1810_Arnim_005_189.txt

stellen sie sich alle

Rings zum Kaiser treu,

Dass er von einem Walle

Rings geschützet sei.

Der Purpurstern kann blitzen,

Wärmt auch wohl das Herz,

Kann nicht als Harnisch schützen

Vor der Pfeile Erz.

"Ja er muss Sie schützen!" rief die Fürstin unerwartet laut. Der Graf sagte lächelnd, "ich zweifle", und sang weiter:

"Jetzt flieht!" befiehlt der Kaiser,

"Flieht, ich sterb allein!"

Sie rufen all zum Kaiser:

"Das soll nimmer sein,

Der Purpur ist zerrissen,

Aus ist nun dein Reich,

Vor Gott wir stehen müssen

Bald mit dir zugleich.

Wir wollen hier vergehen,

Froh des ew'gegen Muts;

Aus unserm Blut erstehen

Rächer deines Bluts."

Die Fürstin hörte jetzt auf die geschichte und der Graf sang den Schluss:

Die Feinde sehen sie blicken,

sehen die Sterne hell,

Und ihre Pfeile drücken

In die Herzen schnell.

Nach aller edlen Falle,

Fällt der Kaiser auch,

Sein Segen über alle

Ist sein letzter Hauch.

Die blut'gegen Purpurstücke

Halten frisch die Farb,

Der Feind ist gross im Glücke,

Nicht den Schmuck verdarb.

Der Graf wollte weitersingen, als die Schlossglocke eilfe schlug, nun war die Zeit vorbei, wo er den Ring noch erwarten konnte, er warf die Gitarre fort und sagte der Fürstin, dass er nach Palermo reiten müsse, wo er mit dem Paketboote Briefe von grosser Wichtigkeit erwarte, die der Fürstin Freude machen würden, doch bät er sie, seiner Frau nichts davon zu sagen. – Die Fürstin war überrascht von diesem Geheimnisse, das sie der Frau verbergen sollte, ihr war es in dem Augenblicke ganz gewiss, dass ihn dieselben Scheidungspläne von seiner Frau beschäftigten, worüber sie den ganzen Morgen nachgedacht, sie wurde rot, sie fragte nach dem Geheimnisse; er versagte es ihr aber mit wenigen Worten, bei denen er so bedeutend aussah, dass sie ihre Deutung als unfehlbar betrachtete. Wir wissen die beiden Ursachen seiner kleinen Reise, der Ring und die erwarteten näheren Nachrichten von der Ankunft seines Schwiegervaters, die er allen geheim halten sollte. Der Graf eilte mit einem leichten Handkusse fort, und die Fürstin sah ihm mit dem wunderlichsten Gefühle nach, als er nach flüchtiger Begrüssung seiner Frau den blendend hellen Weg hinunterritt. Sie zählte an den Blumenblättern ab, ob sie sich der Herzogin oder der Gräfin erklären sollte, ihrer Tätigkeit war dieser unerklärte Zustand der drükkendste; Bestimmteit in allem war nicht bloss ihr Grundsatz, sondern auch ihre Art. Die Herzogin war ihr zu ernst, zu ehrwürdig; sie überlegte mit pochendem Herzen noch einmal alles und ging dann zur Gräfin. Die Gräfin war nicht allein, die Kinder hatten allerlei heftige Streitigkeiten, die sie zu schlichten suchte, es waren der liebreichen Hyolda allerlei Papiere entrissen, die sie heimlich bewahrt hatte, erst war sie darüber sehr böse gewesen, endlich musste sie selbst lachen. Die Fürstin wartete mit Ungeduld auf den Augenblick, wo die Kinder entlassen würden; aber die Herzogin kam früher, es begann ein Gespräch über neue Zeitungen, die sie mitbrachte, inzwischen wurde der Mittagstisch angezeigt, wo einige reisende Fremde die Gesellschaft mit den besten Anekdoten aus ihrem vaterland erfreuten, die Fürstin konnte aus Ungeduld nichts essen. Als alle entlassen waren, fand sich die Fürstin endlich mit der Gräfin allein, um die Nachmittagsruhe zu halten, sie brachte zitternd die ersten Worte heraus und bat die Gräfin, die Türen verriegeln zu lassen, weil sie ihr eine merkwürdige geschichte aus ihrer Familie vertrauen wolle. Die Gräfin erfüllte ihre Bitte. Die Fürstin entwarf nun mit der ganzen Gewalt ihrer Rede ein Gemälde ihres Zustandes und wie sie in des Grafen Seele zu lesen glaubte, wie er zu ihr gezogen werde und seiner Frau doch nicht entsagen könne. Sie wollte eigentlich die wahren Menschen noch nicht erkennbar machen; aber ihre Heftigkeit hatte alles so deutlich gemacht, dass die Gräfin, die sich in ihrer Seele schämte, mit niedergeschlagenen Augen ihr versicherte; sie erkenne alle, die sie ihr beschrieben, leider möchte alles wahr sein, es wäre ein schmerzliches Geschick, denn sie wäre innig überzeugt, wenn ein Mann auf Erden ganz schuldlos sei, so wäre es der Graf, auch vertraue sie ihm ganz, er werde das heilige Sakrament der Ehe gegen eine wilde leidenschaft verteidigen, – aber Trennung sei notwendig und so lieb ihr die Fürstinsie flehe in ihr die Freundin, die Mutter an, Sizilien bald zu verlassen.

Eine so freie Hingebung und Offenherzigkeit hatte die Fürstin nicht erwartet, sie fuhr verlegen in ihrer Erzählung fort, und gestand ihr stammelnd, dass diese Rettung, diese Warnung zu spät; sie ging in heftiger Bewegung im Zimmer auf und nieder und bekannte in gebrochenen Worten, wie nahe sie sich seit jener Nacht am Ätna dem Grafen verbunden glaube, sie sei mit ihm eins und unzertrennlich, er selbst sei bedacht, heute diese Verbindung zwischen ihnen öffentlich zu begründen, das sei die Ursache seiner Abreise nach Palermo, deren Geheimhaltung er ihr anbefohlen. "Warum wäre er auch nicht mein", rief die Fürstin mit Begeisterung, "bin ich doch ganz sein!" – Die Gräfin erblasste bei diesen Worten, sie litt schon seit einiger Zeit an Ohnmachten; in süsser Vergessenheit ihres Schmerzes sank sie in die arme der Fürstin. Jetzt stieg das Mitleid wieder heiss in die Gedanken der Fürstin, es kam ihr der Gedanke, wie dieselbe Frau, die Mittags so fröhlich im