der wie ein Stachelschwein voll Pfeile steckte, mitgebracht; sie liebt solch Zeug und sollte es mir gut bezahlen. Nun müssen Sie sich nicht wundern, dass die Polacken Christum und dabei alle die heidnischen Satans, Jupiter, Apollo und wie sie alle heissen, anbeten; das ist bei den Polacken nicht anders; das Volk frisst Ihnen alles unter einander; die beste Schüssel bei dem Landvolke ist immer Sauerkohl mit brennenden Talglichtern darin: ein verfluchtes Fressen. Ja, wo blieb ich doch stehen – also trat ich zur Prinzessin herein, und wie ich herein trat, fragte mich die Prinzessin verwundert: 'Mein lieber Kommerzienrat, war niemand im Vorzimmer, der Ihnen gesagt hat, wir wollten allein sein?' – 'Hat nichts zu sagen', antwortete ich, 'inkommodieren Sie sich gar nicht um mich alten Mann, genieren Sie sich gar nicht in Redensarten; ich habe denn doch mehr gesehen in der Welt, ich habe zwar heute viel verloren' – und dabei dachte ich an meine Bilder und weinte bitterlich, dass mir die Tränen piperlings die Backen herunterliefen. – Die Prinzessin weinte mit und wollte mich trösten; sie sagte, dass sie eben der Prinzess Torixene die geheime geschichte der unglücklichen Wenda habe erzählen wollen. – Ich bat, sie möchte immer erzählen, wenn es auch mich nicht unterhielte, so hätte ich alter ehrlicher Schweizer genug in meinem alten kopf zu denken, was wohl bedacht sein müsse; auch könnte ich mir die Zeit wohl vertreiben, wenn sie mir etwas zu essen vorsetzen wollte; ich hätte im Vorbeigehen in der Küche noch eine gute gespickte angeschnittene Kälberkeule liegen sehen; von dem Tee knurre es mir im leib, ich wäre ihn nicht gewohnt und dabei die Rührung, mir würde ganz miserabel; wenigstens möchten sie mir ein paar Eidotter hineinrühren. Sie wusste schon alles, was mir gut schmeckte, stand auch wirklich von ihrem Teezeuge auf, und musste mitten in ihrer Betrübnis einen gnädig lächelnden blick auf mich werfen; ich aber fuhr fort und sagte: 'Ich kann nicht begreifen, was die vornehmen Leute von dem Tee haben; es ist schlabbrig Zeug, macht keinen satt und froh und kostet doch auch viel bei jetziger Zeit.' Wie sie nun aufgestanden war, setzte ich mich auf das atlassene kleine Sopha, wo sie gesessen hatte, und die Prinzessin Torixene meinte, sie würden dann nicht Platz behalten. 'Sein Sie ohne sorge', antwortete ich, 'wir rücken hübsch zusammen; ich alter Schweizer mag gerne Abends ein bisschen einnicken und da ist es mir hier schon begegnet, dass ich mit dem stuhl umgeschlagen bin, und das macht Ihnen nur Schreck, wenn erzählt wird.' – Die Prinzessin brachte ihre Hunde mit; was die Köter mich anbellten und beschnüffelten, weil ich den Morgen einen Hering in der tasche gehabt hatte; die führten sich recht schlecht auf. Ich fragte die Prinzessin, wie sie das leiden könne, ich wäre doch ein Mensch und wollte mir so was nicht unterstehen. – Nun, Gott sei gelobt, da wird die Suppe hereingetragen; es sind doch liebe, liebe Leute, die Herren Bediente, dass sie so was nicht auf dem Wege halb auffressen, ich würde es sicher so machen."
Achtes Kapitel
Prediger Frank
Gespräch über die bürgerlichen und religiösen
Verhältnisse der Liebe
Wirklich war der Tisch gedeckt worden und die Suppe aufgetragen; die Gräfin bezeugte dem Baron ihre ausgezeichnete Zufriedenheit und der Graf trat mit einem fremden Geistlichen herein, als er ihr eben die Hand küsste. Der Graf war nicht eifersüchtig, aber diese Vertraulichkeit mit dem nichtswürdigen Menschen war ihm verhasst; er stellte ihr sehr ernstaft den Fremden, als den Prediger Frank aus der Nachbarschaft vor: ein evangelischer Geistlicher, der um die Landwirtschaft der Gegend grosse Verdienste hatte, der als ein guter Erzähler in der Gegend bekannt war und den der Graf diesmal als Gegengift gegen die beiden lächerlichen Personen der Gräfin geholt hatte. Die Gräfin begrüsste ihn kalt und wendete sich gleich wieder zu dem Baron, und zu seinen Gesellen, und sagte ihnen Artigkeiten. Der Graf nahm den Baron beiseite und sagte ihm ergrimmend: er möchte sich doch gefälligst im Augenblicke gleich und ohne Säumnis mit seinen beiden Gesellen fortscheren. Der Baron wiederholte das ganz laut zur Gräfin und sagte: "Nun sehen Sie wie er ist, ich glaube, wenn ich nicht gleich ginge, schmiss er mich die Treppe hinunter; kann ich mich wohl bei gesunder Vernunft dem Herunterschmeissen aussetzen; das kostete mir wenigstens ein paar Taler an Salben und Pflastern; viel lieber bezahle ich mein Mittagsessen in der Dorfschenke; nach Tische kommen wir wieder. Um euer Essen ist es mir gar nicht zu tun, aber ihr seid Leute, mit denen sich ein vernünftig Wort reden lässt, ihr seid gerade wie ich; hab ich nicht recht, wir passen allein zu einander in der ganzen Gegend." – Ohne eine Antwort abzuwarten, lief er zwischen seinen beiden Stelzen, so ragte er über beide hinaus, ohne einen Gruss aus dem Zimmer.
Die Gräfin machte dem Grafen, ohne sich vor dem Fremden zurück zu halten, eine Menge Vorwürfe, wie er ihr aus Grillen den einzigen Umgang auf dem land verdränge, der ihr erträglich sei; er sollte doch einmal die hochgepriesenen adligen Wirtinnen der Nachbarschaft betrachten, wie feist dumm oder mager zänkisch sie alle in dem elendesten Lebenskreise sich herumtummelten. Der Graf antwortete nicht, aber ihn kränkte es tief, dass sie mit solchem