, was sie verdient, das gibt sie mir, Schläge sind ihr ganz recht, machte ich aber Miene von ihr zu ziehen, ich wäre meines Lebens nicht sicher." Jetzt kam sie wieder ins Zimmer, und die Husaren sangen ihr ein Lied von Mademoiselle Pumpernelle, worüber sie alle ausschimpfte, und von guten Sitten und Leuten von stand sprach; der Minister hatte unterdessen nach seiner Zeche gefragt, und da ihn der Wirt für seine Lebermahlzeit mehr als für das köstlichste Mittagsmahl bezahlen lassen wollte, so schimpfte sich der Erbprinz mit ihm herum. Es war ein gewaltiges Lärmen; der Minister zahlte aus Überdruss, der Erbprinz und Furiosa begleiteten ihn an den Wagen, wo der Minister noch einmal jenem den Vorschlag wiederholte, den Abschied zu nehmen und ihm nach Sizilien zu folgen, und ihm eine volle Börse einhändigte. Furiosa fing darüber an zu schimpfen, der Erbprinz wurde böse, und schlug wild auf sie ein – mitten in dieser wunderlichen Liebesverwirrung entrollte der Wagen mit unsern Reisenden. Sie kamen glücklich nach Rom, und wollten sich eben recht umsehen, als ein neuer Brief des Schreibers den Minister die Reise zu beschleunigen nötigte. Schon früher hatte er dem Grafen seine Ankunft angezeigt, mit der Bitte, weder den Seinen noch der Fürstin etwas davon bekannt zu machen, bis er einen zweiten Brief von ihm erhalten.
Sechzehntes Kapitel
Schluss der geschichte
Wunderbares Nachdenken, ew'ges Schaffen, du unsichtbare Sonne, in der die Taten reifen, die begebenheiten in ewigem Wechsel von Frühling zu Frühling fortschreiten; allgegenwärtiger Strahl, der übers Meer und in die Tiefen leuchtet, während er die Höhen zugleich vergoldet, wo ist dein Sitz und deine Quelle? Dieser sterbliche Körper ist dein Zeichen und ein göttliches Zeichen, aber was herrlich im allgemeinen Leben, das denket alles in Gott, alle herrlichen Gedanken sind Strahlen seiner Liebe, Gottsöhne vom Heiligen geist empfangen, so mannigfaltig hat sich verkündet der Herr allen zeiten, allen Völkern; wie die Wärme durchdringt er die kalte Welt und regt sie an zu neuer Verbindung. Wehe dem, der sich diesem göttlichen Strahle verschliesst, und in eigener Lust sich der allgemeinen Liebe verschliesst; immer enger ziehen sich die Schranken seiner Gedanken, er glaubt die Welt zu gewinnen und verliert sich selbst, alles entfremdet sich ihm, er versteht keine gute Seele und keine gute Seele versteht ihn mehr, und seine Liebe und sein Hass und seine Taten und sein Leben, alles ist scheinbar und nichtig. Ein Tag innerer Versündigung kann den Menschen um ein halbes Jahrhundert an Geist, Erkenntnis und Durchdringung alles Lebendigen schwächen und veralten – wie der Schäfer in alter Erzählung, von bösen Geistern in einer Zauberhöhle festgehalten, heimkehrt und nur einen Tag versäumt zu haben meint, aber die Welt, die Jahrhunderte fortgerückt ist, weder kennt noch versteht, auch sein Haus nicht wiederfinden kann, so geschieht auch dem Sünder; darum hütet euch vor dem ersten Falle, die ihr das Licht und die Anschauung der Welt liebt. Seit jener unseligen Nacht am Ätna, in der die Fürstin sich ihrer leidenschaft, die sie vorher noch zu bekämpfen strebte, ganz hingegeben, war ihr der Geist in allen seinen Kreisen verwirrt und verfälscht; mit keiner Seele konnte sie sich eigentlich verständigen, in allen Wesen irrte sie sich. In Kleliens Gesellschaft ergriff sie eine wunderliche Beklemmung, sie hasste sie deswegen heimlich und wusste sich den Grund nicht anzugeben. Gegen Dolores empfand sie ein eigenes Mitleiden, das sie sich nicht gestehen wollte, deswegen machte sie sich oft unter mancherlei Vorwand von der Gesellschaft los. Der Graf hatte allmählich durch ein tieferes Eindringen in die Künste ein gewisses sinnendes Wesen bekommen, das ihn der Fürstin noch reizender darstellte, ihn aber noch viel mehr verhinderte, die leidenschaft, die sie für ihn gefasst und der sie nachhing, zu bemerken; er meinte in der achtung, die er gegen sie hegte, dies sei die höchste ideale Freundschaft, die je ein Weib erfasst. Sie glaubte in jener Sinnigkeit seines Wesens, die bei dem ernsten Ausdrucke seines Gesichtes, bei dem Schwärmerischen seiner Augen einen eigentümlichen Ausdruck hatte, eine Trauer über seine gegenwärtigen Verhältnisse zu entdecken, ja sie deutete diese und die schöne Aufmerksamkeit, mit der er jeden ihrer Wünsche zu befriedigen suchte, als eine liebevolle Erinnerung jener Nacht, von der er nur aus Rücksicht für ihr Zartgefühl nicht zu sprechen wagte. Der Graf war nie so heiter in sich gewesen, als in dieser Zeit, nie so voll in Gedanken, nie so fertig und reich in allen seinen Tätigkeiten; was er unternahm, gelang und Klelie hatte sich nicht mehr zu beklagen, dass er seine gemeinnützigen arbeiten über eigne Ausbildung versäume. Die Fürstin gab ihm mit ihrer Empfänglichkeit für jede Kunst, mit ihrem freien Urteile alles das, was er je in seiner Nähe vermisst hatte; sein Leben hatte etwas himmlisch Vollendetes, wie es auf Erden nur kurze Zeit dauert und meist in seiner höchsten Erwartung gestört wird. Vielleicht mochte sich auch die Fürstin in ihrer Wahrnehmung über eine gewisse Traurigkeit in ihm nicht ganz irren, sie irrte sich nur in der Ursache. Es ist die natur vieler Menschen, wenn sie sich recht wohl fühlen, blass zu erscheinen, während sich eine Kränklichkeit durch eine scheinbar blühende Farbe verkündet: so zeigte auch wohl der Graf in den Stunden seines höchsten geistigen Wohlseins und schöner Erfindsamkeit eine sanfte sinnige Trauer, die in dem Sonnenglanze des Glücks den Augen so wohltuend erscheint wie die dunklere Farbe alles Grüns in den heissen Sommermonaten