und den Vater ganz auf seine Seite gebracht, dass dieses Trauerspiel zu einem Geburtstage der Mutter in ihrem haus aufgeführt werden solle, und dass Maria die Hauptrolle übernehmen müsse. Er schrieb an Hollin, dass er ihm auf dem Krankenlager nach der Verwundung versprochen, ihm einmal einen Dienst zu leisten, insofern er seinen Kräften angemessen; nun sei niemand in G., der den Mortimer machen könne, und niemand in der Welt, der ihn besser machen könne als Hollin, er möchte sich also dazu einfinden. Hollin kam die Einladung sehr gelegen; er war denselben Morgen als Bergrat angestellt worden; er konnte jetzt, bei dem Besitze von dem eignen Vermögen, eine Frau ernähren; gleich schrieb er an Lenardo, er komme gewiss, aber erst am Tage der Aufführung; er müsse ganz geheim halten, wer die Rolle übernommen; er selbst könne sie leicht in den Proben spielen und für die Kleider wolle er selbst sorgen. – Seinem Odoardo meldete er seine Versorgung und seine Ankunft und bat ihn Marien davon zu benachrichtigen; den letzteren Brief legte er in jenen. – Lenardo war zu erfreut über das Gelingen seines Planes, um den Brief an seinen Freund richtig zu bestellen; erst am Morgen der Aufführung fand er ihn in einer tasche und gab ihn dem Odoardo, der den Leicester im Stücke recht brav probierte. Odoardo fand in seinem Briefe einen andern an Maria eingeschlossen; er fand keine gelegenheit ihn während der probe abzugeben und wollte ihr nachher einen Besuch machen.
Hollin hatte unterdessen die Reise mit unglaublicher Ungeduld zurückgelegt; er kam in der Nacht in einem wirtshaus zu G. an. Hier am Ziele seiner Wünsche scheint ihn die erste Unentschlossenheit angewandelt zu haben, die erste Besorgnis über Mariens Schweigen, das er bis dahin der strengen Bewachung der Ihren zugeschrieben hatte, man fand in seinem Taschenbuche aufgeschrieben: 'Maria, als mein Arm zuerst Dich umfing, spielte die natur zu unserm Tanz eine fröhliche Weise; Blumen sprossten unter Deinem Tritte, die Vögel liebkosten Dich mit süssen Klängen. Die Blumen sind verblüht, die Vögel hinweggezogen, der kalte Herbstwind kräuselt mit dürrem Laube den Staub des Bodens. Noch in eben dem Tanze bebt, pocht mein Herz bei dem leisesten Anhauche Deiner Erinnerung, sein Frühling ist nicht entschwunden, nicht seine Blüten. Bist Du es noch, Hochgeliebte, die wie ehemals meiner wartet; süsse Liebe, hättest Du nur ein Wort zur Antwort mir geschrieben, nur ein Angedenken jener Zeit, ein Tannensträusschen mir gesandt, ich wäre nicht einsam allein so nahe Dir; doch ich war ja immer Dir nahe und selbst Dein Schweigen war mir lieb.'
Nach Endigung der probe ging Marie auf ihr Zimmer und fand einen Brief von der boshaften Freundin, die ihr Hollins Anstellung und seine nahe Abreise anzeigte; man glaube, er hole sich eine Frau aus der Gegend, wer aber diese glückliche sei bei den vielen, denen er Hof gemacht, sei schwer zu bestimmen. – Mariens erste Empfindung war, das sei gelogen; aber dann ergriff sie eine Angst, Rache härtete sie; mit aller Heftigkeit der gemisshandelten Liebe wollte sie ihm schreiben, sie wollte aller Welt ihre Liebe und ihre Schande bekennen. In dem Augenblicke trat Hollin herein, der sich bei einem Untermieter im haus ein Zimmer schon frühmorgens zu verschaffen gewusst hatte – er sieht sie und stürzt sprachlos in ihre arme. Sie dreht sich in einem Gemische aus Zorn und Liebe von ihm weg; sie drückt ihn sanft von sich. In diesem Wegwenden fühlt er unschuldig die Qual der Verdammten, von denen Gott sein Angesicht gekehrt; halb erstickt ruft er: 'Maria, du wendest dich von mir, bist nicht mehr ganz mein? Nur ein Wort, ein blick bei aller Liebe, die uns einte, bei aller heil'gegen Treue, du bist mein!' – 'Treue, Liebe!' rief sie, 'das ist vorbei, ganz vorbei; wie hast du mich so berauben können um beide, und sie nachher der Welt Preis gegeben; fort, deine Nähe quält mich mehr als ewige Entfernung von dir; wie warst du anders sonst, wie war alles anders!' – Was sollte er sagen; es gibt Augenblicke, wo man glaubt, die Welt habe eine andre Sprache gelernt, oder man habe die eigne vergessen; er stammelte unzusammenhängende Worte von Angedenken und Seligkeit; sie sagte mit den ersten Tränen, die sich in ihren Augen gesammelt hatten: 'Wohl bleibt mir ein Angedenken unsrer Liebe, der Schmerz!' – Jetzt hörte sie im Gange vor der tür einige laute Fusstritte; sie rief: 'Um meiner Ruhe willen fort, fort, mein Vater kommt!' Sie drängte Hollin mit Angst, mehr aus einer unwillkürlichen Scheu, als aus Überlegung nach der tür. – 'Elende!' sagte er leise im Abgehen und ging nach dem Zimmer im Unterstocke in einem wunderbar schmerzlich träumenden Zustande, wie ein Opfertier, das der Schlag, der es niederstrecken sollte, nur betäubt hatte. So sass er auf einem stuhl betäubt und einsam, während Odoardo, denn der war es, sich vorsichtig dem Zimmer Mariens genähert und im dunklen Gange den nach der andern Seite eilenden Freund nicht erkannt hatte. Die mitgebrachten Briefe und Nachrichten erweckten in ihr eine Freude, an die sie nicht glauben wollte. Sie musste ihm ganz laut den Schluss von Hollins Briefe lesen: 'Dir bringe ich dasselbe liebende Herz zurück, welches in den herrlichsten