Gartenfrüchte, einen Sitz auf der Ofenbank und andre ähnliche Vorteile. So lange wenig Kinder in der aufgenommenen Familie sind, geht alles in gutem Frieden; die Alten halten zwar meist sehr strenge auf ihre Forderungen, aber sie dienen auch mit allem Fleisse in der Wirtschaft; mehren sich aber die Kinder, dann überwiegt die Liebe zu ihnen die Liebe zu den Eltern, und ihr Tod wird oft ganz laut gewünscht; dies war auch das Verhältnis zwischen der Alten und ihren Kindern. Die Alte wollte gern ihre Abtretung an den Sohn aufheben, sie glaubte sich durch ein Geschenk an Frühbirnen, das sie der Gräfin durch die tolle Ilse einhändigen liess, einzuschmeicheln, und durch dies Einschmeicheln ihren Zweck zu erreichen; auf dem land erscheint eine Kammerjungfer, wie eine Oberhofmeisterin an grossen Höfen. Ihr Dritteil an den Birnen wollte sie nicht gern allein zu diesem Geschenke anstrengen; als daher das Birnenschütteln und Teilen nach manchem Probieren auf einen Sonntag angeordnet war, schlich sie sich früh Morgens, als sich die jungen Leute noch im Bette erfreuten, auf den Baum und schüttelte und pflückte nach ihres Herzens Lust, die sich in der Arbeit mehrte. Die junge Frau sagt endlich etwas, das die Alte einem schreienden kind tun soll, sie erhält keine böse Antwort, verwundert sich und sieht, dass die Mutter schon aufgestanden sei; gleich weiss sie, worauf das gehe: auch sie hatte gestern den Baum mit sehnsucht angesehen; sie springt heraus und findet die Alte, wie sie auf dem Birnbaume wütet. Das gab Schimpfreden, aber die Alte war so erbittert auf die Birnen, dass sie gar nicht vom Baume herunter zu bringen war, bis die Schwiegertochter sie wie eine Katze, oder wie ein Eichhorn herunterschüttelte, und sie unten am Boden wie ein näschiges Kind abstrafte. Da beide unrecht hatten, die Alte als Diebin, die Tochter wegen der zugefügten Misshandlungen, so wurden sie nach heftigem Gestreite beide auf ein paar Stunden ins Gefängnis gebracht; der arme Leineweber wollte aus achtung gegen Mutter und Frau dabei verzweifeln, und liess sich zu ihrer Unterhaltung mit einsperren. – Als der Graf seiner Frau diesen Schluss lachend meldete, fühlte sie sich doch gekränkt. "Ich finde es gar nicht zum lachen", sagte sie, "wenn meine Vorsprache dir so gar nichts gilt; die Leute werden mir künftig alle achtung versagen." – Der Graf sah ärgerlich zum Fenster hinaus.
Neunzehntes Kapitel
Der Dichter Waller und seine Frau, Traugott und
Alonso
Er hatte kaum ein paar Minuten hinausgeblickt, als er seine Frau auf eine Gruppe aufmerksam machte, die den hohen Weg vorüber unter den palmenartigen Weiden wie ein Schattenspiel fortschritt. Ein wohlgekleideter Mann führte ein Pferd, auf welchem eine Frau in Betten eingepackt sass; zwei Kinder ritten auf grossen langgehörnten Ziegen nebenher. Unsre beiden Zuschauer eilten herunter die Leute näher zu betrachten und sie wurden von dem mann, der in einem sehr ausgearbeiteten faltigen verbrannten haarichten gesicht viel Geist verriet, angeredet. Er klagte, dass seine Frau, der diese Lustreise zur Gesundheit empfohlen, immer kränker würde; zugleich bat er um ein Unterkommen. Der Graf erbot ihm alle seine Dienste, und führte selbst das Pferd nach einem Gartenhause, wo die Kranke keine Stufen zu steigen brauchte und doch aller Annehmlichkeit der Gegend genoss. Als sie sich auf dem Sopha eingerichtet, erhob sie den Schleier und zeigte ein so reizend sterbendes Gesicht, etwa in der Art, wie wir auf einigen altdeutschen Bildern von der sterbenden Maria sehen; sie sprach wenig, aber dieses Wenige beschäftigte sich nach dem ersten Danke ganz mit sorge für Mann und Kinder, dass sie die Zeit nicht ihretwegen versäumen möchten; sie möchten ihre gewöhnten arbeiten vornehmen. Nachdem dieses wenigstens von den Kindern geschehen und beide einige landschaftliche Skizzen auszuzeichnen begonnen hatten, redete sie erst die Wirte an und versicherte ihnen mit einer Art innerer Zufriedenheit, dass ihre Milde diesmal wohl angewendet sei, da ihr Haus durch die Gegenwart des grossen Waller gesegnet werde, den als ihren Mann zu nennen, ihr höchster Stolz sei. Jetzt begannen allerlei Komplimente; der Graf mochte nicht sagen, dass er seine meisten Gedichte für falsche Münze halte, welche die Eitelkeit mancherlei tönenden Worten ausgeprägt hatte; die Gräfin mochte nicht eingestehen, wie hoch sie ihn verehre; Waller entwickelte dabei in hoher Vollendung seine Manier, das Ernste spasshaft, das Spasshafte ernst zu nehmen, durch Sonderbarkeit zu verwirren, seine Vortrefflichkeiten als zu leicht auszuwerfen, und war bald so laut, als er vorher einsilbig gewesen. Seine Frau durfte ihrer Brust wegen wenig reden, sie legte zu ihrer Unterhaltung eine Rötelzeichnung von der Aussicht an, die alle umgab, bald ging ein Knabe hinaus, eine der Ziegen zu melken, und brachte ihr die Milch, die sie mit Lust austrank, dann gab sie beiden Kindern, dem Traugott und dem Alonso, die Freiheit umherzulaufen. Ohne eines Menschen zu achten, immer mit einander beschäftigt, holten die Knaben mancherlei Spielzeug aus den Taschen und begannen im schloss ein Durchsuchen, ein Umklettern, wie eine Diebesbande, oder wie ein paar neu angekaufte Hofhunde; die Leute des Grafen wollten es ihnen wehren, er aber gönnte ihnen dieses Vergnügen, was ihm sehr natürlich in jedem kind vorkam, aber wunderbar, insofern sie sich ihm ganz unbesorgt überliessen, als wäre die Welt ihre. Küche und Garten plünderten sie durch wie die Affen nur in dem Bedürfnisse des Augenblicks, ohne der Zukunft zu achten. Etwas von allen Tieren hatten sie auch wirklich in