Glocken Töne,
Wenn Lust sie nicht zu Melodieen band:
Ein Augenblick umschloss die Ewigkeit,
Und dreizehn Jahre werden Augenblicke!
Wer sieht der Flur wohl an vergangne Jahre,
Wenn sie den Frühling noch am Busen trägt,
Entgegen, entgegen mit offener Brust,
Mit klopfendem Herzen der nahenden Lust. Hält
inne.
Nein, so bezwingen soll mich selbst die Freude
nicht,
Erst hör ich, was sie mit sich selber spricht.
3.
MUTTER kommt langsam ohne den Vater zu
merken.
Woher der wunderbare Knabe war? Er grüsste mich und eilte dann vorbei. Ach Mutterherz, ach wär doch so dein Sohn! Und ich war so betäubt vom Angedenken, Dass ich mit keinem Wort ihn hergeladen. Was trieb mich heute auch zum Myrtenstrauche; Da war es geistig und erinnernd voll Von schmerzlich wandernden Gedankenreihen, Als zög vor mir ein Trauerchor vorüber. Da war es, wo ich mit dem mann stand, Wo er in töricht leerer Eifersucht,
Dass ich vor ihm, eh' ich ihn jemals kannte,
Schon einen Jüngling herzlich angeblicket,
Sein Schwert ergriff, und mir den Arm verletzte,
Den ich zum Schutze ängstlich vorgehalten,
Wohl sehe ich noch die fast verwachsne Narbe.
Als da mein Blut fiel rot auf weissen Stein,
Ergriff ich einen Myrtenstrauch zur Stütze
Und flehete vom Himmel, mein vergessend,
Ein Kind so rot wie Blut, so weiss wie Schnee,
Dass meines Mannes Liebe wieder mein! –
Mir ward Gewährung, doch die Eifersucht
Des harten Mannes raubte es sogleich,
Es ist gestorben, lieget dort begraben;
Ob er es umgebracht, ich glaube's gewiss
Aus mancher Rede zweifelhaftem Sinne,
Auch mit dem Kind wollt er die Lieb nicht teilen:
Ach auch die Liebe wird im Schlechten schlecht,
Und mit Entsetzen schied ich mich vom mann,
Verzweifelnd ging er in die Welt hinein.
Sie geht zu ihrem Tische.
Ein Wandrer hat das Frühstück mir verzehrt,
Er ahndete, dass mir heute weh ums Herz.
Da steht ein Fremdling, ist's der wohl gewesen,
Es ist nicht recht, doch litt er sicher Not.
Hör Wanderer, du scheinest zu erwarten,
Dass ohne Bitten ich dir geben soll,
Weil du schon nahmst, auch ohne anzufragen? VATER vor sich. Sie kennt mich nicht, ihr himmlischen Naturen, So hat auch Gott die eigne Welt vergessen, Und dieser Gruss war sicher nicht der rechte: Dem Elend steht das Unglückshaus sonst offen, Ha ich will zeigen, dass ich Herr im haus. laut: Ja wohl wir sind nur Wanderer auf Erden. MUTTER. Wie, sprachest du im Augenblick mit mir? Wie muss ich doch dabei so weitin denken. Du kommst zur guten Stunde; willst du bitten, So bitte, was dir gründlich könnte helfen; Bedarfst du eines Kleides, bitte frei, Ein gutes Mahl ist obenein bereit. VATER. Ich bitte viel, ich bitte dich zurück; Die stimme kanntest du, verkenn mich nicht. MUTTER. Wie ist mir, nehmt ihr Büsche hier Gestalt, Ist dies ein Seegesicht aus leerem Dunst? O Gott! kann ich die Stunde überleben, Bist du der Geist des zornig wilden Mannes? VATER. Begegne auch dem geist liebevoll. MUTTER. O nein, du bist es nicht, dein Zorn schlägt Falten In deiner Stirn, du dürftest ja nicht zürnen. VATER. Die Falten, die der Zorn sonst stürmte Vorübereilend auf der glatten Stirn, Die pflügte später ein des Irrtums Gram, Dass Weisheit legt darin den reichen Samen. MUTTER. O Weisheit sprich, wer soll dich denn nun ernten, Da du so viele Jahr zum Säen brauchst. VATER. So nimm mich hin, du reiche Erntegöttin, Und heb die Garbe auf zur vollen Brust. MUTTER. Du rührest mich, wie bist du alt geworden, Und suchest nun, was du so lang verschmähet. VATER. Nun bring ich dir die Liebe ungeteilt, Die einst so reich auch mehreren genügte; O fänd ich deine Lieb auch ungeteilt. MUTTER. Du sprachst von Weisheit erst und nun von Liebe. VATER. Ich glaube an beide, möchte sie vereinen, So wird mir die vergessne Freude wieder. MUTTER. Nicht unsrer frohen Tage kann ich denken. VATER. Ach ohne sie wär mein Gedächtnis Nacht. MUTTER. Und doch bist du im Überdruss geschieden, Kein lebend Band ist zwischen uns geblieben. VATER. Vielleicht war dies des himmels klügster Segen, Der uns das Kind in der Geburt entriss, Denn damals waren wir noch unvereinbar, Und Feuer würde in ihm mit wasser zischen Und was das Schlimmre sei, das würde sich zeigen. MUTTER. Lass uns, wie du's gewollt, geschieden bleiben. VATER. Ich kann nicht, was ich will, ich will nur, was Ich kann – wir sind gesetzlich nie geschieden. MUTTER. Bereitet bin ich nicht so ernst zu reden, In weicher Lässigkeit lebt ich die Zeit, Mein Anwalt wird dir leichtre Auskunft geben, Ich sage dir, ich lass mir nicht gebieten, Wie ich es einst als kind'sches Mädchen litt. VATER. Sei unbesorgt, ich lernte mich nun beugen, Und beugen oder brechen muss das Herz. MUTTER. Ich sage dir, ich hab mich sehr verändert, Mein ganzes Innre hat sich selbst befestigt, Seit ich mich keinem Menschen hingegeben. VATER. Ich bin so sanft, dass ich dich fast bewundre. MUTTER.