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; in dieser Überzeugung trage ich keine Scheu, meine leidenschaft zu bekennen; nur ihre Verheimlichung gegen andre würde sie zum Verbrechen machen." – "Aber lieber Herr Prediger, ist es Ihnen nicht drückend, so lange ganz allein zu wirtschaften, die Hoffnung auf Kinder so weit hinaus zu setzen?" fragte der Graf. – "Mein werter Graf, von meinem Pfarrhause sehe ich die wohnung eines katolischen Pfarrers, Ihres Predigers; der Mann hat für sein ganzes Leben all den Freuden entsagen können, um seinem heiligen Willen zu folgen, und ich könnte nicht einmal sechs Jahre aufopfern; der Mensch kann sehr viel, was unsrem weichlichen Zeitalter unmöglich scheint; der Krieg hat gar manchem diese Wahrheit bewiesen und die Bekanntschaft mit Indien, die sich jetzt so allgemein verbreitet, führt denselben Beweis für die mögliche Aufopferung aller Kräfte zu einem heilig verpflichteten Dienste. Kinder fehlen mir nicht, ich habe deren viele, ohne die gute Sitte zu verletzen; mir ist eine wunderbare Kraft verliehen, die mir ganz bewusst ist; wo ich glückliche Ehen sehe, die der Kinder ermangeln, da blicke ich die Frauen an und erfülle sie mit guter Hoffnung; diese wirkung ist in mir ohne alle sündliche Neigung; ja meist mir ganz unbewusst geschieht diese geistige Durchdringung. lachen Sie nicht gnädige Gräfin, wer weiss, ob Sie selbst mir nicht Zeugnis ablegen müssen." – Der Graf fand den Scherz nicht ganz angenehm; die Gräfin dagegen liess sich in lustige Betrachtungen über die wunderlichen Verwandtschaften ein, die aus solchen geistigen Blikken entständen; sie erklärte Leidenschaften und Freundschaften, die oft eben so plötzlich als überraschend sind, aus solcher geistigen Verwandtschaft. Der Prediger gab ihr recht und fügte noch hinzu, dass gerade darin das tief Ergreifende dieser gleichen Liebe in Unschuld und Jahren, und dieses Wunsches liege, der sicher jedem bei Hollins Schicksale erwacht, ihn retten zu können, wenn wir auch seine Unbesonnenheit tadeln, dass in so seltenen Fällen diese gleiche Unschuld sich begegnet und ganz froh macht; in den meisten Liebschaften ist die geistige Verwandtschaft von dem Verlangen der natur ganz geschieden, und sucht sich nur in Täuschungen zu verbinden. – "Sie scheinen viele sonderbare Erfahrungen gemacht zu haben, erzählen Sie uns noch etwas davon; wenn ich so ins lässige Zuhören gekommen, da mag ich den ganzen Abend nicht mehr reden; auch schloss Karls letzte Liebeshistorie gar zu ernstaft; Sie müssen es durch etwas Lustiges aus Ihrem eignen Leben wieder gut machen."

Zehntes Kapitel

Geschichten aus dem Leben des Prediger Frank

"Der Wunsch einer schönen Gräfin ist einem armen Landprediger Befehl", sagte Frank, setzte sich, und erzählte recht lebhaft nach einer Pause. – "Ganz flüchtig muss ich Ihnen den Umriss meines früheren Lebens zeichnen; Sie werden sich meine Eigentümlichkeit in ein paar Vorfällen daraus besser erklären. Mein Vater war Landprediger, meine Mutter eine Adlige und im strengsten Sinne Beherrscherin des Hauses, welches sie an mir, ihrem einzigen kind, bis an ihr Lebensende bewährte. Mein Vater starb, nachdem er mich durch guten Unterricht zur Universität wohl vorbereitet hatte; diesen einzigen Einfluss auf mich gestattete ihm meine Mutter, sonst durfte ich ihn nie im dorf oder in der Gegend umher begleiten; immer fürchtete sie, ich möchte verführt werden. Noch ist es mir unerklärlich, was ich unter dem Worte 'verführen' mir gedacht habe; es schauderte mir aber dabei und davor, als wäre es ein Spiessen und Brandmarken zu gleicher Zeit. Mein Vater starb, als ich zur Universität abgehen wollte, und meine Mutter, die bis dahin nicht über ihren Garten hinausgekommen und immer mit verbundenem kopf umher geschlichen war, entschloss sich aus sorge vor meiner Verführung, sich reisefertig zu machen und mich dahin zu begleiten; ich hatte keine Vermutung, welches aufsehen das auf der Universität machen könnte; ich meinte, das sei der regelmässige Gebrauch, und war daher nicht wenig überrascht, als ich das unglaubliche Schreien hinter mir her hörte, da meine Mutter mich bis an die tür des Kollegiums brachte und mich wieder von da abholte. Nichts konnte sie von dieser Lieblingsidee, mich zu begleiten, abbringen, als die Furcht, dass ich mich deswegen mit einigen der alten Spottvögel schlagen müsse; deswegen allein blieb sie zu haus, doch ihre leidenschaft zu mir verwandelte sich in dem einsamen Warten, in der Besorgnis um mich in Wahnsinn, oft warf sie sich Nachts über mein Bette, ob ich auch nicht heimlich ausgegangen sei. In solchem Kummer verging sie wie ein Schatten und liess mich nach einem halben Jahre ganz selbst überlassen auf einer der lustigsten Universitäten. Doch konnte erst allmählich meinem Wesen jene Rückhaltung genommen werden; ich tat alles dazu, besuchte Fechtboden und Gesellschaften, nur vor dem Verführen blieb mir der eingeprägte Schauder, der mich jedesmal ergriff, so oft ich aus einer gewöhnlichen jugendlichen Eitelkeit mir vornahm, mit meinen Kameraden gleiche Schuld zu übernehmen. Ich bin fest überzeugt, wenn ein Mensch unter drei Augenblicken nur zweie tugendhaft ist, so kann er ein Heiliger werden, denn alles Laster hat eine eigene Umständlichkeit, dass die beiden tugendhaften Augenblicke notwendig zwischentreten müssen. Sie haben mich gekannt, Herr Graf; ich war in allen übrigen Verhältnissen ein ganz fertiger Student." ... "Viel mehr als ich", sagte der Graf . ... "Eine Verbindung mit einem Frauenzimmer schien mir indessen ganz notwendig zu meiner Ausbildung; ich wollte also gleich mein Glück bei der Frau eines Professors versuchen, weil es