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, Im ruh'gegen Land ein innrer Feind zu sein. Als Schlange musst Geliebte ich belauschen Der Liebe Schein auch zwischen drängend nehmen; Der Freundschaft hingegebne Worte nutzen, Was ich für mich, beim Himmel, nie getan. Gesellschaft, die ich hasste, musst ich wählen, Und die gemütlich mir, kaum heimlich sehen, Ein Kartenspiel aus blosser Ehre suchen, Die Nacht vergähnen, Morgen zu verlieren, Und reden, wo ich lieber schweigen mochte. So wurden bessre Menschen selbst zu Schatten, Die der Erscheinung regelrechte Stunden halten, Sonst liess sich nichts von ihnen weiter fordern, Und bin ich nicht im inneren ausgestorben, So war's die Lieb zu dir, die mich erhielt. MUTTER. O leugne nicht, da ich's dir leicht verzeihe, Ich kenne dich und deiner Treue Sinn. VATER. Du weisst es, liebes Weib, dir log ich nie, Bedürfnis, Lust, die habe ich befriedigt, Doch dir blieb stets getreu mein liebend Herz; Es schweigt das Herz in jenen höhern Kreisen, Und bleibt sich selber einzige Gesellschaft; Der Staat allein schliesst da des Umgangs Band, Für ihn ertrug ich selbst Beleidigung, Damit nicht Streit zur Unzeit ihn verflechte, Und dieser Staat, oft konnte er mich nicht schützen, Und was das Liebste, musste ich ihm opfern. MUTTER. O Gott, wie elend müssen sein die Völker, Dass solche Schande nur ihr Leben fristet. VATER. Verwirf nicht rasch, was du so wenig kennst, Denn du verwirfst auch mich, noch wirk ich drin, Wenn gleich mit traurig plagenden Gedanken. Was gibt dir Sicherheit und Wohlstand hier, Da rings Verheerung, Mord und Brand bei andern

Völker,

Aufopfrung ist was wert! würde mir wie Menschen, Wie andern Menschen wohl, nur einmal wohl, Ich hätte nicht die Kraft mich los zu reissen, Ich bliebe ruhig, liess der Welt den Lauf; Auch meine Unruh muss dem staat dienen. MUTTER. Hat nicht die Welt den Lauf nach Gottes Willen, Ich kann's nicht sagen, was ich innen fühle, Und weiss doch auch gewiss, ich habe recht; Nicht Menschenklugheit gibt der Welt den Frieden, Ihr müsst begeistert sein, es kommt von oben, Von aussen kommt doch nur Vergänglichkeit. VATER. Ha du gehörest auch zu jener myst'schen Welt, Die ich in Musenalmanachen merkte. Mein Kind, was Völker bildet und beherrscht, Ist nicht, was unbestimmt der Mund kaum lallet, Und wär's das Herrlichste, es ist nicht unser, Es spricht zur Zukunft erst und bildet sie; Die gegenwärt'ge Not will gegenwärt'ge Kraft, Die ganz gemeine, die in jedem wohnet, Sie zu ergreifen, ist des Herrschers Geist, Und sie zu lenken, dient des Staatsmanns Klugheit. Ist Menschenklugheit denn nicht Gottes Gabe? Wie sind Sie doch so altklug hier geworden? Weil Sie allein, drum widersprach auch niemand; Wo blieb das Schweigen, hört ich doch so gern Die lieben Worte: Ich verstehe es nicht. MUTTER. Und wie so kalt, wie steinern werden Sie! Wie hatte ich sonst von Ihrem geist Meinung, Und sprach schon nach, was ich noch kaum

vernommen,

Und jetzt verstehen Sie mich gar kein Wort. VATER. Ach die sich lieben, müssen sich verstehen, Ist dieses nicht mein Arm, die stimme mein, Ich bin derselbe, aber Sie sind anders. Bei Gott, ich übte doch die höchste Sanftmut, Was half es mir, ich fand nur Widerspruch, Kann Mund zum Mund sich finden, wo die Worte, Wie Pfeile sich in dunkler Nacht durchkreuzen: Nicht lieben, streiten lässt sich nur darin. MUTTER. So wollen wir mit Vorsicht weiter reden Und klug vermeiden, wo uns Meinung scheidet. VATER. Soll Mann und Frau nicht eine Seele sein, Die schlimmste Scheidung ist die Scheidung der

Gedanken;

Im Staatsamt bin ich klug, da brauch ich Vorsicht, Hier such ich offne arme, offnen Sinn. MUTTER. Jetzt suchen Sie, was Sie verschmähet haben. VATER. Lass dir erklären, wie es damals kam, Dass ich so leicht von dir mich trennen konnte: Ha deine Liebe trieb mich aus zur Tat, Wie köstliche Musik zu einem Tanze, Worin Musik und Takt dem Ohr verschwindet; Ich hab gewirkt mit allen meinen Kräften, Doch Sie, Sie haben sich in der Musik Vertieft, die stets aus Ihnen strömt mit Lust, Sie waren, ach zu lang, mit sich allein, Vernehmen auch kein Wort, was ich hier sage, Sie sind in eines schweren Zaubers Bann, Der Eigensinn hat Sie so fest umschlungen, Sie sind die Meine nicht, Sie sind nun seine Frau. MUTTER. Es ist vorbei, ja ganz vorbei auf immer, Es war doch alles nichts, ich merkt es gleich. Ich bin aus Ihrer Sklaverei, ich lieb Sie nicht, Aus meinen Augen fort, Sie tun mir weh: Es ist der letzte Kummer, den ich leide. VATER. Ja wohl vorbei, ja ganz vorbei auf immer, Ich war getäuscht von dieser lieben Hülle, Bewahrte lang die falsche Münze auf. Nun ich sie brauchen will, da sehe ich erst Der goldne Überzug zerrieb sich schon, Ich sehe klar, dass ich damit betrogen, Und den geliebten Schatz muss ich verwerfen. Soll ich vernichten, was mich so getäuschet? Und werf ich ihn