Kreise der Ihren gesessen, jetzt bleich und tot in ihren Armen liege, sie fürchtete sich davor, dass der Graf eintreten möchte, alle Aufmerksamkeiten und Liebkosungen, mit denen er so oft in ihrer Gegenwart seine Frau erfreut hatte, fielen ihr ein, und sie wurde auf einmal an der leidenschaft irre, die sie in ihm vorausgesetzt hatte; – die menschliche Betrachtung drängt auch in ihrer höchsten Verirrung noch in Augenblicken und gegen den bösen Willen zur Wahrheit und Gerechtigkeit. Angstvoll drückte sie die Ohnmächtige an ihre Brust, die mit Schauder an ihrem Busen erwachte, sich matt erhob, ihre hände faltete und rief "Gott, du bist gerecht!" – Der Fürstin klang dieser Ausruf in der Seele wie ein Freudengeschrei wider, es ist doch alles wahr, und noch viel mehr, es wird mir alles noch werden, Glück und Freude, so sagte sie in sich, hier ist ein Geheimnis, das mich beglückt; sie drang in die schwache Gräfin, ihr alles zu entüllen, sie wisse alles, sagte sie, Gott sei gerecht, so müsse es kommen, wenn es gleich schmerzlich. – Die Gräfin meinte, der Graf habe der Fürstin jenes Geheimnis, ihre alte Schuld mit dem Herzoge verraten, es tat ihr wehe, aber sie verzieh es ihm, sie musste sprechen, die Welt lag auf ihrer Brust und so erzählte sie mit vielen Tränen, wie sich damals alles zu ihrem Verderben gefügt habe, sie berichtete ihr alles, was sie bis dahin niemand als ihrem mann, ihrer Schwester, dem alten Diener und ihrem Beichtvater bekannt hatte. – Die Fürstin war so verwundert von diesem Bekenntnisse, wie ein Räuber, der vor Gericht sich überzeugt, es sei sein Eigentum gewesen, was er entwendet; die wilde Heftigkeit verschwand ihr, sie konnte sich in Ruhe erklären; mit klarem Blicke schien sie noch zu schützen, was sie zerstören konnte, sie rührte sich selbst mit ihrer Milde, indem sie der Gräfin versicherte: des himmels Wille sei deutlich, er strafe Gleiches mit Gleichem, sie solle sich geduldig fügen, den Mann abzutreten, den sie doch nie ganz glücklich machen könne, der hinter Liebkosungen bisher den inneren Vorwurf versteckt habe, der unvermeidlich bei jeder Erinnerung früherer Zeit ihn belasten müsse. "Ich allein", rief die Fürstin, "verstehe ihn ganz, ich allein kann ihm ein neues Leben und einen angemessenen Wirkungskreis geben in seinem land, unter seinem volk, wohin er sich so oft zurückgewünscht." – "Freilich", sagte Dolores, "mag er sich oft nach Deutschland zurücksehnen, er verschwieg es mir aus Schonung, weil er es meinetwegen meidet; doch hat er auch mir diesen Wunsch zur Rückkehr entdeckt, als ihm ein guter Fürst einen grossen Wirkungskreis versprach; ich konnte den Gedanken nicht ertragen." – Die Fürstin ergriff dieses Wort: "Ich gebe ihm einen Wirkungskreis im vaterland, worin ihm alles Vergangene schwindet, und meine Liebe schenk ich ihm obenein, mein Land wird alle seine Tätigkeit fordern, und dankbar anerkennen, er soll ein Vorbild werden deutscher Fürsten und wie ein Gott in der entarteten Zeit auftreten; sein ganzes Leben, seine ganze Ausbildung führen ihn dahin, mit mir erfüllt er seine unbewusste höhere Bestimmung." – Gedenken wir der hohen, fast abergläubisch vergötternden Verehrung der Gräfin gegen ihren Mann, des herrschenden Ansehens der Fürstin, ihrer überzeugenden stimme; diese Worte erweckten den ganzen Edelmut der Gräfin, der jetzt als ein neuer Feind gegen ihre Liebe und gegen das Zutrauen zu ihrer Liebe auftrat; schmerzlich sah sie das Bild des Grafen an, das an der einen Wand des Zimmers hing. "Gib mir ein Zeichen", betete sie zu dem Bilde, "was dein Wille ist, zu wem wendest du deine lieben Blicke?" – "Zu mir, zu mir", rief die Fürstin, "mich sieht er an mit der ganzen Freundlichkeit und Hingebung wie am Ätna." – Die Gräfin wandte sich von dem Bilde, denn zum erstenmal kam ihr eine Bitterkeit gegen den Geliebten in die Seele, sie erklärte mit gebrochener stimme: Sie wolle dem Grafen entsagen, wenn es sein Wille sei! – Jetzt glaubte die Fürstin alles gewonnen, sie hätte mit ihrem halben Leben der Gräfin den Schmerz dieses Entschlusses lindern mögen, sie selbst wollte alles schriftlich aufsetzen, um nichts zu übereilen, und um ihr schmerzliche Mühe zu ersparen; die Gräfin liess alles geschehen, es drehte sich um sie die Welt in schrecklicher Verwirrung und sie stürzte in fürchterlichen Krämpfen nieder, als eben die Fürstin das Zimmer verlassen wollte. Die Fürstin war erschrocken und wagte sich nicht zu ihr, sie glaubte sie sterbend und dachte: Wenn sie stirbt, ist alle Not und Verwirrung aus! – Und dann war ihr der Gedanke ein Vorwurf, sie betete zum erstenmal seit vielen Jahren, aber sie wusste nicht zu wem: "Lass mich nicht grausam werden in meinem Herzen, lass sie leben!" – So schwebend zwischen der Gräfin und der tür, stand sie wohl ein paar Minuten, ehe sie die tür entriegelte, und die Kammerfrau zum Beistande für die Gräfin herbei rief. Alles eilte der Gräfin zu hülfe, niemand dachte die Fürstin als Ursache dieser Zufälle, die sie in der letzten Zeit mehrmals, aber freilich unendlich schwächer gehabt hatte. Die Fürstin fand ihre hülfe überflüssig, es schien ihr notwendig, die Entsagung, schriftlich unterzeichnet dem Grafen bei seiner Rückkehr vorzulegen; sie eilte