Der Name des Herrn sei gelobt!
Viel schwächer ich mich fühle,
Da mir so nah die Lust,
Als da ich fern dem Ziele
Ans Sterben denken musst:
Nackt bin ich in diese Welt gekommen,
Nackt werde ich auch wieder aufgenommen.
Der Herr hat's gegeben,
Der Herr hat's genommen,
Der Name des Herrn sei gelobt! Amen.
Alle Gäste
Ein Engel wird dir decken
Die blauen Äugelein,
Ein Engel überstrecken
Sich um die Ohren dein,
Niemand, keiner wird dich mehr erblicken,
Löscht die Lichter; Finden ist der Lieb
Beglücken!
Der Geist ist gegeben,
Er mehret das Leben,
Der Wille des Herrn soll geschehn.
Chor der Schlechten, die links fortgehen
Ich kann sie nicht mehr stören,
So wird es dennoch wahr,
Dort gehen die Brunnenröhren
Im hellen Mondschein klar;
Ich muss gehen von der reichen Quelle
Trocknen Mundes, Wermut an der Stelle,
Wie ist mir so wüste
Vom wilden Gelüste,
Sie denket wohl nicht, was in mir tobt.
Enteilt ihr Flitterwochen,
Ist erste Lieb vorbei,
Will ich ans Türlein pochen,
Dann bin ich frech und frei;
Liebeszauber ist dann schon verschwunden,
Und sie fühlt vom Ehring sich gebunden;
Der Mann wird dann schelten,
Da werde ich was gelten
Im Namen des Teufels es geht.
Die Frommen, die rechts fortgehen
Ich liebte sie so stille,
Wie Gott die Welt geliebt,
Doch es war nicht sein Wille,
Dass sie mich wieder liebt;
Ewig bleib ich dennoch ihr so eigen;
Gott, dir soll's mein einsam Leben zeigen;
Er muss es wohl wissen,
Was besser wir missen,
Er wusste allein, wie sie mir lieb.
Wie Gold ins Meer versenket,
Wird in Verschwiegenheit
Die Liebe abgelenket
Von ihrem trüben Leid;
Meine Liebe muss sie nimmer wissen,
Dass sie nimmermehr mich kann vermissen,
Ihr Los ist geworfen,
Und ich bin verworfen.
Sie liebt ihn; mein Unglück trag ich fern.
Bald bet ich in der Klause
In der Waldeinsamkeit;
Herr schenke ihrem haus,
Ach all die Seligkeit,
Die ich hoffend hatte mir ersonnen;
Sei mein Beten ganz für sie gewonnen.
Die Menschen, sie denken,
Und Gott wird sie lenken.
Der Name des Herrn sei gelobt!
Der Gesang war kaum geendigt, so begannen die beiden Geistlichen einige Spässe über einzelne Verse des Gesanges, den sie für einen Scherz des Grafen hielten und keinesweges für seinen besten Ernst, wie es doch wirklich war. Die Gräfin nahm das etwas übel, da sie selbst dabei tätig gewesen, sie sagte dem Grafen leise, so ungesittete Leute wären doch wert vom hof hinunter geworfen zu werden, da sie überdies gar nicht eingeladen wären. Der Graf hatte einen ähnlichen Entschluss in sich verbissen, und es bedurfte nur dieses Anstosses zum Hervorbrechen seiner Hitze; ohne weitere Erklärung nahm er die beiden Geistlichen beim Kragen, und schleppte sie mit grosser Heftigkeit durch die Menschenmenge, die es für einen neuen Tanz hielt, in den Hof, und liess die Verwunderten dort mit der Weisung stehen, nicht eher wieder seine Schwelle zu betreten, bis Geschäfte ihre Gegenwart notwendig machten. Nach dieser Anwendung seines Hausrechts war er plötzlich ganz abgekühlt; die beiden Menschen taten ihm leid, sie hatten es nicht schlimm gemeint, und er war durch diesen unbesonnenen Entschluss vielleicht für immer ihrer nachbarlichen Gesellschaft beraubt. Als die Gesellschaft sich entfernt hatte, fand ihn Dolores, wie er in grossem Ärger das Hochzeitgedicht zerriss und zertrat. "Um ein paar einfältige Verse", rief er, "habe ich einen Zusammenhang mit der Geistlichkeit gestört, der mir zur Bildung meiner Leute so wesentlich; sieh, liebe Frau, es ist das schönste Geschäft der Frauen, eine törichte leidenschaft zu bändigen und zu beschränken, künftig giesse kein Öl ins Feuer!" – Sie nahm diese Ermahnung mit einiger Empfindlichkeit auf, weil sie zum Sprechen allzu ermüdet war; sie war schon eingeschlafen, als ihr der Graf eine gute Nacht bot, und der Tag endete ihm weniger heiter, als dessen Aufgang erwarten liess. – Ist es nicht eben so im grossen Leben der natur, in der Witterung; wie könnte unser kleineres Leben sich davon los opfern und frei beten; doch wünschten wir, dass eine glückliche Ehe dies vermöchte, und wenn dies unmöglich, dass sie wenigstens in ihrer Dauer und Festigkeit und übrigen Glückseligkeit dadurch nicht gestört werden könnte. Wir sagen mit Waller, den wir bald näher kennen lernen, zum Schlusse dieses Hochzeittages:
Eine glückliche Ehe vergleich ich dem Pendel der
Uhren,
Der aus verschiednem Metall schön im Verhältnis
gefügt,
Wenn es im inneren auch spannt im ewigen
Wechsel der Wärme,
Nimmer von aussen es zeigt, nimmer verwirret die
Uhr;
Blinkend erscheint er im Anfang und rostig
gedunkelt im Alter,
Doch sein Innres vereint gleiche Vertraulichkeit
stets.
Siebzehntes Kapitel
geschichte des Einsiedlers und der Mohrin.
Nachrichten von Klelia
Am anderen Morgen war die Gräfin recht betrübt, dass ihr Rosalie fehlte, die jede ihrer kleinen Gewohnheiten und Bequemlichkeiten kannte, jeden Wink verstand; erst jetzt lernte sie die ausgezeichnete Fügsamkeit und Beflissenheit des Mädchens kennen, da ihr Ilse alle wesentlichsten Dienste ganz ungeschickt leistete. Sie flüchtete sich aus ihren ungeschickten Händen ganz verdriesslich zum Grafen, der bei der Durchsicht einer weitläuftigen Baurechnung der neuen Dorfkirche, die nun bald beendigt war, alle seine Aufmerksamkeit gefesselt hielt, legte sich auf seine Schulter, spielte in seinen Haaren, und erzählte ihm mit einem weinerlichen Tone,