mit rascher Hand ins Meer, Ich könnte später an der Falschheit zweifeln; Nein ich bewahr Sie, mich zu überzeugen, Wie hoch mein Glauben überm Leben stand. MUTTER. Wie stimmen Ihre Reden schlecht zusammen, Ei wie geziemt sich das bei ihrer Klugheit, Die mir vorher so ganz ergeben sprach. VATER. Das war mein Spott, ich wollte Sie versuchen, In unserm Alter ist die Liebe Spott. MUTTER. Das wollte ich; so überwiesen ganz, So ganz beschämt sollt einst ein Staatsmann, Vor mir, vor einem Weib in Torheit stehen; Sie glaubten einen Augenblick mich zärtlich, Ihr Angedenken ist in mir verflucht. Getäuscht zu sein, ist Ihre höchste Strafe, So hören Sie mich jetzt, Sie sind getäuscht. – Ihr holden Blumen, ach verzeiht den Zorn, Ich fühl mich schlecht in diesem Augenblicke, Doch ist's der letzte, den ich so verbringe, Und wie der Schall der Worte schnell verrauscht. Verzeih es Luft, du bist schon allzu schwül, Gewittervoll, dass ich kaum atmen kann, Und bin ich schuldig, treffe mich der Blitz. Jetzt hören Sie die letzten Worte an. Was Ihre Absicht war an diesem Tage, Die Sie so weit zu mir hieher geführt, Ich weiss es nicht, ich kann es nicht erraten. Es ist vergebens jegliches Bemühen, Und mit dem Ring, den ich vom Finger nehme Und werf ihn in die freie weite Welt, Ist jedes Band gelöst, was noch Erinnerung hielt: Wir sind geschieden und es sei für immer. VATER. Wir sind geschieden und es sei für immer. Vertrauend baut sich an der Mensch in Jahren Ein kleines Haus zu seines Alters Schutze, Die Erde bebt, zerstört's im Augenblick, Auf seinen kahlen Scheitel fällt der Regen, Doch auch die Sonnenstrahlen, die ihn wärmen. Ich fühl mich ruhig, ich verliere nichts, Nur der ist frei, den nichts auf Erden hält.
4.
KIND kommt mit einem Schwerte und einem Myrtenzweige und findet den weggeworfenen Ring. O Vater, sieh den schönen Ring recht an, Ich fand ihn in dem Lilienkelche schweben, Es ist ein Schlänglein, das in Schwanz sich beisst, Ein roter Stein blitzt herrlich aus den Augen. Ach dass am Ring kein Anfang und kein Ende, Sonst würde das schöne Tier wohl auch noch gehen, So kunstreich ist es durch und durch gebildet, Und scheint aus ganz lebend'gem Gold gedreht. Du siehst so heftig, Vater, und du sprichst kein
Wort,
Du schiltst doch nicht, dass ich so lang geblieben, Es war kein Schatz am Myrtenstrauch zu finden, Ich fand dies Schwert dort, darf ich's tragen? Ich will das Feindliche der Welt bestreiten. Ach Vater sag, wer ist denn diese Frau, Die schöne Frau, wenn sie nur liebreich wäre. MUTTER. Ist dies Ihr Kind, so sind Sie zu beneiden. Es ist zu liebreich, nein, Sie sind nur Pfleger. VATER leise zur Mutter. Gedenken Sie der Schicklichkeit vor Kindern! Wär dies nun unser Kind, das früh verstorbene. MUTTER. Sie wagen es, an jenen Mord zu denken! VATER. Gedenken Sie der Schicklichkeit vor Kindern! Ich meine fast, der Knab hat Ihre Augen. MUTTER. Wer denkt an alle Schicklichkeit der Welt, Wenn hier ein Abgrund, dort ein offner Arm. Ich rufe dich natur, gib Helferarme, Bewahre mir, was du mir hast verliehen; Ist dies mein Kind, was ich gestorben glaubte, Das Sie aus Eifersucht mir früh entrissen Und mir so bald als tot verweigerten? KIND. Ach ja, ich bin's, ich bin gewiss dein Kind, Ach wüsst ich eine Mutter nur zu lieben. VATER. Sie leben hier so unabhängig jetzt, Was brauchen Sie noch andrer Menschen Liebe. MUTTER. O gib Gewissheit mir, ob es mein Kind, Ich bin dir dann auf ewig untertänig. VATER vor sich. Wo soll das hin, wer kann die Folgen sehen, Der Ärger hob die Überlegung auf. MUTTER. Gewissheit, sieh ich knie vor dir schon lange, Du schweigest still den blick von mir gewandt. O sprich, sonst stürz ich mich in dieses Schwert, Das mich schon früh in deinem Hass verwundet. VATER. Es ist dein Sohn; ich wollte ihn dir bringen Und mit euch leben in Vertraulichkeit; Jetzt ist das aus, erfreu dich dieses Knaben, Doch wandern wir noch heute fort von hier. KIND. O liebe Mutter, liebe süsse Mutter, Dich hab ich gleich erkannt, wie ich dich sah! MUTTER. O lieber Knabe, meiner Liebe Lust, Ich ahndete sogleich, du seist mein Sohn. KIND. Ach Mutter, wie wird dich der Vater lieben, Er hat so oft die arme ausgebreitet, Bang über mir nach dir o Mutter seufzend. VATER. Das ist vorbei, das ist nun ganz vorbei, Jetzt macht euch fertig, nehmt den schweren
Abschied.
KIND. Ach lieber Vater, bleib doch immer hier, Ich kann nicht fort von meiner lieben Mutter. MUTTER. O lasse mir mein Kind nur wenig Stunden, Ich lieb dich ja in ihm, ich kann nicht mehr. VATER vor sich. Es rühret mich ihr Flehen tief im inneren, So muss mir denn das Schmerzlichste geschehen, Muss ohne Liebe sehen die Vielgeliebte, Und alter Lieb Erinnerung stets in ihr Wie des Gewissens