erinnern könne, die ihm so schwer zu erleben geworden; der bittre Ärger trat ihm auf die Zunge; er nahm sich zusammen und sagte, eilig zur tür hinauslaufend: "Lassen Sie sich nicht stören, ich komme nicht sobald wieder." – Die Gräfin bemerkte gar nichts und bat den Kommerzienrat fortzufahren.
" ... Ja, es sind verfluchte bunte Bilder, die von den Nonnen, bei mir auf der Fabrik können sie nicht gut nachgemacht werden, und das gemeine Volk mag sie gerne; wenn nur ein Nonnenkloster wieder aufgehoben wird, ich kaufe mir zu der Arbeit ein Dutzend Nonnen. Als ich so müssig meine Bilder abstaubte, wurde auf der brücke von dem dicken Opferpriester ein Hammel abgeschlachtet, wovon er das Herz in die Weichsel unter allerlei Singsang weit wegschmiss. Darauf trat die schöne Prinzessin Wenda zu ihm hin und rief: 'Die Götter haben den Polacken zu viel Gnade erwiesen, um ihnen bloss mit Schlachtvieh und Räucherkerzen zu danken, ich will mich selber ihnen opfern, um alle Landesnot zu endigen.' Bei diesen Worten sprang sie an die Spitze der Planke – denn in Polen haben die Brücken keine Geländer, es sind schwimmende Planken, die an einander gebunden – und dann stürzte sie sich mit den Worten in die Weichsel: 'Empfange mich das Meer als ein reines Opfer.' – Alles war wie erstarrt und vernarrt, ich hielt es für eine blosse Komödie, so sah es aus; aber viele sprangen nach, sie zu retten, konnten sie aber nicht mehr erreichen. Ich dachte, das sind Narren, und sah recht genau nach, was aus der Prinzess werden möchte, die immer noch an ihrem weissen Kleide zu erkennen war, das auf dem wasser herumwirbelte; es war ein schönes Weibsbild, sie hat mir aber nie für einen Groschen abgekauft, darum dachte ich, hol sie der Teufel. Da sah ich, wie sie vom Strome in einen Aalfang getrieben wurde, da verschwand sie; ich dachte, nun ist die auch – aber ich hatte mich geirrt, wie alle andern. Der Aalfang gehörte den Priestern, und endigte sich in einen meilenlangen Sack von schlesischer Leinwand, der im Tempel des Obergottes alle gefangenen Aale und auch die tote Prinzessin absetzte, wo der Oberpriester sie wieder in seinem Bürgerrettungsapparate zum Leben brachte. Das sah ich nicht voraus; denn damals hielten wir sie alle für tot. Viele, die ihr nachgeschwommen, waren entweder ersoffen, oder wurden doch für tot ans Land gebracht, und da hielt ich ihnen vor, ob sie denn ganz unvernünftig gewesen wären, sich in solchen reissenden Strom zu werfen, da doch das wasser überall keine Balken hat. 'Was gibt es doch für Narren in der Welt; will sie ersaufen, was geht es euch an, was habt ihr davon?' – Aber das Volk wurde böse auf mich, denn ein Narr macht viele Narren, und da Prügel nicht gut schmecken, so nahm ich meine Beine untern Arm und kam zu meiner Bude. Nun denken Sie sich meinen Schreck, da finde ich, dass mir die Leute wohl die Hälfte von meinem kleinen Kram weggestohlen hatten, was so vorne ausgelegen. – 'Spitzbubenvolk', rief ich, und raufte mir meine paar Haare aus, 'das läuft, das schwimmt, ein Weibsbild zu retten, das sein Leben los sein will, und mir nimmt's die Bilder, die ich nicht umsonst weggeben mag.' Wie ich meine salzigen Tränen so weine, da kommt die Prinzess Casimire leichenblass vorbei gefahren; sie sieht mich und ruft mir zu: ich wäre ein guter alter Mann, ich sollte nicht verzweifeln wegen der Prinzessin, ich möchte bedenken, dass ich zu haus Kinder hätte, sie würde meine herzliche Teilnahme an ihrer Familie nun und nimmermehr vergessen. – Ja, hat sich was, Teilnahme um die ersoffene Prinzessin; hätte mir einer meine Bilder wiedergebracht, so hätte meinetwegen die Prinzessin Casimire mit Kutsch und Pferden in die Weichsel ihr nachfahren können: das dachte ich wohl bei mir, aber ich sagte es nicht; Sie müssen es mir auch nicht übel nehmen, es weiss kein Mensch, wie sauer es einem armen ehrlichen Schweizer in den grausamen Gebirgnissen wird, sich einen Groschen Geld zu verdienen. Als ich so in Verzweifelung meine hände rang, gab mir Gott einen herrlichen Einfall: ich sollte nun alles übrige doppelt so teuer verkaufen, so wäre mein Schaden gut gemacht. Das tröstete mich, und es mussten auch gleich ein paar Leute so viel bezahlen, warum waren sie solche Narren; wenn man Narren zu Markte schickt, so lösen die Krämer Geld; nun mein Gott, jeder Mensch will doch leben und kein Mensch lebt von der Luft. Es war unterdessen spät geworden, ich packte ein. Mein Magen hing mir so schief; ich ging Abends zur Tafelzeit hin nach dem schloss der Prinzess Casimire, um mich für ihren Trost zu bedanken. Das ganze Schloss war in Bestürzung, ich fand nur einen Lakaien im Vorzimmer der Prinzessin, der mir dreist versicherte, die Prinzessin wolle mit der Prinzess Torixene allein sein, er dürfe niemand einlassen. – 'Hat nichts auf sich', erwiderte ich, und schob ihn unversehens bei Seite, 'mich wird sie schon sprechen, ich muss sie sprechen.' – Freilich musste ich sie auch noch sprechen, ich hatte ihr eine betrübte Madonna mit dem Dolche im Herzen und einen St. Sebastian,