Doch ist der Trotz dir ins Gesicht geschrieben Mit deiner Augen ungelöschtem Feuer; Wer Schiffbruch litt, der trauet nicht dem Meere. VATER. Der Kluge fährt am liebsten mit dem Strome. MUTTER. Wie lebtest du, sei dies für mich ein Zeichen. VATER. Ein traurig Zeichen, denn ich lebte traurig. MUTTER. Dich zu verstehn, von dir verstanden werden, Es wär mir wert, du würdest dann mich ehren. VATER. Es ist zu hart, dass du die Ehre forderst, Du hättest sonst den Stolz wohl nicht gehabt, Ich hätte dir den Stolz sonst nicht verziehen, Und du erhöhst den Preis des buches Sibylle, In welchem meine Liebe eingetragen, Nachdem du immer mehr davon verbrannt. MUTTER. Nach alter Art wirst du unheimlich, Freund. VATER. Erst mache heimisch mich in diesen Wänden, Ich sehe dieses Haus so wohl erhalten, Kein Stein ist unersetzt vom Dach gefallen, Das ist doch sonst der Frauen Sache nicht. MUTTER. Wie schweifet deine Rede also fern. VATER. Weil mich die Nähe lässt so unbequem; Ist hier ein Hausfreund, dem ich Gruss muss
bringen,
Der meine Stelle hat bisher verwaltet? MUTTER. Ich wünschte, jede Sorg wär so zu lösen; Du hast von aller Lieb mich abgeschreckt, Auch litt dies nicht die Unabhängigkeit, Du warst der einzige, dem ich einst traute. VATER. Vertraue noch, lass uns das Glück versuchen, Ob es in diesem Haus sich wieder finde. MUTTER. Vertrauen lässt sich tauschen, nicht versuchen. VATER. So tausch erst aus den Argwohn mit der Hoffnung, Lass uns wie Fremde erst hier wieder hausen, Die nur Geselligkeit zusammenknüpft. MUTTER. Die je sich nah, die werden sich nicht fremd. VATER. O erstes Wort, das schön wie deine Lippen; Bald wird es heiter um uns sein, Wo deine Augen hellend hingewendet. MUTTER. Mein lieber Freund, versprich dir nicht zu viel. VATER. Dem Schönsten sammelt sich das Schöne gern, Vor deinem Tempel sinkt der Unruh Fluch, Die mich wie Furien umhergetrieben, Und diese Bäume scheinen mir die Schlangen, Die sich schon schlummernd an die Tür gelegt. MUTTER. Du fabelst ja wie in der alten Zeit. VATER. Die Tauben schweben girrend noch zum Giebel, Dann auf die Linde, die uns auch gewiegt, Das Meer rauscht noch mit seinem blauen wasser; Doch eine nur ist aus dem Meer gestiegen, Ihr hab ich in der Luft ein Schloss gebaut, Und find sie nun im eignen haus wieder; O dieser schönen Menschlichkeit in Göttern. Du lächelst meiner künstlich feinen Rede, Ach wie so modisch neu ist mir die Freude! MUTTER. Du hast kein freundliches Geschick erfahren, Doch ist dein Ruhm so gross, dein Einfluss würdig, Dass viele Frauen mir den Glanz beneiden, Den mir dein Name aller Orten leiht; Doch sehe ich dich, ich kann es nicht begreifen, Wie du Millionen Menschen führen magst. VATER. Ich wirkte auswärts, um mir zu entfliehen, Regieren war das Schwerste nicht im Leben, Die eigene Befried'gung fehlte mir: Ach wem das Beste fehlt, dem fehlt's an allem. MUTTER. Du sprichst wohl herzlich – doch du bist ein
Staatsmann.
VATER. Ein guter Staatsmann sei das Herz vom staat, Das gleich verteilt das Leben allen Gliedern, Und selber in der sichern Mitte tronet. MUTTER. So warst du in Geschäften gut zu haus, Was willst du nun in dieser stillen Hütte? VATER. Nein, ich war nirgends, nirgends mehr zu haus, Selbst der Geschäfte Reiz schwand meinem
Sehnen,
Das Neue konnte mir nur reizend scheinen, Die goldene Alltäglichkeit war nichts; An mich wollt sich Gewohnheit nicht gewöhnen, Was mir gewöhnlich ward, schien mir zuwider. MUTTER. Bald würde dich bei mir dasselbe quälen, Der Überdruss, wie einst in ferner Zeit. VATER. Warum ist mir denn jenes blaue Zimmer, In dem wir schliefen, stets noch in Gedanken, Das wir mit manchem Spielzeug angeordnet, Mit mancher Inschrift, manchem kleinen Bild, Das rätselhaft den Fremden, uns verständlich, So dass wir stets geheime Sprache führten; Oft wähnte ich im fernen Land erwachend, Vom Traum getäuscht, ich läg in deinem Zimmer, Ich läg an deiner Seite, holde Frau. MUTTER. O sieh an dieser Glut in meinen Wangen, Ob ich die gute Zeit nicht ganz gefühlt. VATER. Was ich seitdem bewohnt, sind wilde Höhlen, So ganz verhasst durch einsam wache Nächte. Ich mochte sie nicht schmücken und nicht ordnen, Dass ich nicht aussen fänd, was in mir fehlte; Erinnerung lag fern und unerreichlich, Und Reue folgte mir, dass ich's verscherzt, Was meines wahren Lebens Ernst und Sinn; Für wen ich sorgte, wusst ich nicht zu sagen, Und was ich tat, das war voraus mir sorge. Ich hatte Furcht und sollte Zutraun wecken, Verantwortung ruht schwer auf dem Gesandten, Doch schwerer auf dem waltenden Minister, Vertrauen darf ihn nimmer unterstützen, Er muss es brauchen, aber nimmer teilen. MUTTER. Er muss es brauchen, aber nimmer teilen, Und die Gewohnheit sollte dir nicht bleiben? VATER. O lehr mich nicht, noch an mir selber zweifeln; Ich musste vieles tun, was ich nicht glaubte. Ja kommt man heim mit Orden, goldnen Dosen, Da scheint es leicht, das schelmische Geschäft