unerträglich einförmig bis auf die untergeschobenen, auswendig gelernten Einfälle. Ein paar lächerliche Namen, ein Dutzend Scherze über Dinge des täglichen Gebrauchs, dieselbe Manier arme Leute zu beleidigen, die sie nicht fürchten, viel Erzählungen ehemaliger Tapferkeit und nachahmenden Mut aus Furcht vor der Schande; das hab ich schon entdeckt. Wer nicht platt ist, wird aberwitzig genannt, wer Poesie liebt, ein Kraftgenie, wer einen andern als den hergebrachten Spass treibt, von dem heisst es, er wolle etwas vorstellen. In den Gesellschaften ist stummes eitles Hofmachen, alles in ernstafter Wichtigkeit; haben sie dann etwas Wein genossen, so werden sie grob, nach ihrer Art genialisch, und sagen den Frauen Unanständigkeiten; diese fliegen verstört auf und werden von ihren Beleidigern nach haus geführt. Dann gibt's Schlägereien, selbst zwischen Freunden, die einander alles verziehen haben; zum Glück kommt selten was dabei heraus. Von dem unsinnigen Lernen sage ich kein Wort, die meisten tun nichts als Heftschreiben.'
Hollin hatte sich mit solcher Lust in die Studentenwirtschaft geworfen, dass ihm sehr bald ein Vorsteheramt seiner Landsmannschaft übergeben wurde. Eine grosse Streitigkeit zwischen Landsmannschaften und Orden entzweite damals die Universität; er nahm heftig die Partei der erstern, weil er darin wenigstens keinen solchen Trennungsgrund wie in den Orden fand, die notwendig, weil alle daran teilnehmen konnten, im ewigen Kampfe unter einander bleiben mussten. Alles sollte durch einen Zweikampf zwischen beiden Parteien ausgeglichen werden; er wollte für alle fechten, das erfüllte ihn mit Freude; nur das Unbestimmte des Kampfes bewegte ihn; hätte er sich bestimmt einen Arm, einen Fuss abhauen lassen dürfen, es wäre ihm lieber gewesen. Er kam früh auf das Dorf, wo gekämpft werden sollte. Freunde und Feinde unterhielten sich wie gewöhnlich von Nebensachen ganz frei. Vor allen gewann er einen gewissen Lenardo aus G. ganz ungemein lieb, der aus Hang zur Unabhängigkeit von seinem Vater, der ihn dort einschränken wollte, ohne Abschied nach H. abgereist war. Offen ohne Zweck, lustig aus Bedürfnis und darum dem Weine, dem Spiele, den Mädchen ergeben; fleissig zum Scherz, mutig ohne es zu wissen, nie Beleidiger, fast immer Versöhner beim Weine; mit allen Gutfreund, mit keinem insbesondere, hatte er so viel Bekanntschaften gestiftet, so viel Brüderschaften getrunken, so viel Trennungen erfahren, dass er in jedem neuen Bekannten zehn alte wieder begrüsste und wiederfand, ohne es zu wissen. Er war immer der einzige ohne Stammbuch, der sich in allen Stammbüchern fand; immer von Memorabilien umgeben, der aber keine einzige behielt, dem die vergangene Zeit ganz vergangen. Witz hörte er gern von andern, um gelegenheit zum lachen zu haben, er selbst hatte den Witz nur im Trunke; rasch im Wetten, aber selten glücklich, weil er wenig genau hörte; glücklich im Spiele, gewann er doch selten, weil er nur im Unglückke wagte; leichten Weibern sehr willkommen, war er doch selten geneigt, den Umständen einer etwas vornehmeren Verbindung sich zu unterziehen; die schnellere Entscheidung bei den unteren Klassen machte ihm mehr Genuss; in den Künsten zeigte er stets ein vorwiegendes dramatisches Talent. So ist er noch jetzt, und so war er; denn er gehört zu den unveränderlichsten Menschen, unversehrt, ob er gleich zehn verschiedene Weine an einem Abende aufeinander setzt. Dies wurde sein Gegner; sie umarmten sich erst, dann schlugen sie sich; Lenardo wurde sehr bald schwer in den Leib verwundet. Hollin hätte sich in seinen Hieber stürzen mögen; doch der Wunsch seinem Freunde zu helfen, trieb ihn zu Pferde nach der Stadt einen Wundarzt zu holen; dem Mediziner, der gegenwärtig, fehlte es an Geschick, er hatte mit seinem Bindezeuge bloss figuriert. Als dieser ankam und den Verwundeten, der an einem Ofen halb gebraten und halb erstarrt lag, von dem drückenden Verbande der Schnupftücher befreit hatte, und mit der Sonde auf und nieder fuhr in der Wunde, da hing Hollin wie ein loser Stein über dem Abgrunde; endlich hielt ihn die Hoffnung fest, und die Hoffnung liess ihn nicht zu Schanden werden; die edlen Teile im inneren waren unverletzt. Ohne Ermüdung wachte er in den kalten Nächten bei dem Freunde, und der Zufall machte ihn bald mit allen Lebensverhältnissen Lenardos bekannt. Er musste an dessen Schwester Marie schreiben, sie möchte sein böses Verhältnis mit dem Vater ausgleichen; dabei rühmte er ihm die Schwester als unendlich liebevoll und gut. Hollin hatte einen jugendlichen Hochmut gegen die Weiber; aus Mangel an Umgang mit ihnen hielt er sie kaum für Menschen; insbesondre hatte er gegen alle moderne Sitten derselben aus einigen Darstellungen in Komödien neuerer Zeit einen bestimmten Abscheu; was er von Liebe wusste, war nur im allgemeinen empfunden, nie bei einer einzelnen entdeckt. Lenardo sprach mit ihm, ob er ein Mädchen heiraten sollte, die ihm recht gut sei, und viel Geld habe, er wäre dann auf einmal aus seiner Schuldenlast. Hollin fand das frevelhaft, behauptete, wenn es überhaupt eine Ehe geben dürfe, so müsse sie das Band zweier Liebenden sein; der Liebe gehöre jede Hingebung, und alle äusseren Verhältnisse müssten vor ihr verschwinden: ein Hingeben ohne Liebe sei Unzucht; wer mit dem Feuer der Haushaltung die Liebesfackel anzünden wolle, der werde darin wie im höllischen Feuer verbrennen und nur aus dieser Unnatur, die häufig sogar aus Pflicht getrieben würde, entstehe alle sinnlose Ausschweifung der Männer und die feile Liebe." – "Da hat er einmal nicht ganz