Ich klage nicht, ich freue mich nur anders; Wer sich nicht arm stellt, kriegt vom Glücke
nichts,
Ganz heimlich sammle ich den Schatz der Not. Doch helfen kannst du mir. Bist du noch müde? KIND. Ich bin bereit, ich springe ja schon weiter. VATER. Wo willst du hin? Hast du es schon vernommen. KIND. Ich dachte, wir müssten eilend weiter ziehen. VATER. Noch nicht; was willst du denn schon fort von hier, Wie, sollte das mir gar ein Zeichen sein? Hör zu, du sollst mir etwas Wertes holen: Du siehst den duftbelegten Wiesenplan, Die Sonne atmet in die Welt so warm, Das helle Meer läuft zitternd himmelan, Und scheinet mit dem Himmel schon zu leben, Und ferne heben sich die Wolkenfelsen, Als wollten sie sogleich darauf gewittern; Bist du nicht bang allein dahin zu gehen? KIND. In freier Luft hab ich mich nie gefürchtet. VATER. Kömmst du hinaus nun über jene Wiesen, So geh zum vögelklingenden Gehölze, Dann findest du dich bald am weissen Felsen, Der jähe wie vom Meer zurückgeschreckt, Halb zweifelnd, ob er sich hinein soll stürzen, Das Ende einer Welt bezeichnen mag; Zerstörung nagt darin in Wind und Wettern. KIND. Du warst wohl lange hier, dass du den Ort Mir also deutlich stellest vor die Augen, Als hätt ich ihn in alter Zeit gesehen. VATER. Wohl war ich hier! Jetzt höre mit Bedacht. Auf diesem Abhang steht ein Myrtenstrauch; Erst war er klein, nun ist er sicher gross, Den reisse aus mit allen seinen Wurzeln, Denn unten liegt ein Schatz, den bringe mir. KIND. Kaum halt ich mich! Ich hob schon manchen
Schatz,
Der in der Erde neidisch war versteckt. VATER. Viel alte Scherben, die du heilig ehrtest. KIND. Du weisst es nicht, wie ich sie angesehen. VATER. So halte heilig, was du dort gefunden; Du Leichtsinn weisst doch noch den Ort zu finden? KIND. Wohl weiss ich Wiese, Busch, den Fels, die Myrte. VATER. Du kannst nicht fehlen, ferne wirst du hören Ein schwärmerisch entsetzlich Klagen von den
Vögeln,
Die schwarzen baden sich im Meer, um weiss zu
werden,
Die weissen baden sich darin, um sich zu
schwärzen,
Vergebens, schwarz wird schwärzer, weiss wird
weisser,
Die höre ja nicht an, sieh auch nicht nieder. Der Boden wölbt sich, dass du überm Meere Ganz ohne Rettung hoch zu schweben scheinest, Und von dem Luftstrom eingesogen wirst, Da siehe ja nicht hin, verricht dein Wesen, Denn mit geheimer sehnsucht füllet sich das Herz Der Jugend nach des Meeres blauen Hügeln, Und jede Welle glänzt im Waffenschmuck
besonnet,
Den jungen Führer huld'gend zu begrüssen. KIND. O Vater, wo du bist, da ist mein Hoffen. VATER. Recht gut, mein Kind, doch hör mich jetzt auch
aus.
KIND. Ich weiss schon alles, alles bring ich dir. Ab. VATER. Fort ist er. Wie er leicht den Boden rührt, Es ist, als wär er nicht von dieser Welt, Und noch so kindisch ist sein ganzes Wesen, Doch immer wie in einem andern Sinn. Der Blumenstrauss von seiner Hand gebrochen, Er ordnet sich geheimnisvoll in Farben, Recht wie ein Regenbogen andrer Art, Darob die Leute staunend sich erfreuen Und wissen nicht, was sie so tief entzückt. Ich will es nicht und muss ihn oftmals kränken, Er sagt es nicht und darum muss er leiden; Mich treibt's zu oft, das Schmerzliche zu fühlen, Das Bittere zu sagen, weil das Stumme, Das Stumpfe mich viel bittrer quälen kann; So fühl ich mich ganz hingerissen jetzt, Ganz lebhaft jener Vögel Ton zu denken, Viel widriger als irgend Scharren, Reissen; Es ist der Misslaut, der zum Leben worden, Verruchte Wollust, lachen nicht, kein Klagen, Jetzt musst du weichen, du verruchter Misslaut.
Er geht unruhig auf und nieder.
Wie alle Lebensalter in mir schwanken,
Und keines kann sich meiner ganz bemeistern,
Ein Kindskopf bin ich oft mit weissen Haaren.
Als ich mein Schwert am Hochzeittag begraben,
Dort unterm Myrtenbaum beim Vogelschreien,
Da freute meine Jugend dieses Schrecken,
Denn das vollendete zum Mann mein Wesen.
Was mich zur sicheren Gestalt umflossen,
Der Lebensquell, den rings die Welt ergossen,
Hat mich umsteinet, dass ich so viel Fremdes
Bewusstlos wie mein eigenes brauchen muss.
Es ist der harte Stein, der mich umschlossen,
Wenn ich bewusstlos einem wehe tue,
Denn wo ich's weiss, da mag ich's gern vergüten.
Hier muss ich viel vergüten und entschuld'gegen,
Und wenig kann ich ihr zum Troste sagen,
Wird sie dies wenige auch wohl beachten?
Sie wird's. Sie wird entschuld'gegen mich und deuten,
In ihrer sehnsucht werde ich schuldlos sein;
O wie sie mich geliebt, so liebt doch keine.
Wer kommt da? Pochst du nicht, mein ahndend
Herz,
Du fühlst wohl nicht genug, bist du so tot!
Was hast du dich denn taglang so gestellet,
Als wenn nichts Schönres dir begegnen könne.
Sind's dreizehn Jahre, dass ich sie nicht sah?
Mir ist wie gestern! Langsam gehen die Stunden,
Wenn unser Leben fiebernd stille steht,
Und doch vergesslich wie der