ich das feste Zutrauen zum Onkel, dass er ehrlich spielt, aber ist es nicht schon ein Betrug Bank zu machen, wenn man voraus weiss, dass nach den Vorteilen, die das Spiel erlaubt, und wegen der Unbesonnenheit der meisten Spieler, die Bank immer gewinnen muss. Ich sagte das meinem Onkel, aber er wurde sehr heftig und schwor, dass er doch unmöglich ohne Gewinn seine Pacht an den Staat bezahlen, und sein Vermögen in die Bank stecken könne ..." Hier schlug Dolores um, und der Graf las auf der andern Seite: " ... Die Nonnen sind mein Trost, mit ihnen lerne ich viele schöne Handarbeiten; da sticken wir zusammen ein herrliches Messgewand, das Rosaliens Kapelle auf dem Berge geschenkt werden soll; es ist aus kleinen Blumen zusammen gestickt, und jede der Schwestern kann sticken, welche Blume sie liebt, doch immer, dass es sich wohl ordne. Ich sticke lauter deutsche Vergissmeinnicht, die sie hier nicht achten, und bei jeder denke ich immer ganz allein an einen von euch, oder an unsern alten Bedienten, und lasse manche Träne hineinfallen, und wo es einen Flecken macht, da sticke ich eine Perle drauf, damit die Schwestern nicht böse werden ..." Wiederum wendete Dolores das Blatt und der Graf las: " ... Neulich konnte ich es doch nicht lassen, einen jungen Mann zu warnen, der in törichter Hitze seinen Satz immer verdoppelte, aber was half's, jedermann lachte über mich; der junge Mensch spielte nun aus Eitelkeit noch wilder und bildete sich ein, ich sei in ihn verliebt. Jetzt lauert er mir aller Orten auf, so dass mich seine törichte leidenschaft oft zu haus hält; denn er soll kühn sein und es gibt hier wenig öffentliche Sicherheit. Mein Onkel gab mir einen derben Verweis, wofür mich freilich die Tante so freundlich trösten wollte; lieben Freunde, sie ist gut, sehr gut, ich verstehe mich aber nicht mit ihr; ich suche die Stille, sie wünschte in ihrem haus beständige Neckereien, Herumlaufen, Tanz ..." Dolores drehte wieder das Blatt, der Graf las: " ... So prachtvoll hier alles sein mag, unser liebes Deutschland vergesse ich darüber doch niemals; oft, wenn ich lange nicht daran gedacht habe, da fällt es mir so schwer aufs Herz, oft weiss ich nicht einmal, wobei es mir so einfällt. Neulich aber war ich ganz trostlos, da komme ich in unsere Küche, wo ich doch schon oft gewesen, und sehe so zufällig in dem knisternden Feuer der grünen Ölbaumäste eine schöne Figur in der eisernen gegossenen Platte, die im Hintergrunde des Herdes aufgerichtet steht; zwar war sie sehr verrostet, aber ich konnte doch noch deutlich sehen, wie sie aus einem Füllhorne Blumen fallen lässt. Unter der Platte standen nun mehrere lateinische Buchstaben, die ich zusammenbuchstabiere und immer nicht verstehen kann, weil ich auf etwas Lateinisches oder Italienisches rate; endlich spreche ich es ganz aus, seht, da heisst es Frühling; unser lieber deutscher Frühling, mit aller seiner Wunderbarkeit, wie er aus dem Schnee hervortritt, kann mich nie so verwundert, so gerührt haben als diese arme Frühlingsgöttin, die vielleicht seit hundert Jahren hieher verbannt, von niemand verstanden worden; wer wird mich hier finden, der mich versteht, da ich keine Blumen ausstreue wie jene! Ich habe nicht geruht, bis ich die eiserne Platte in meinem Zimmer aufgestellt habe ..."
"Die arme Klelia", rief der Graf, "wir müssen ihr gleich schreiben, sie muss zu uns ziehen; wer wird sie aber hieher begleiten? Ich begreife nicht, Dolores, wie du sie damals hast können wegreisen lassen; sie gehört so notwendig zu unserm Glücke; wir haben uns doch zuweilen gestritten und einander erzürnt, sieh, das wäre gar nicht möglich geworden in ihrer Nähe; sie ist ein Engel, bei dessen Anblicke einem alle Heftigkeit und Bosheit vergeht." – "Es ist gut, dass sie nicht hier ist", sagte die Gräfin, "so wie du jetzt gesinnt bist, würdest du sie sicher mir vorziehen; sie störte dich niemals, widerspräche dir nie; was du tätest und sagtest, wäre ihr immer recht; ich bin dir zu aufrichtig, zu freimütig." – "liebes Kind, wie du das wieder nimmst", rief der Graf und fing schon seinen Brief an Klelien an; "es ist mir gerade das Teuerste an dir, dass du so fest begründet, so sicher in dir lebst, um alle fremde Gesinnung zu verschmähen, um von niemand etwas anzunehmen, um ..." doch da war er schon so vertieft in seinen Einladungsbrief an Klelien, dass Dolores, ohne dass er es merkte, das Zimmer verlassen hatte, während er noch immer einzelne Worte zu ihr redete. Er schrieb gewöhnlich emsig und schnell, und da er nach einiger Zeit jemand neben sich atmen hörte, so glaubte er mit Wahrscheinlichkeit, es sei Dolores, die ungeduldig über sein langes Schreiben ihm über die Schulter sehe. Da der Brief gleich zu Ende ging, das heisst das Blatt, das so gebietend über die Länge der Gedanken entscheidet, so wollte er sie festalten und sie zugleich beschäftigen, indem er nach ihrer Hand griff. Wirklich fasste er auch eine Hand und drückte sie, und seine Hand wurde zärtlich wieder gedrückt; zugleich fühlte er einen heftigen