Er ruht an der Tür,
Die Hand unterm haupt,
Im Tuch, das er raubte.
Ei du schelmischer Edelknecht!
Hier hast du wohl geschlafen schlecht?
Komm, fülle das Marmorbad,
Komm, trete das Wasserrad,
Wir wollen das Bad schnell füllen,
Am tiefen Brunnen im stillen.
Der Edelknecht
O ich seliger Edelknecht!
Den Liebchen und Sonne erwecken recht;
Kaum kann ich sehen, so lichterloh
Glänzt es in meine Augen froh;
Wie dien ich doch so willig,
Die herrschaft ist so billig.
Der Graf
Ich höre die Bronnen
Mit spiegelnden Sonnen
Im ruhenden Hof;
Die Fenster im Schloss
Sind alle noch zu
In Liebesruh;
Am Giebel so fein
Manch Stimmelein klein;
Die beiden das Becken
Erfüllen mit Necken.
Mit Blumen sie's streuen,
Die Gräfin zu freuen;
Die Gräfin nicht schlief,
Sah's alles und rief:
"Die Morgenstund
Hat Gold im Mund.
Schau Knabe herauf,
Fang alles dir auf,
Bestelle dir Geigen,
Tanz hochzeitlich Reigen.
Nun Jüngferlein spröde,
So macht es doch jede,
Verstelle dich nicht,
Und zeig dein Gesicht.
Nun küsset euch
Nur beide gleich;
Denn, durft es geschehn,
Eh' ich es gesehen,
So küsst euch nur tüchtig,
Da ich euch ansichtig."
Wie soll ich's beschreiben,
Es glänzen die Scheiben
Vom frohen Gesicht
Der Gräfin, die spricht.
Sie küssen sich oft,
Es hallet der Hof,
Sie drücken die Händ
Und finden kein ende,
Und können nur danken
In sel'gegen Gedanken.
O du seliger Edelknecht!
Nun geht nicht aus dein schön Geschlecht;
Vom Abend bis zum Morgen früh
Zur Hochzeit wird getanzet glüh.
Was hast du von dem Tanze?
Der Edelknecht
Die liebe Zeit vom Kranze!
Vierzehntes Kapitel
geschichte der fräulein Lila, der fräulein Mirrha und
der fräulein Walpurgis
Hier endete sich das Spiel mit einem zärtlichen Kusse, den die Gräfin ihrem mann gab, und er fühlte sich so reichlich für allen kleinen Kummer des vorigen Tages entschädigt; auch die Stiftsfräulein sahen mit Rührung ein Glück, dessen Hoffnung ihnen so ferne lag, und konnten nicht lassen, es zu rühmen. Kaum hatte der Graf und seine Gesellschaft die ersten Ehrentänze gemacht, so hielt auch seine Dienerschaft und sodann das ganze Dorf mit Braut und Bräutigam einen schnell abwechselnden Umtanz, an dessen Schlusse nach alter ländlicher Gewohnheit eine Verkleidung ausgeführt wurde. Die tolle Ilse kam in geistlicher Kleidung, eine Perücke von ausgeblasenen Eiern auf dem kopf, eine lächerliche Maske vor dem gesicht, und versicherte, das neue Ehepaar sei noch nicht ordentlich und vollständig getraut. Alle stellten sich erschrocken und die Neuverheirateten mussten demütig um eine vollständige Trauung bitten; die Maske erfüllte nach vielen Umständen, warum man sich nicht gleich an sie gewendet; diese Bitte, das Trauungszeremoniell wurde lächerlich parodiert, einigen unanständigen Liedern folgte eine lange Rede voll Zoten, die von allen herzlich belacht wurden, weil jeder sie seit Jahren kannte; des Grafen zierliches Spiel war aus dem Gedächtnisse aller verwischt. Nach dem Ende des Spiels sagte der katolische Geistliche, dass er nun schon zwanzig Jahre vergebens daran arbeite, diesen anstössigen Spass abzubringen, aber jede Hochzeit vermehre ihn mit neuen Einfällen; die ernstaftesten gesittetsten Leute des Dorfes beständen eben so sehr auf die Beibehaltung, als das junge lustige Volk. Der Graf dachte darüber nach, und sah, dass die Leute nicht unsittlicher nach dem Spasse, als vorher aussahen, da fuhr es so aus ihm heraus, er wusste selbst nicht, ob er an das glauben sollte, was er sprach: "Der rohe und meist der unschuldigste Mensch lässt seinen Scherz gemeinhin über die Verhältnisse der Geschlechter aus, weil sie ihm am deutlichsten und wichtigsten unter allen sind; uns sind andre Verhältnisse, der Staat, die gesetz, der Krieg wichtig geworden, wir reissen damit im fröhlichen Augenblicke unsre Zoten und wer weiss, welche die besten sind; eine gute Zote erfordert auch ihr Talent; ich wüsste keine zu machen, sie hält Leib und Seele zusammen; – überhaupt, worüber man einmal mitgelacht hat, das sollte man nicht mehr verdammen dürfen." – Der Geistliche war sehr beschämt, denn er hatte wirklich von ganzem Herzen gelacht; der Graf lenkte wieder ein: "Freilich, das Ehrenwerte der Religion, der bessere Scherz, die feinere Unterhaltung muss darüber nicht zu grund gehen, insbesondre muss man bedenken, dass die Zote ihrem Grund und Boden leibeigen ist, und daher nicht in die Welt eingeführt werden kann, ohne eine Ungerechtigkeit gegen die edle Unterhaltung zu begehen." – Der Geistliche bejahte das und der Graf führte seine Gesellschaft von Damen nach der Weinlaube, wo ein Tisch mit Zuckerwerk, Erfrischungen, Weinen und Früchten jeder Art für sie gedeckt stand; dort brachte er sie unbemerkt auf Erzählungen von ihrem Stifte und dessen inneren Verhältnissen; endlich eröffnete er ihnen geradezu, sie wären seit einigen Tagen im schloss in ein so allgemeines Geschichterzählen gekommen, dass er sich durchaus wenigstens ein paar Lebensgeschichten von ihnen erbitten müsse. Die armen Fräuleins zierten sich gewaltig; eine wollte der andern die Last aufbürden; es wurde aber nichts daraus, bis eine anfing, von der andern zu erzählen; da erschienen nun viel alltägliche Historien, von Stiefeltern, die ihnen den Aufentalt im haus verleidet, von Vätern, die erschossen worden: nur ein paar finden wir des Aufzeichnens wert. fräulein Lila warf der fräulein Mirrha vor, sie könnte glücklich verheiratet sein, wenn sie nicht die Stunden