wie es doch so böse um das Heiraten der Mädchen wäre; kaum wäre ein Mädchen brauchbar, so würde es in eine ganz fremde Beschäftigung dadurch gebracht; wenn doch alle Dienste so könnten eingerichtet werden, dass die Leute sich dabei verheiraten könnten. – Der Graf sagte immer kein Wort und rechnete fort. – Die Gräfin sah ins Buch und las: "drei Schock Lattnägel, Hohlsteine", lachte und sagte: "Ich glaube, du wirst noch ein Baumeister; hör, du tust dir noch Schaden in der glatten Stirne, die ich so gern küsse, und das leide ich nicht!" – Dabei küsste sie ihm einen Kranz um die Stirn und dieses Entgegenkommen war bei ihr so selten, dass der Graf die ganze verwickelte Rechnung zur Seite schob, ungeachtet er sich fest vorgenommen hatte, sie noch denselben Tag zu beendigen, die Gräfin auf seinen Schoss setzte und sie herzlich küsste. – Die Gräfin aber sprang auf und rief: "Ich glaube, es ist das einzige Vergnügen, was du mir zu machen weisst, dass du mich küssest; sonst, ehe wir verheiratet waren, brachtest du alle Tage etwas zum Vorlesen; ja das war gute Zeit; jetzt bist du entweder in Geschäften, oder du denkst an Geschäfte; ich glaube, dass ich künftig dein Schreiber werden muss, wenn ich etwas von dir hören und sehen will." – "Du hast recht, liebe Frau", antwortete der Graf, "aber wahrhaftig ich kann oft nicht anders; ich wollte, ich hätte mich nicht in so vielerlei Arbeit eingelassen; was ich aber einmal unternommen, daran setze ich Ehre und Leben." – DOLORES: "Und ich setze alle meine Liebkosungen, alle meine Bosheit heute daran, dass du nicht zum Schreiben kommst; lies mir etwas vor." – GRAF: "Ich habe nichts." – DOLORES: "Da sind ja noch die Briefe, die dir fräulein Walpurgis gegeben." – GRAF: "Die werden dich nicht unterhalten, sie sind zu ernstaft." – DOLORES: "Immer zu; ich bin heute auch sehr ernstaft." – Der Graf las ihr jene Briefe, wie folget, vor:
Briefe eines wandernden Einsiedlers und einer
Mohrin, welche Nonne wurde4
1. Der Einsiedler an die Mohrin
Das edle Saitenspiel des heiligen Geistes, der Prophet David, war einstmals ertrunken in der Stille des göttlichen Schauens und sprach das edle Wörtlein: "Mir ist gut, dass ich Gott anhange." O wohl mir, gutes Kind, was mein Mund Dir oft begreiflich gesagt hat, als ich bei Dir war, das rufet zu Dir mein Herz: Wer Gott anhängt, wird ein Geist mit Gott und verschwimmet in das Einige ein; das ist das Allerbeste und dies begehrte der Widerglanz des ewigen Lichtes an dem letzten Nachtmahle, das er hielte mit den Jüngern: heiliger Vater, ich begehr, dass sie eins mit uns sind, als ich und du eins sind. Und welche also mit der Allheit in Einigkeit worden sind, alle ihre Sinne kommen dann in solche Eingezogenheit und ihr Verständnis ist ein Schauen der reinen Wahrheit in der Sonne des ewigen Geistes. Ach hebe auf Dein Auge, sehe, was freuet sich jetzund Berg und Tal, Laub und Gras, wie lachet jetzt die schöne Heide! Alles wegen der klaren Sonne, zu der Laub und Gras und jedes Kindes Auge blickt und trachtet. Ach darum mein Kind, erschwinge Dich in die wilde, stille Wüste der Gotteit und Dir wird wohl sein; wisse, dass ein starkes Gemüt mit Gott einen schwachen Leib überwinden kann. Wer aber der schönen Rosen Auge haben will, der muss ihre natürliche Art erwarten in Gemach und Ungemach, bis der fröhliche Tag kommen, da er sie in spielender Wonne fröhlich geniessen wird nach aller Herzenslust. Darum sei geduldig meine Tochter, wenn die Heiligung Deines neuen Lebens im Kloster Dich noch nicht ganz erschliessen kann, wenn Deine Stunden des Gebets noch leer an Freuden sind; jetzt ist noch Wintertag in Deiner Seele, aber Du ahndest doch oft schon den Frühling.
2. Die Mohrin an den Einsiedler
Ich danke Euch für Euer Schreiben, so weit ich es verstehe, doch auch, was ich nicht verstehe, tröstet mich, wie damals Euer Angesicht, als ich noch traurig es anblicken durfte. Heiliger Vater! Ich bin erst vierzehn Tage von Euch entfernt und meine, es wäre eine Ewigkeit. – Ich werde Euch wohl nie wiedersehen, denn Ihr wandelt mit Trost über den ganzen Erdboden, ich aber bleibe einsam in meiner Zelle. – Wie war ich so hülflos, ob Ihr gleich mit einem Segen von mir geschieden; die Schwestern sahen mich alle so neugierig an, und befühlten meine Hand, ob die schwarze Farbe darauf sässe oder darunter; meine Seele umzog dann Nachts ein so trübes Licht, dass ich nicht schlafen konnte, sondern an das Fenster ging und mich über den Mond verwunderte, wie er so helle durch die Linden schimmerte; die Linden schienen ihm entgegen zu rauschen und ich fühlte mich umfasst von der kranken Schwester Terese, die auch nicht schlafen konnte und immer Nachts durch alle Zellen schlich, und wusste alles, wo die Nachtfalter im Mondenlichte flatterten und wo die Nachtigall sänge. Sie ist so gut, beinahe so gut wie Ihr, und klagt nur immer, dass sie mich nicht genug lieben kann. Die andern Novizen denken alle noch weit hinaus in