1810_Arnim_005_55.txt

Prinzessin setzt sich nieder

An den Schrank von bunten Masern,

Schneidet eine Pfauenfeder,

Schreibt dem Herzog, ihrem Bruder.

Die Äbtissin an den Herzog

Bruder, Du hast mich verschlossen

In dem alten Fräuleinstifte

Um die Ausstattung zu sparen,

Samt und Hafer, und das Weissbrot,

Von den Ständen mir geschenket.

Sieh, zur Strafe von dem Himmel

Bist Du ohne Kind geblieben,

Das er mir zur Straf bescheret;

Doch es stammt von einem Helden,

Also wird's ein Held auch werden,

Darum seid geneigt dem Rate,

Den ich Euch in Demut gebe.

Euer Reich fällt heim den Fremden,

Und mein armes Kind muss sterben,

Und ich geh in Schand verloren,

Wenn Ihr diesem Rat nicht folget,

Nicht mein Kind, in Schuld empfangen,

Mild zu Eurem Kind annehmet.

Eure Frau, die Herzoginne

Muss sich stellen guter Hoffnung,

Und ich komme dann im schloss

Heimlich nieder: Gott wird helfen!

Und mein Kindlein wird getragen

Heimlich zu der Herzoginne,

Als ob sie es hätt' geboren.

Denkt darüber nach in Liebe,

Und dann seid Ihr überzeuget,

Fühlet recht den Willen Gottes,

Wie er Böses gut hier mache,

So verzeihet der Äbtissin.

Als der Herzog dies gelesen,

Schloss er sich in seinem Zimmer

Ein mit Ärzten und mit Räten

Und nach dreien schweren Tagen,

Wo sie ohne Schlaf verhandelt,

Ist der kühne Plan gebilligt

Und mit ihnen angeordnet,

Wie er leichtlich auszuführen.

In dem schloss, wo er tronet,

Nach dem Astronomen-Turme

In der Mitt vom Karpfenteiche,

Tragen sie den Tron, den weichen,

Als Geburtsstuhl ihn zu richten;

Aus dem astronomischen Werkzeug

Wird die Zange bald geschmiedet,

Und im Spiegelteleskope

Sei die Wiege für das Kindlein.

Als dies alles angeordnet,

Setzt er sich zum Tisch von Pappe,

Der mit Goldpapier bezogen,

Schreibt mit einer Kasuarfeder:

Der Herzog an die Äbtissin

Pripert Magnus, Herzog aller

Gross und kleinen Karpfenteiche,

Euch entbietet Gruss und Gnade! –

Schwester, seid Ihr ganz des Teufels,

Doch es sei Euch dies verziehen,

Möchte Euch nicht gern erschrecken,

Könnte Eurer Frucht sonst schaden;

Euer Vorschlag ist genehmigt

Wegen Eurer klugen Listen,

Und Ihr sollt ins Kindbett kommen

Auf dem Astronomen-Turme;

Heimlich reiset Ihr zur Hauptstadt,

Als ob Ihr zum Bade reistet

Wegen eines inneren Übels

Von der schlechten Kost im Stifte;

Schreiben ist nicht meine Sache,

Sprechen lässt sich alles besser,

Ich bin wohl affektionieret.

Also hat sie ungesäumet

Sich zur Reise angeschicket.

Und die Fräuleins alle möchten

Mit ihr ziehen nach dem Bade,

Doch sie lässt sie all zurücke.

Nächtlich kommt sie nach dem schloss,

Wird vom Leibarzt hingeführet

Nach dem hohen Schmerzensturme.

Ach wie viele müss'ge Stunden

Sind ihr nun von tausend Uhren,

Die im ganzen haus ticken,

Vorgerechnet, wo sie müssig

Legt im Schoss die schönen hände,

Und sie will Kalender machen,

Schauet, kalkuliert und rechnet

Mit den Ärzten ganze Tage.

Während sie so eng verschlossen,

Trägt die Herzogin die Zeichen

Ihrer guten Hoffnung mühsam:

Wird begrüsst von allen Ständen,

Die nach dem Gelusten fragen,

Was sie wünsche, was sie fordre.

Äpfel, indian'sche Nester,

Marzipan und Pfeffernüsse,

Alles wird herbeigeschaffet,

Alle edlen sind in Sorgen,

Alle Landeskirchen beten

Um die glückliche Befreiung.

Doch die Herzogin viel lieber

Wär befreiet von dem Panzer,

Den die Ärzte ihr bereitet,

Ihr den schlanken Wuchs verstellend:

Denn sie war so zart gewachsen,

Wie ihr Name es bezeichnet;

Wie ein Fidibus für Pfeifen

Schien sie sonst im weissen Kleide,

Mit den kranken roten Wangen.

Stolz ging jetzt der dicke Herzog

Auf und nieder in dem schloss,

Strich sich seine goldne Weste,

Meinte, dass ein jeder sehe

Nun auf ihn, weil bald ein Kindlein

Würde auch nach ihm genennet;

Denn nach allen Glückwünschungen

Meinte er sich wirklich Vater,

Sprach von nichts als von der Ehre,

Von der Würde eines Vaters,

Von der Mühe es zu werden;

gnädig liess er sich die hände

Küssen von der Herzoginne,

Tat, als wenn er Vater wäre

Aller Kinder in dem Reiche.

Endlich naht der Tag der Freude,

Alle Telegraphen spielen,

Kanonier mit brennenden Lunten,

Und der Herzog wie ein Putahn

Kullernd in dem ganzen haus,

Und die Herzogin verlegen,

Und die Ärzte ängstlich laufend,

Dass man ihren Weg nicht sehe

Nach dem Astronomenturme;

Und die alten Fraun vom hof

Sehr erbittert, dass man ihnen

Allen Zutritt hat verschlossen;

Jede hat ein volles Dutzend

Lieblicher Historien

Aus dem Rauch dazu genommen,

Und nun müssen sie einander

In der Kürze alles sagen,

Weil es kalt ist auf den Treppen, –

Der Effekt ist ganz verloren.

Endlich seht das grosse Zeichen

In den tiefen nächt'gegen Stunden,

Und der Marschall mit dem Schnupftuch

Winket zweimal aus dem Fenster,

Von den fackeln wohlbeleuchtet.

Also ist ein Prinz geboren,

Und die Kanoniere schiessen,

Dass die Scheiben aus den Fenstern,

Menschen aus den Türen fliegen;

Und es gibt ein frohes Jauchzen,

Dass die Frösche in dem Teiche

Nicht alleine nächtlich singen.

Als das Wappen eingebrennet

Unserm Prinzen an den Hüften,

Dass man ihn nicht mög vertauschen,

Merkt man eine eigne Farbe

In der Haut, die schwer zu nennen;

Doch das ist gar oft an Kindern,

Die erst neu zur Welt gekommen,

Eins ist grün, das andre bläulich,

Das vergeht in wenig Wochen.

Als die Glückwünschung empfangen,

Und