie ihn besuchen möchten, keiner mochte die gefährlichen Wege in Schneewetter machen; der Unmut darüber erzeugte manches Lied, unter andern auch dieses:
Winterunruhe
Ich räume auf für Gäste,
Sie hält mich auf dem Neste;
Die Wege sind beschneit
Und keiner kommt so weit:
"Wie Espenlaub mein Herz hat keine Ruh,
O wäre früher ich geboren, oder später du."
Ich sitz bei ihr, sie spinnet,
Mein Herz in mir, es sinnet,
Es treibt mich durch den Wald,
Wie ist der Wald so kalt:
"Wie Espenlaub mein Herz hat keine Ruh,
O wäre früher ich geboren, oder später du."
Die Tanne sagt vom Schmause,
Mich brausend jagt nach haus;
Zu haus bei dem Herd,
Da werde ich so beschwert:
"Wie Espenlaub mein Herz hat keine Ruh,
O wäre früher ich geboren, oder später du."
In ihrem