ewig wacher Zuruf. MUTTER. Kannst du nicht bleiben, so verlässt mich Gott, Und wie ein Unrecht scheinet mir mein Unglück. KIND. Ach Mutter, ist denn Gott nicht unter uns, Wir sind ja drei, so sind wir die Gemeine, Wie sprichst du so, nein, Gott verlässt uns nie, Wenn wir uns lieben in der ew'gegen Liebe. MUTTER. O hör dein Kind, wie es so herrlich spricht; Der Kinder stimme ist oft Gottes Wille. VATER. Ich folg der Stimm, es ist bedacht, es sei, Es muss das Schmerzlichste von mir geschehen, Ich opfere mein eigenes Leben auf, Wir leben nun für dieses Kind zusammen; Nimm du die linke Hand, ich nehm die rechte, Auf dass er lerne lieben und auch fechten. KIND. O Vater, wenn ich nur genug dich liebe; O Mutter, wenn ich nur für dich kann fechten! VATER. Es trägt mich des Entschlusses eigne Kraft, Mit Übermacht hat Gott den Stolz bezwungen. MUTTER. Vergebens ist das Scheuen vor dem Leben, Was menschlich ist, dem sei der Mensch ergeben; O teurer Freund, ich tat dir heute Unrecht, Du wolltest mir heute wohltun mit dem kind. Ich folg dir ganz, es kommen andre zeiten, Im Herzen dieses Kindes schlägt das meine, Und deine Klugheit wache über beide. VATER. Sei dieses liebe Kind uns selbst ein Lehrer, Wo uns die alte Zeit mit Zorn ergreift, Gefühl und Klugheit muss sich immer beugen Vor einer Zukunft, die sie selbst erst zeugen. KIND. Ihr sagt euch da so ernste, ernste Worte, Und mich vergesst ihr hier wohl zwischen euch. Ich geb euch alles, was ich hier besitze: Da hast du, Mutter, diese Myrtenkrone, Da hast du, Vater, das verlorne Schwert, O lass mir nur den Ring, den vielgeliebten! VATER und MUTTER. Du bist der Ring von zweien Vielbetrübten, Die neu verbunden, die sich einstmals liebten. VATER. Wir sind auf ewig wiederum verbunden. MUTTER. Dein Wille ist der meine nun auch immer. VATER. Wohl dem, der einmal nur geliebt im Leben, Das Schicksal will ihm goldne Hochzeit geben, Mich drückt das Gold, es zittern meine hände, Doch fühle ich, dass nie das Leben ende. KIND. So küsse doch den lieben Vater, Mutter. VATER. Ich küsse dich, das Kind befiehlt es mir. MUTTER. Ach was der Ernst und die Vernunft geschieden, Ein Kinderspiel auf dieser Welt hienieden. KIND. Hörst du fern im dorf singen, Luft und Düfte zu uns dringen Aus der tiefen Himmelsstimme. MUTTER. Ach zu uns im ernsten Grimme. VATER. Wie so oft war uns zum Spotte unsrer Diener Sonntags-Schmücken. KIND. Ach so hört doch zu, dem Gotte, Der in seligem Entzücken. VATER. Wehe, nun ist eine Stille! MUTTER. Aber dem versöhnten Freunde Tönt nun höher Gottes Wille Aus der himmlischen Gemeinde. KIND. Führt mich, wo die Glocken schlagen. VATER. Das Gewissen anzusagen. KIND. Wo die Freuden alle klingen, Musst du hin mich heute bringen. VATER. Ach wie kühlend in der Hitze! Haben wir denn dort auch Sitze? MUTTER. Gittersitze wir da haben, Wo die Eltern sind begraben. VATER. denke, wie Sonntags sie versöhnten, Wann sie sich entzweiet hatten, Und wir beide, wir verhöhnten Oft die Lieb der alten Gatten. MUTTER. Und sie blieben so in Frieden, Und wir waren lang geschieden; Eilen wir zur Kirche wieder. KIND. Gott, der spricht zu uns durch Lieder, Alle Stimmen er vereinet. MUTTER. Einsam hab ich lang geweinet. VATER. In der Kirche klingt die Freude, Eilen wir aus allem Leide, Und die leidend Gott gefunden, Zeigen sich da Gott verbunden. VATER und MUTTER. Seit wir in dem Sohn verbunden, Haben wir auch Gott gefunden, Und kein Mensch darf uns mehr scheiden, Uns, die Gott geprüft in Leiden! Der Minister war während der Vorlesung sehr nachdenklich geworden, beim Schlusse fuhr er heraus: "Sagt, wie könnt ihr so manches wissen, was gerade so in meinem inneren gesprochen, bei einer allgemeinen Verfälschung der geschichte, die mir deutlich beweist, dass ihr nichts davon gewusst, sondern nur herum geraten habt." – "Das Menschliche", antwortete der Kammerjunker, "woran wir einander kennen und verstehen, ist in jeder Brust, das Historische wissen nur wenige." – "Wahrhaftig", meinte der Minister, "ich fange an, noch ehe wir aus den Sümpfen kommen, eure Poesie zu glauben; wir sind durch Lebensalter geschieden, wir verstehen uns erst allmählich."
Meinen Lesern, mit denen ich mich auf der gemeinschaftlichen Reise durch diese geschichte allmählich auch verständigt habe, wird es nicht entgangen sein, wie das Dichten, insbesondre aber das dramatische in das Leben der einzelnen Menschen eingreife. Wir sahen dies in der geschichte Hollins, des kleinen Johannes, und in den beiden eben mitgeteilten Schauspielen; möge uns dies ein Bild werden, wie ein echtes Volksspiel auf das ganze Leben eines ganzen Volkes einwirken könnte; nur darum, weil unser Schauspiel unserm volk, seinem Streben und Glauben meist so entfernt ist, geht es der Menge so gleichgültig vorüber, und wird mit dem Augenblicke vergessen; wer sich dem volk anschliesst