die Taufe ist verrichtet,
Und noch vierzehn Tage später
Dauert unsers Herzogs Freude.
Doch da wird der Prinz viel schwärzer
Als des Herzogs Tintenfinger,
Den er braucht zum Unterzeichnen,
Und der Herzog sieht mit Schrecken,
Dass es sei ein Mohrenjunge,
Was noch keiner von den Ärzten
Hat gewagt, ihm zu verkünden.
Und der Herzog will verzweifeln,
Beisset sich auf seinen Finger
Und der schmecket gar nach Tinte;
Und die Herzogin erbosset,
Dass ihr guter Ruf könnt leiden,
Wütet ein auf die Prinzessin, –
Doch es muss verheimlicht werden.
Traurend wird des Trones Erbe
Bei dem volk tot gesagt,
Und ein Affe wird geschlachtet
Von den beiden flinken Ärzten,
Wohlrasiert und angezogen,
Mit dem Myrtenkranz und Degen,
In ein kleines Sarg geleget,
Schwach beleuchtet ausgestellet,
Und mit grossem Leichenzuge
Beigesetzt in der Kapelle.
Ach du Ärmste der Prinzessen,
Wie viel Schimpf musst du ertragen,
Heimlich wirst du ausgekiffen
Von der bösen Herzoginne,
Und du sehnst dich nach dem Stifte.
Kinderlos bleibt so der Herzog,
Doch genügte ihm am Ruhme,
Dass ein Kind von ihm entsprossen;
Nur zum Schein hat er gescholten
Die Äbtissin, dass sie frevelnd
Sich mit Heiden abgegeben.
Sie beschwört die eigne Unschuld,
Will doch nicht den Vater nennen,
Weil sie ihn nicht hat gesehen,
Weil sein Leben ihr noch teuer,
Hat er's Kind gleich angeschwärzet.
Sie erzählt nur, wie im Garten
Sich belebte jener Nussbaum,
Meint, dass sie sich hab versehen
An der Nacht, die gar zu dunkel,
Oder dass, wie grüne Schale
Von den Nüssen schwärzt die Finger,
So auch dieses Kind des Nussbaums
Sei in seiner Haut geschwärzet,
Und man hätt' es schwefeln sollen;
Doch das ist nun viel zu späte; –
Als sie ganz gesund zur Reise,
Kehrt sie heim zum Fräuleinstifte,
Alle Lieb ist ihr vergangen
Seit sie Sternenkunst getrieben;
Und sie hält sich zu den andern,
Schwätzend, spielend, zankend, putzend.
Bei dem Landvolk aufgezogen,
Unbewusst, woher er stamme,
Wächst der kleine Mohrenjunge
Und durch seine Wundergaben
Alle Nachbarn fast erschrecket.
Während noch die andern Kinder
Mit ihm spielen ihres Gleichen,
Wer gestohlen, konnte er wissen,
Wer zu Nachte umgegangen,
Wer vom Morgen abgepflüget,
Welcher Schneider in die Hölle
Hat gepeitschet grosse Lappen,
Welche Kühe würden kalben,
Welche Tauben sich verfliegen,
Alles wusst er zu erraten,
Und der Kuckuck war vor allen
Ihm gewogen mit dem Rufen.
Wie ein rechtes Meereswunder,
Wurde dieser schwarze Flecken
In der Ehre der Prinzessin
Rings im land vorgezeiget;
Also kam er auch zum Stifte,
Machte schamrot alle Fräuleins,
Dass sie ihn ermorden wollten.
Doch er bittet, eh' er sterbe,
Dass ihn höre die Äbtissin
Ganz allein in ihrem Zimmer,
Was sie endlich ihm gewähret,
Ahndend, dass es sei ihr Knabe;
Und da zeigt er ihr sein Wappen,
Das ihm eingebrannt so frühe
Und zu löschen ist vergessen,
Er begrüsset sie als Mutter.
Und sie frägt ihn freundlich küssend
Trotz der aufgeworfnen Lippen:
"Da du alles kannst erraten,
Sage mir, wer war dein Vater?
War es nicht der Herr Offzierer,
Der so oft vorbei geritten
Mit den Wangen rötlich weisslich;"
Und der Knabe spricht mit Lächeln:
"Nimmer nein, es war ein Pauker,
Cipripor, das war sein Name,
Bei dem Regiment Dragoner,
Wovon jener war der Oberst;
Sicher habt Ihr ihn gesehen,
War ein Mohr, ein schwarzer Teufel,
Und der Teufel war im Vater,
Als er Euch in schönem Dunkel
Überraschte und besiegte;
Also teuflisch sind die Kräfte,
Die er mir damit verliehen:
Doch weil Ihr in reiner Unschuld
Seid gefallen von dem Guten,
Nur von Einbildung befangen,
Wohl so sind mir alle Kräfte
Nun zum Guten hingewendet." –
Nun erzählt er ihr ausführlich,
Wie der Vater, wenn es dunkel,
In des Stiftes Garten kommen,
Ziegenfleisch und gelbe Erbsen
Von den Fräuleins einzuhandeln,
Was zu reichlich war dotieret:
Und so hab ihn da Frau Mutter,
In dem Wahnsinn alter Liebe,
Schmachtend ihn im Kuss umfangen,
Hab geglaubt, es sei der Oberst.
Das sei gar nicht zu verwundern,
War doch seine Stimm nicht schwärzer,
Als von allen andern Männern,
Trug er doch so gut den Degen
Und die Feder auf dem hut,
Schwere Stiefeln, Klapperspornen,
Und die Binde und die Krause,
Wie der schönste Stabsoffzierer.
Die Moral ist nun gewesen:
Dieser kleine Mohrenjunge,
Der mit recht beredter Zunge,
Jetzt geschützt von der Äbtissin,
Trat zu ihren alten fräulein,
Und mit rechtem scharfen Besen
Aus den Winkeln der Gemüter
Hat gefeget weltlich Leben.
Die Äbtissin schickt ihn heimlich
Zu dem Herzog, der gealtert
Jetzt nun gar nichts denken konnte,
Sondern alles unterschriebe,
Seine besten Freund liess hängen,
Wenn nur zu der rechten Stunde
Ihm das Mittagsmahl bereitet.
Und der Herzog lässt ihn kommen,
Frägt ihn lächelnd, was er könne,
Ob er auf dem Seile tanze
Oder Kartenkünste mache,
Ob er unverbrennlich wäre?
Alles dreies macht der Knabe,
Und der Herzog wählt ihn gnädig
Sich zum ersten Staatsminister,
Und will gerne mit ihm reden
Von der wahren Staatsverfassung.
Wie ein Buch spricht da der Knabe,
Doch der Herzog hat noch nimmer
Acht gegeben, was gesprochen;
Und der Knabe kann auch singen
Nun verstehet ihn der Herzog,
Aber ich verschweig dies Liedchen,
Denn es riechet gar zu mystisch.