, hören Sie aufmerksam zu, damit Sie den Nachbleibenden, die uns verlassen haben, alles berichten können." ängstlich steht der Fremde bei den Leidenden, und kann zu keinem Entschlusse kommen, ob er sie verlassen solle, um hülfe zu suchen, er hört die Erzählung der Fürstin und seufzt: "Ach so ist mein Traum doch eingetroffen, so war zu spät die Warnung!" Wir werden diesen Fremden später näher kennen lernen, ihm verdanken wir die meisten Nachrichten von dieser geschichte.
Die Gräfin hatte inzwischen unglaublich gelitten, der Leibarzt der Herzogin gab wenig Hoffnung bei diesem unerklärlichen Zustande, jedermann wünschte und fürchtete die Ankunft des Grafen, die Herzogin sah von Zeit zu Zeit nach der Landstrasse, und betete mit Ungeduld, dass er doch endlich zurückkäme, endlich sieht sie Staub, es kommt ein Reiter, aber auch eine Kutsche, und sie bedauert die Fremden, die zu solchem Jammer ankommen. Fröhlich jagt der Graf neben dem Wagen her, der den Minister mit seinen Begleitern in ungeduldiger heitrer Erwartung zum schloss führt; der Minister hatte seine Reise so beschleunigt, dass er selbst seinem Briefe zuvorgeeilt war. Auf dem Wege, der in der Nähe des Gartenhauses vorbei führt, hört der Graf das Jammergeschrei der beiden Sterbenden, er springt vom Pferde, der Minister aus dem Wagen, der Fremde ruft aus dem Fenster ihm entgegen, er möchte eilen, ein grosses Unglück sei geschehen. Ehe er ins Haus getreten, flehet ihn einer seiner herbeigeeilten Bedienten an, er möchte zu seiner sterbenden Frau eilen; das Blut läuft ihm in schrecklicher Verwirrung durcheinander, aber der Gedanke an seine Frau führt ihn unbewusst nach dem schloss, während er dem Minister winkt, nach dem Gartenhause zu gehen. Der Minister eilt die Treppe hinauf, von dem Fremden geführt, er weiss nicht, was seiner wartet; als er ins Zimmer tritt, findet er die Fürstin, seine verehrte Freundin und Beherrscherin, sehr entstellt auf dem Sopha liegen, ihr zu Füssen den Schreiber, der sich in letzter Todesverzweiflung noch an sie angeschlossen. Der Minister wirft sich bei der Fürstin nieder, und frägt abgewandt: "Was ist geschehn, wie ist zu helfen?" – Die Fürstin erkennt ihn gleich und sagt: "Sie hier, mein alter Freund, mir ist nicht zu helfen, war der Graf nicht vor der tür, ich glaubte, seine stimme zu hören." – Der Minister antwortete ihr, dass der Graf eben hätte eintreten wollen, als er zu seiner sterbenden Gattin gerufen worden. – Das Gesicht der Fürstin verzieht sich schmerzlich, sie seufzt: "Der Graf will mich nicht sehen, ich soll ihn nicht mehr sehen und die Gräfin stirbt! Armer Vater, das ist mein Werk, aber nicht mein Wille. Ich kann nicht mehr aufstehen, der Mensch unten hält mich, gern möchte ich die Gräfin um Verzeihung anflehen." – Der Minister versucht, den Schreiber fort zu schieben, aber vergebens, ihn hatte die zerstörende Neige des Giftes, die er begierig eingeschluckt, schnell erstarrt. Die Fürstin blickt hin und sagt "Ist er tot? Wie konnte er so wenig Gift vertragen, und so grosse Schuld übernehmen – ihr letzten Zeugen meiner Leiden, ich bitte euch, sagt's aller Welt, ich habe ihn vergiftet, eingedenk des Vaters strenger Gerechtigkeit und seines hohen Stolzes; ihm schwor ich auf dem Totenbette, des Hauses Ehre heilig zu bewahren, ich hab's getan. Der schnöde Sklave hatte trüglich meinen Leib zu seiner Lust missbraucht." – Zuckungen unterbrechen ihre Rede, sie stammelt mit Abscheu, wie sich alles ereignet, ihre Zuhörer sind von dem Schrecknisse festgehalten und gelähmt, nur der Kammerjunker eilt nach dem schloss, den Arzt zu rufen. Endlich unterbricht der Minister ihre Erzählung und bittet sie daran zu denken, wie bald sie werde stehen vor Gottes Angesicht, wo der arme Schreiber da mit ihr erscheine, wo alle Menschen gleich; dem Minister war der Glaube seiner Kindheit in diesem Schrecknisse wieder erschienen. – "Gottes Angesicht", ruft sie mit letzter Kraft, "wird er nie sehen, er hat geschändet den Leib Gottes, dessen Ebenbild auch ich war!" –
Dieses waren ihre letzten Worte, fast ohne Reue, hart und wild ausgesprochen, wie zu einem hoffnungslosen Kampfe, in welchem sie doch die gute Sache auf ihrer Seite glaubte, so starrte sie dem tod entgegen, der Arzt kam zu spät. Ihre letzten jammernden Ausrufungen wollen wir nicht aufzeichnen; sie gehörten ihr wohl nicht mehr, sie sind der blosse Schrei der allgemeinen menschlichen natur, die sich von dem gewohnten Lebenskreise mit Mühe trennt. Der Minister überliess sich nicht gern seinem Gefühle, er vermied es aus einem gewissen Grundsatze der Selbsterhaltung; jetzt, wo es ihn überraschte, konnte er es nicht ertragen; die vordrängenden Tränen durchzuckten ihn schmerzlich, er wendete sich von der Sterbenden, die der Fremde in seinen Arm genommen, der sich ihr als ein ferner Anverwandter aus unglücklichem Stamme, als der Prinz von Palagonien angab; ihm danken wir die meisten Nachrichten von dieser geschichte, er ist der unglücklichste und edelste Mensch, den die Erde getragen. Der Minister trat ins Schloss, wo alle in dumpfer Betäubung umherschlichen, horchten, keiner ihn fragte, zu wem er wolle, wo keiner seine fragen beantwortete; er irrte umher und traf endlich auf die Herzogin, die er fragte, wo seine Töchter zu finden wären. Die Herzogin küsste