Ärger daran, dass sie ihn in Gesellschaft nicht würde tragen können; steckte ihn aber an und bewahrte ihn. Dann übergab er ihr eine ganze Reihe der zierlichsten Nonnenarbeiten, die er in einem Kloster am Wege mit grosser Freude erkauft hatte; es waren teils fein gemalte Heilige auf zerstochenem Papiere, ein kleines elfenbeinernes Tabernakel, Marienbilder, aus seidenen Läppchen zusammengesetzt, geweihte Rosenkränze, eine Menge kindlich zierlicher kirchlicher Pracht. Auch hierüber musste sie sich aus Anstand freuen, sie hatte aber etwas viel Angenehmeres, allerlei neuen Putz erwartet, auch wusste sie nichts mit diesen artigen Kleinigkeiten anzufangen, zu denen sie weder Andacht noch Spiellust fühlte; sie konnte sich nicht zufrieden geben über den gewaltigen Fleiss, der auf so was Unnützes verwendet, und schon diese Äusserung war ihm unangenehm, der ganz gerecht den Fleiss hochachtete, der so unbedeutende Stoffe zu beleben vermocht hatte. Dolores hatte aber während des einen Winters regelmässiger Stadtvergnügungen sehr viel von der inneren Freudigkeit vergessen, die aus sich selbst und geringen Anlässen schöpft; zu einer Klaviermusik hätte sie nicht mehr tanzen können; um sie anzuregen, gehörte wenigstens eine Gesellschaft von zehnen, die alle auf sie achteten, und wenigstens die Gegenwart eines Menschen, der ihr ganz unbekannt und dessen Aufmerksamkeit sie an sich ziehen wollte. Wie unglaublich nutzt die tägliche Mittelstufe der Gesellschaft, die stets sich beachtet, um nicht in Lust oder Schmerz abzuirren, die selbst überlassene Freude auf; mit Hamlet möchten wir jungen Mädchen, die wir darin erblicken, zurufen: "Geht in ein Nonnenkloster – statt an den Spieltisch zu gehen." Schon darum reizen uns die Landfräulein, die nur auf wenige Wochen in die Stadt kommen, weil sie wie die Beurlaubten unter den Soldaten vor den steten Diensttuern eine grosse Munterkeit bewahren, auch gewinnen die meisten Menschen durch Reisen in sehr verschieden gebildete Länder bloss darum ein gewisses poetisches Wesen, weil ihnen der Unwert vieler Verhältnisse unwiderlegbar einleuchtend geworden; ihr eigenes Vaterland überrascht sie mit manchem, was sie sonst übersehen und verachtet. Diese Betrachtungen geben wir als Leichenrede jener artigen Sächelchen, die der Graf zum Geschenke brachte und ein paar Tage darauf die Heiligen mit Schnurrbärten und Schönpflästerchen schrecklich bemalt bei Dolores antraf, die von dieser Arbeit ausruhend, sich vor lachen nicht zu lassen wusste. Ihre Gleichgültigkeit dagegen hatte ihn gekränkt, aber dieser Missbrauch war nicht zu ertragen; er zerriss alles mit grosser Wut und warf es zum Fenster hinaus, sie lachte immer mehr und schlug scherzend mit dem Rosenkranze auf ihn. "Ich glaube, der Teufel lacht aus dir", sagte er zuletzt, das Schweigen hätte ihm das Herz abgestossen; er flog aus dem Zimmer fort nach haus, da setzte er sich nieder und überdachte, was er getan, wie ein Missetäter, der bald seine Strafe erwartet und sich selbst dafür überliefert. Aber die Heiligkeit der Wahrheit durchzuckte ihn auf einmal, auch sein höchstes Glück wollte er keiner Lüge danken, nicht auf Schmeicheleien sich erborgen; er fühlte sein Recht und wollte es ihr in einer leichten Allegorie deutlicher machen, und dazu schrieb und übersandte er ihr die beigefügte kleine Erzählung:
Das Heidenmädchen
Der Sohn des himmels und der Erde
Sah, aus der Weihnacht Abendrot,
Ein schönes Kind bei einer Herde,
Und keiner da Geschenke bot.
Der Glaube war noch nicht gedrungen
Zu diesen spät erschaffnen Aun,
Denn von den Felsen ganz umschlungen,
konnte wenig Sonne überschaun.
Doch freut die Kleine sich am Lichte,
Das neu durch Felsenschatten strahlt,
Sie hat so gar ein lieb gesicht,
Ein edles Blut die Wangen malt.
Sie muss im Lichte zierlich springen,
So glatt und weich schien ihr das Grün,
Und zu dem holden Echo singen;
Der Herr will sie zum Glauben ziehen.
Es sprengt der Herr mit Strahlenzügen
Die Ziegen ihr weit auf den Fels,
Sie klettert sorgsam nach den Ziegen,
Er zeigt den Weg im blick des Hells.
Hin über die bemoosten Platten
Sie wagt sich, schaut ein andres Land,
Da will ihr Herz vor Schreck ermatten,
Denn alles scheint vor ihr in Brand.
Da stehen tausend kleine Tische
Mit bunten Lichtern rings besteckt,
Und Brot und Wein steht im Gemische,
Schön Messgewand die Tische deckt.
Und statt der Puppen heil'ge Bilder,
Bewohnen dieses Paradies,
Und Kinder ziehen sanft und milder
Und sehen wie dies so herrlich liess.
Das Mädchen sieht's und meint ihr eigen,
Was ihr kein andrer wehren will,
Doch bald sich viele Knaben zeigen,
Die bitten drum in Demut still.
Der eine will ihr Händchen küssen,
Dem wirft sie Äpfel ins Gesicht;
Der will sie schön mit Reden grüssen,
Dem hält sie in den Mund das Licht.
Doch einer kommt mit Witz zu streiten,
Da nimmt sie alle heil'gegen Bild,
Beginnt sie närrisch umzukleiden,
Verliert sie dann im Spiele wild.
Was so viel tausend Engel säten,
Zerstört das Kind aus Unverstand,
Worum viel fromme Kinder beten,
Geschenk des Herren ist ihr Tand.
Da kam der Herr zu ihr gegangen,
Als armes Kindlein angetan,
Und tät nach etwas nur verlangen,
Was sie verworfen und vertan.
Da fand sie leer die reichen Tische,
Die Lichter waren fast verbrannt,
Es dampften schon die Buxbaumbüsche, –
Noch fand sie was, was sie nicht kannt.
Es war die Rute, die verguldet
Mit leeren Nüssen ausgeziert,
Die gibt sie ihm so unverschuldet,
Dem Herren, dem sie nicht gebührt.
Es nimmt der Herr die goldne Rute
Und