nach ihrem Gartenhause alles aufzuschreiben, um das wiederkehrende Bewusstsein der Gräfin zur Unterzeichnung dieser Entsagung schnell benutzen zu können. Die Fürstin erscheint uns vielleicht in diesem Augenblicke unnatürlich hart, doch hing diese Härte in ihr mit ihren schönsten Kräften zusammen, die sie sonst zur Beglückung ihres Landes so wohltätig entwickelt hatte; wo sie handelte, war sie mit festem Entschlusse auf alle Fälle gefasst, mit ihrem Gemüte, mit allen äusseren Eindrücken hatte sie dann abgerechnet; ihr Wille war ihr der Mittelpunkt der Welt, und sie glich in solchem Falle einem tüchtigen Wundarzte, der gar nicht das Geschrei des Unglücklichen hört, wo es des schmerzhaften Schnittes bedarf, sondern mit allen Kräften zum schnellen Ende der Qual arbeitet. Indem sie hastig nach ihrem Gartenhause schritt, trat ein wunderschöner Mann, anständig gekleidet, hinter einem Pinienbaume hervor, und erkundigte sich, ob wohl die Fürstin zu sprechen. Ungeachtet der Mann ihr auffiel, wollte sie dem Geschäfte doch keine Zeit versäumen, und sagte flüchtig, dass sie erst spät Abends von einer Reise zurück erwartet werde; der Mann zog sich ängstlich mit vielen Entschuldigungen seiner dreisten Anrede in den Garten zurück. Die Fürstin eilte nach ihrem Zimmer, und suchte ihr Schreibzeug, konnte es aber nicht finden, da der Graf es den Abend vorher zum Skizzieren einer Aussicht mitgenommen, und im Garten hatte stehen lassen. Sie rief dem Schreiber, der auf die Jagd gegangen, vergebens, sie brauchte ihn nie zu dieser Zeit, und doch ward sie jetzt sehr böse, dass er ausgegangen, sie musste sich selbst Schreibegeräte in dessen Zimmer suchen, welches er wegen der Mineraliensammlung, die darin aufgestellt, immer offen lassen musste. In Gedanken suchte sie schon die besten Ausdrücke für die Entsagung der Gräfin, dass ihre Grossmut nicht neue Liebe in dem Grafen erweckte, als sie sich nach Tinte und Feder umsah; sie ward sehr ungeduldig, als sie nichts fand, denn der junge Mann verschloss alles das Seine mit einer Ordnung, als sollte er sterben. In ihrer heftigen Art versuchte sie an dem verschlossenen Schreibepulte, ob es nicht zu eröffnen sei. Sie setzte die Spitze des Mineralienhammers in die Klappe, und da das Holz in der gewaltigen Hitze eingetrocknet war, so mochte die Klappe leicht aufspringen. Ungeduldig griff sie nach Papier, Feder und Tintefass, sie fand alles und wollte die Klappe eben zulehnen, als eine Masse aufgeschichteter Papiere, denen sie die Unterlage genommen, herausfiel. Aufgebracht über die Nachlässigkeit des jungen Menschen, der ihr so viele unnütze Mühe gemacht, griff sie in die Masse und drückte sie hinein, als ihr etwas unnatürlich Kaltes die Finger berührte, sie sah hin und fand, dass jenes Bildnis in Gold gefasst, das sie in jener Nacht dem beglückten Freunde zurückgelassen, wieder in ihre hände gefallen sei. Erst glaubte sie einen Diebstahl zu entdecken, aber wie sie die Papiere in wilder Hast durchlas, deren jedes eine Feier jener Nacht, ein Lobpreisen des beglückenden Zufalls und der täuschenden Dunkelheit war, da stand in einem Augenblicke die ganze Wahrheit vor ihr, sie durchdrang das Unselige der Begebenheit und der wilde Geist, der ihre Seele lange von fern umlagert, und immer enger bedrängt hatte, zog als Herrscher ein und stellte sich triumphierend auf die höchste Zinne. Mitten in dem Ekel gegen den Missbrauch ihres Leibes und ihrer zutraulichen Seele, der ihr Inneres empörte, fühlte sie deutlich, wie sie jede Äusserung des Grafen so falsch gedeutet, wie nun alles seine Reden, sein Betragen, einen verständigen Zusammenhang gewinne, was ihr bisher rätselhaft geschienen; nur der Abschied am Morgen blieb ihr fremd, aber sie fühlte wohl, dass auch etwas Unbedeutendes hinter dem kleinen Geheimnisse für seine Frau verborgen sein könnte, sie fühlte den Grafen seiner Frau unauflöslich verbunden, auf ewig von sich getrennt. Ihre letzte Liebe erlosch ohne Tränen in der Wut, in der Rache, die jetzt ihre ganze Seele geisselte. Ruhig glaubte sie zu überlegen und sie war ausser sich, ihre Augen rollten umher, und suchten nach Waffen, aber alles war da so friedlich von wissenschaftlichen Sammlungen umstellt. Die Sonne strahlte ihre grimmigen Glutpfeile ins Zimmer und machte sie immer geduldloser. So blickte sie umher, und bemerkte mit starrer Freude auf einer der Schubladen voll Mineralien den Totenkopf gemalt, der, wie wir uns erinnern, den Leichtsinnigen gegen eine Menge giftiger Metallkalke warnen sollte. Begierig griff sie danach, und fand sich so reich, als dieser Schatz in ihren Händen, sie eilte damit auf ihr Zimmer. Da stand noch der edle Tränenwein in dem Becher eingeschenkt, wie ihn der Graf am Morgen ungeleert hatte stehen lassen, und sie mischte den edlen Sonnenwein, der zu dem Dienste des Herrn bestimmt war, mit den Schrecken der Unterwelt, welche Habsucht und Neugierde der Menschen töricht ans Licht fördert. An den strengen Vater, der ihr den Becher geschenkt, dachte sie jetzt bis an ihr Ende, seine natur trat jetzt in ihr ganz hervor, ihr Entschluss war gefasst, er hätte eben so gehandelt, denn so war der Sinn seiner Gerechtigkeit, in der sie ihre Rache erdachte. Der Schreiber war mit seiner Jagdflinte weit umher geirrt, er war kein eigentlicher Jäger, er hatte erst unter der Anleitung des Grafen seine Flinte laden und abschiessen gelernt und begnügte sich damit, kleine Vögel, die zum Auffliegen nicht Lust hatten, zu beschleichen und meist zu verfehlen. An dem Tage geschah es ihm, dass er einer Nachtigall von Baum zu Baum nachfolgte, bis