, empfängt dessen Geist und Erfindung.
Ein kleines Abenteuer störte bald unsre Gesellschaft in ihrer gewöhnlichen Unterhaltung. Sie erhielten einige Stationen von Rom, wegen mehrerer an Reisenden verübten Räubereien, einen Husaren zur Bedeckung, der dem Minister und seinen Begleitern sehr auffiel; dem Minister rief er seine eigne Jugend vollständig zurück, die anderen bemerkten wenigstens eine auffallende Ähnlichkeit zwischen beiden. Sie liessen sich mit ihm in ein Gespräch ein: es war ein Deutscher, der schon lange in französischen Diensten, aber weder sein angeblicher Name Frohreich, noch der angegebene Geburtsort Camin waren der Gesellschaft bekannt. Er sprach viel über seinen Dienst, und versicherte, dass wenn er gleich nur Gemeiner wäre, so könne er doch wohl bei guter gelegenheit Marschall werden, und die ganze Armee, wie er Lust hätte, rechts und links vor sich vorbei marschieren lassen, auch könnte er sich nicht über Langeweile beklagen; hätten sie nichts mit dem Feinde zu tun, so gäb es desto mehr Streit mit den Kameraden, erst gestern habe er eine zusammen gehauen – dabei rieb er sich ganz vergnügt die hände. "Heute", fuhr er fort, "gibt's gewiss noch was mit den Räubern, ich sah schon vorher so etwas schleichen; an dieser Stelle wurde vor acht Tagen der Schirrmeister einer Post erschossen." – Diese Betrachtung machte die Gesellschaft aufmerksamer. Nach einiger Zeit rief der Postillion einige unverständliche Worte; es war sehr finster, er jagte schnell, die Mamsell drückte sich mit klopfendem Herzen an den Minister. – In dem augenblicke hielt der Wagen; der Kammerjunker griff nach den Pistolen, der Minister fragte: "Wer da?" – "Wir sind auf der Station", antwortete der Husar, der zugleich mit mächtigen Stössen gegen die Tür eines Hauses die Ankunft der Reisenden verkündigte. Der Wirt machte fluchend auf; die Reisenden traten in ein Küchenzimmer voll Husaren; sie wünschten zu essen, und der Wirt versprach gleich ein vollständiges Nachtessen. Er nahm zu diesem Behuf ein paar Lebern von einem Haken herunter, hackte, kochte, briet in ihrer Gegenwart; seine Frau sah ganz bequem zu, und befahl nur zuweilen, was er dabei nicht vergessen sollte. In einer Stunde hatte er ein vollständiges Mahl bereitet: Lebersuppe, gekochte Leber, Leberbraten, es schmeckte den Hungrigen recht gut. Der Husar wurde mit zum Essen genötigt; seine Kameraden fingen an, darüber zu reden, dass er nicht bei ihnen geblieben; der Husar antwortete beleidigend und einer von jenen, die viel getrunken hatten, forderte ihn. Alles das verhandelte sich so heftig, wie es bei Soldaten geschieht; unsre Gesellschaft, die einmal Partei für den jungen Mann genommen, war so besorgt um ihn, dass sie das Essen stehen liess. Endlich sprach der Minister, bloss um den Streit abzulenken, indem er unter die Streitenden trat: "Nehmt Vernunft an, warum sollte er nicht mit mir essen, es ist mein Sohn." – "Wenn das ist", sagte der Heftigste, "so nehmt nicht übel, was ich gesprochen; Ihr hättet das früher sagen sollen, ein Vater, der muss geehrt werden, sonst aber muss einem Husaren die Kameradschaft über alles gehen." – Es wurde augenblicklich Ruhe; alle tranken die Gesundheit des Vaters und der Husar setzte sich zum Minister, sah ihn ernstaft an, und sprach deutsch: "Wenn ich nun wirklich Ihr Sohn wäre?" – "Fast meine ich es selbst", antwortete der Minister. – DER HUSAR: "Ich war nicht immer, was ich jetzt bin, und habe viel vergessen, aber Ihren Namen, den ich vorher hörte, habe ich doch behalten; warum sind Sie nach Italien gekommen, Sie hatten sich in Deutschland ein kleines Italien erbaut." – Der Husar erzählte einen Umstand nach dem andern, endlich die geschichte, wie er wäre bei der Einweihung des Palastes die Treppe heruntergefallen, so dass der Minister mit den Worten, "bei Gott, der Erbprinz", ihm um den Hals fiel. – "Still", sagte der Husar, "ich bin's, hier aber kein Wort davon; wüssten es meine Kameraden, da wäre ich von allen geschoren, wie ich schon jetzt als Ausländer viel auszustehen habe; sprechen wir nicht zu viel in unsrer Sprache, sie möchten Argwohn gegen mich bekommen." – Der Minister suchte ihn zu bereden, ihn zur Mutter nach Sizilien zu begleiten. Der Erbprinz versicherte aber, er könne nicht von diesem Leben lassen, endlich wüsste doch keiner, wozu es ihn führen könne, in einer Zeit, wo jeder von unten auf gedient haben müsse, um oben fest zu stehen. – Hier unterbrach der Eintritt einer braun gebrannten Marketenderin, die ein Fässchen auf dem rücken trug, die Unterredung; alle schrieen ihr entgegen, sie wies alle mit derben Worten von sich, dem Husaren warf sie sich um den Hals und biss ihm in die Backe, dass er hellaut aufschrie; sie sprach mit ihm abwechselnd deutsch, französisch und italienisch, rühmte ihn in sehr freien Worten, dabei ass sie stark von dem stehen gebliebenen Abendessen. "Hör Furiosa", sagte der Erbprinz, "soll ich dir das Genick brechen, du isst den Herren alles vor der Nase weg." Sie fluchte und ging hinaus. Der Husar sagte: "Ich fürchte mich vor keinem Menschen in der Welt, aber die fürchte ich, sie ist seelengut