; diese träumerische Fülle einer Brust, in der nichts widersprechend, weil alle abwechselnden Schwingungen der Freude zu einem gleichen neuen Tone verschwingen, erschloss eine wunderbare Landschaft, die freilich auf unserm Erdboden unmöglich, wo die Lage der Felsen gegen einander einem gewissen gesetz gehorchet, die aber auf einem anderen Planeten wohl denkbar wäre, und gönnt die Zeit Dauer, so erscheint sie bald in den wunderbaren Taten, bald in den wunderbaren Kunstdarstellungen sichtbar und erfreulich für viele. – Unserm Grafen sollte diese Dauer nicht werden! – Die Besorgnisse der Gräfin Dolores waren durch manche Zufälligkeiten, die einem besorgten Gemüte niemals fehlen, sehr gesteigert worden; der Graf, der allerlei arbeiten mit frischer Liebe umarmte, hatte sie in der letzten Zeit seltener und flüchtiger besucht, bei der Fürstin dagegen hatte er sich oft lange verweilt, weil diese an allen den arbeiten den lebendigsten und gebildetsten Anteil nahm, mit ihrem Urteile aufmerksamer machte, mit ihrem verständigen Beifalle ermunterte. Dolores hatte in dieser Zeit oft an ihren Johannes denken müssen, es tat ihr weh, dass er alle Belustigungen der andern Kinder, ihre kleinen Reisen, nicht mitgeniessen durfte; sie glaubte sich verpflichtet und tat es so gern, ihm recht oft schriftliche Nachricht von den Seinen nach dem Kloster zu schicken; die Gesinnung des Sohnes hatte diesem Briefwechsel bald eine sehr ernste religiöse Gesinnung mitgeteilt. Heimlich trug sie sich schon lange mit einem Plane, den ihr Klelie vergebens auszureden suchte, ihrem Johannes in Rom die Erlaubnis zu schaffen, aus dem Kloster in den ritterlichen heiligen Johanniterorden überzugehen; dem Grafen war dieser Plan sehr angenehm; aber sie wusste nicht, wie sie es dem Sohne auf eine recht reizende Art darstellen könnte. Ihr letzter Brief an ihn trug es ihm endlich ausführlich vor, wie viel Glück noch in der Welttätigkeit warte, wie leicht er noch dazu gelangen könne, er schloss sich mit den Worten: "Lieber Sohn, wenn ich Deines Vaters tiefe unerschöpfliche Heiterkeit betrachte, diese Unendlichkeit, die sich seinem Gemüte in jedem Kreise erschliesst und wohltuend zu allen spricht, und soll dies alles nicht achten und nur für das Glück, für die Heiligung jenseit des Grabes ihm einen Aufentalt wünschen und erflehen, sieh, da stehen meine Gedanken stille, ich kann nicht glauben, dass diese Erde einer edlen Seele je ein blosses Jammertal werden könne, ich kann dieses Leben nicht jenem aufopfern. denke ich aller Tätigkeit, die Dein Vater auf dieses Leben verwendet, so vieler Erfolge, die ihm geworden, so vieler, die ich mit Zutrauen erwarte, denke ich meines eignen Herzens und meiner ganzen Sinnesart, die er in zärtlicher Liebe ohne Härte, ohne Zwang gebessert hat, es ist mir unmöglich zu sagen, dies alles sei eitel und nichtig, und ich hätte eigentlich alle meine Gedanken auf Gott zu richten und seiner zu vergessen. Dieser Tätigkeit für andre bist Du durch das Klosterleben für immer entzogen, Du siehst die Menschen selten und nur in ihrem tiefsten Kummer, im Aufhören ihres Lebens usw." Erst am vierzehnten Juli, es war der Tag ihrer alten Schuld, an welchem sie immer früh aufstand, um lange beten zu können, erhielt sie die Antwort ihres Johannes, er lehnte das Anerbieten ab, nicht weil er sein jetziges Leben für löblicher halte, sondern weil es ihm notwendig, ihm Bestimmung sei; übrigens erklärte er sich ganz frei, dass er ihre Gesinnung über das Glück und die Tätigkeit dieses Lebens teile, dass diese Meinungen von der Eitelkeit und Nichtigkeit dieser Welt Missverständnisse wären, dass unser Glaube eine Religion des Lebens, weder der Freude noch des Jammers einzeln und abgesondert sei, dass ihn dies vor allen auszeichne, die entweder die Not der Welt hinter Lügen zu verstecken suchten, oder den armen Menschen in seinem Jammer und Not und Schwachheit mit hämischer List anfielen, um ihn sich zuzueignen; dass aber die letzte Art leider auch manchen so genannten christlichen Lehrer verführe. Er schloss mit den Worten: "Du siehst liebe Mutter, dass ich mit dem reinsten Ausdrucke meines Glaubens mich nur wenigen in meinem Kloster verständigen kann, nie werde ich darum streiten, denn Christus, der aller Welt und allen Völkern in so verschiedener Gestalt erschienen, allen als Hingebung und Aufopferung aus Liebe, warum sollte der uns im Kloster, die wir aus verschiedenen Völkern, Ständen und Bildungen zusammengekommen, in der Betrachtung gleich sein; in unsern Herzen fühlt er sich gleich."
Dieser Brief hatte die Mutter ungemein getröstet; welche Freude ist es einer Mutter, von ihrem Sohne belehrt zu werden, sie dankte dem Himmel in ihrer kammer für die gnädige Führung ihres Lebens und segnete ihre Kinder, die vor dem Fenster sich auf einem platz herumtummelten. Mitten in dieser Freude überraschte sie der quälende Gedanke, warum der Graf sie den Morgen nicht besucht habe, und während sie noch darüber nachsann, sah sie ihn, mit der Gitarre eilig nach dem Gartenhause der Fürstin gehen, sie erschrak und wollte es sich nicht gestehen warum; auch ihrer Schwester gestand sie es nicht, die zu ihr ins Zimmer trat und sie in Tränen fand; doch hatte diese geliebte Schwester bald die Freude, sie mit mancher Erzählung von glücklichen Einfällen der Kinder zu einer heitern Laune über zu führen. So wenig Klelia sonst sprach, so unerschöpflich war sie, jedem Traurenden etwas mitzuteilen, was ihn beruhigen oder zerstreuen konnte. Als die Herzogin sie verlassen, blickte Dolores noch einmal ein schönes Christusbild an, das den kleinen Altar erfüllte, sie schlug die