Wunder ich wirke in Seiner Macht; je mehr Seine Lust wächset, je grösser meine Hochzeit; je minniglicher wir uns ansehen, je ungerner wir uns scheiden; je mehr Er mir gibt, je mehr ich verzehre; je mehr ich leuchte, je mehr Lob wird Gott zubereitet.
Ich war oft so entzückt in seliger Anschauung des Bräutigams, dass ich das Geläute der Metten nicht hörte. Sie schickten mir den frommen Abt, um mich ermahnen zu lassen, und ich sagete ihm, was ich sehe. Und ihm ward wie einer schwebenden Taube und er kniete vor mir. Heiliger Vater, kommt zu mir, es wandelt mich oft eine Furcht an vor meiner Seligkeit und Vollkommenheit, als wenn ich damit nicht leben könnte auf Erden; als wäre ich schon im Himmel wie eine rote Abendwolke, die alle Gesichter der Menschen rötet. Schon kommen Bedrängte aus ferner Gegend, die von mir gehört haben, und wollen nur, dass ich die Hand auf sie lege, und ich lebe so selig in meiner Klause, dass mir die Welt rings ganz dunkel und öde erscheint. Ich werde von einer inneren Kraft getrieben wie ein Samenkorn und wage nicht, umzuschauen, ob ich Raum habe, meine Blätter zum Himmel zu treiben. Ich sehe die Säulen an unserer heiligen Kirche und traure, dass ihre Knospen nicht blühen; wenn sich meine Blüte erhebt, da wird die Kirche daran hängen wie ein Stein, der an den Baum gehangen worden, ihn nieder zu drücken; aber der Baum hebt endlich mit Frühlingskräften den Stein und der Stein drückt ihn nicht mehr nieder. kommt zu mir heiliger Vater, und vereinigt Euch mit mir; wie soll ich mich halten gegen die Wunder. Ich will Euch dafür mit aller meiner Kraft und Seligkeit erfüllen.
9. Der Einsiedler an die Mohrin
Liebe Tochter. Sässe ein Mensch vor einem Keller an einem sommerlichen Tage, schön bedeckt mit des gelaubten Waldes grünem staat, mit der Blumen heller Schönheit, trüge in seiner Hand einen Zyperwein in dem durchleuchtenden Glase und tränkete sich damit nach des Herzens Begierde; und ein anderer Mensch sässe auf der dürren Heide unter einer rauhen Wacholderstaude und läse Beeren ab, dass er kranke Menschen gesund machte; entböte jener diesem, wie er sollte tanzen, er spräche: "Der mag wohl trunken sein, mir ist ganz anders zumut"; wir sind ungleich geführt mein Kind, das mag ich eigentlich zu Dir sprechen von der Botschaft, die Du mir getan: wie eine Fackel entbrennet sei in Deinem Herzen und die Liebe Wunder in Dir wirke. Mein Kind, es steht eine grosse Freude auf in meinem Herzen, dass sich der Liebliche so lieblich erzeiget, und dass er Dir gibt zu empfinden, was er nur wenigen verleiht; doch merke liebes Kind, ein Mensch, der nie zu dem Weine kam, dem ist der Wein empfindlicher, als dem, der schon oft getrunken, und gedenke, dass Dir also geschehen sei von der klaren süssen Liebe der ewigen Weisheit, die Dich nun kräftig hat umfangen. Oder ich meine auch, dass Gott Dich reize, weil er Dich bald von hinnen nehmen will in den grundlosen Brunnen, woraus Du ein seliges Tröpflein versuchet. Nehme daher wahr Deiner leiblichen Kräfte, dass Du nicht verzehret werdest vom allzu heftigen Streben nach dieser Seligkeit. Es mag sich auch fügen, dass Du vielleicht bald auf ein Geringes gesetzet wirst, denn nach langer Hitze und Dürre leuchten die Wetter prächtig und tränken die Gefilde mit Himmelsduft, aber dann ist es oft lange kalt. Fülle in Demut Deine Zisterne und versäume nie darüber Dein Gebet, so wird es Dir nie an einem Labetrunk fehlen, den Du mit allen teilen musst, die da dursten. Liebe Tochter, versäume keinen andern in Deiner Frömmigkeit, indem Du Deine Frömmigkeit und Dein Glück mir anrühmest. Ich wohne hier in der Wüste an einer sanften Quelle, die immerdar in Tropfen fliesset, und habe ich ein Stündlein mit ausgestreckter Hand gesessen, so hat sich so viel des Trankes darin gesammelt, als mir gut tut im Alter. Liebe Tochter, es dursten so viele in der Welt unter schwerer Arbeit nach einer himmlischen Labung, danke es Gott durch solchen segenreichen Zuspruch, dass Du nicht wie eine Ehefrau mit Not und sehnsucht wegen Mann und Kind geplagt bist, sondern dass Dein Sehnen schon Seligkeit und ihre Erfüllung der Himmel sei. Dolores meinte am Schlusse dieser Briefe, Klelia hätte auch solche Heilige werden können, wenn sie in der alten Zeit gelebt hätte; sie sprachen von ihr, wie es käme, dass sie seit der ersten Nachricht von ihrer glücklichen Ankunft in Palermo noch gar keine Nachrichten erhalten hätten. Wie es sich aber oft so sonderbar mit ersehnten Briefen trifft, so kam der Briefbote während dieser Unterhaltung mit einem dicken Briefe zurück, den Dolores sogleich aus der Aufschrift erkannte: "Sieh Karl, ein Brief von Klelien, den les ich zuerst, nachher sollst du ihn lesen." So setzte sie sich still hin und der Graf las immer die umgeschlagenen Blätter laut ab: " ... Der Obrist, unser Onkel, hält alle Abend von neun bis ein Uhr eine Pharaobank; da kommen alle Offiziere des Regiments und die reichsten Leute der Stadt zusammen und ich muss sie unterhalten, ich Unglückliche, der vom Schlafe oft die Augen zusinken, und dabei muss ich sehen, dass sie ihn im Herzen verachten, wenn sie es gleich nicht kund werden lassen. Zwar hege