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Umfliesset ihn ein sel'ger Schimmer,
Und alles ist ihm einerlei.
Sie fasst die Hand, dem Knaben schaudert,
Sie ziehet stark, der Knabe lacht,
Kein Augenblick sein Mut verzaudert,
Er zieht mit seiner ganzen Macht,
Und hat sie kräftig überrungen
Die Königin der dunklen Welt,
Sie fürchtet harte Misshandlungen
Und bietet ihm ihr blankes Geld.
"Mag nicht Rubin, nicht Goldgeflimmer",
Der starke Knabe schmeichelnd spricht,
"Ich mag den dunklen Feuerschimmer
Von deinem wilden Angesicht."
"So komm zur Kühlung mit hinunter!"
Die Königin, ihm schmeichelnd, sagt,
"Da unten blüht die Hoffnung bunter,
Wo bleichend sich das Grün versagt.
Dort zeige ich dir grosse Schätze,
Die reich den lieben Eltern hin,
Die streichen da nach dem gesetz,
Wie ich dir streiche übers Kinn."
So rührt sie seiner sehnsucht saiten,
Die sehnsucht nach der Unterwelt,
Gar schöne Melodien leiten
Ihn in ihr starres Lagerzelt.
Gar freudig klettert er hinunter,
Sie zeigt ihm ihrer Adern Gold,
In Flammen spielt Kristall da munter,
Der Knabe spielt in Minnesold.
Er ist so gar ein wackrer Hauer
Mit wilder Kühnheit angetan,
Hat um sein Leben keine Trauer,
Macht in den Tiefen neue Bahn,
Und bringet dann die goldnen Stufen
Von seiner Kön'gin Kammertür,
Als ihn die Eltern lange rufen
Zu seinen Eltern kühn herfür.
Die Eltern freuen sich der Gaben
Und sie erzwingen von ihm mehr,
Viel Schlösser sie erbauet haben
Und sie besolden bald ein Heer:
Er muss in strenger Arbeit geben,
Worin sie prunken ohne Not.
Einst hört er oben festlich Leben,
Den trocknen Kuchen man ihm bot.
Da kann die Kön'gin ihn nicht halten,
Mit irdisch kaltem Todesarm,
Denn in dem Knaben aufwärts wallten,
So Licht als Liebe herzlich warm.
Er tritt zum Schloss zum frohen Feste,
Die Eltern staunen ihn da an,
Es blickt zu ihm der Jungfraun Beste,
Es fasst ihr blick den schönen Mann,
Im Bergkleid tritt er mit zum Tanze
Und hat die Jungfrau sich erwählt,
Und sie beschenkt ihn mit dem Kranze,
Er hat die Küsse nicht gezählt.
Da sind die Brüder zugetreten
Und seine Eltern allzugleich,
Die alle haben ihn gebeten,
Dass er doch von dem Feste weich.
Da hat er trotzig ausgerufen:
"Ich will auch einmal lustig sein,
Und morgen bring ich wieder Stufen
Und heute geh ich auf das Frein!"
Da hat er einen Ring genommen,
Vom Gold, wie es noch keiner fand,
Den hat die Jungfrau angenommen,
Als er ihn steckt an ihre Hand,
Dann sitzt er froh mit ihr zum Weine,
Hat manches Glas hinein gestürzt;
Spät schwankt er fort und ganz alleine,
Manch liebreich Bild die Zeit verkürzt.
Die Lieb ist aus, das Haus geschlossen
Im Schacht der reichen Königin;
Er hat die tür eingestossen
Und steigt so nach Gewohnheit hin.
Die Eifersücht'ge hört ihn rufen,
Sie leuchtet nicht, er stürzt herab,
Er fand zur kammer nicht die Stufen,
So findet er nun dort sein Grab.
Nun seufzt sie, wie er schön gewesen,
Und legt ihn in ein Grab von Gold,
Das ihn bewahrt vor dem Verwesen,
Das ist ihr letzter Minnesold.
Die Eltern haben ihn vergessen,
Da er nicht kommt zum Licht zurück,
Und andre Kinder unterdessen
Erwühlen neu der Erde Glück,
Und bringen andre schöne Gaben,
An Silber, Kupfer, Eisen, Blei,
Doch mit dem Gold, was er gegraben,
Damit scheint es nun ganz vorbei.
Die Jungfrau lebet nur in Tränen,
Die Liebe nimmt der Hoffnung Lauf
Und meint in ihrer Hoffnung Wähnen,
Ihr steh das Glück noch einmal auf.
Glück auf! nach funfzig sauren Jahren
Ein kühner Durchschlag wird gemacht,
Die Kön'gin kämpfet mit den Scharen
Und hat gar viele umgebracht.
Sie hat gestellt viel böse Wetter,
Die um des Lieblings Grabmal stehen,
Doch Klugheit wird der Kühnen Retter,
Sie lassen die Maschinen gehen;
Da haben sie den Knaben funden
In kalten Händen kaltes Gold,
So hat er sterbend noch umwunden
Die Königin, die ihm einst hold.
Zur Luft ihn tragend alle fragen,
"Weiss keiner, wer der Knabe war,
Ein schöner Bursche, zum Beklagen,
Gar viele rafft hinweg das Jahr,
Doch keiner je so wohl erhalten
Kam aus der Erde Schoss zurück,
Denn selbst die flüchtigen Farben walten
Noch auf der Wangen frohem Glück;
Es sind noch weich die starken Sehnen,
Es zeigt die Tracht auf alte Zeit,
Er kostete wohl viele Tränen,
Jetzt kennt ihn keiner weit und breit."
Die Jungfrau war tief alt geworden,
Seit jenem fest, wo sie ihn sah,
Spät trat sie in den Nonnenorden
Und geht vorbei und ist ihm nah;
Sie kommt gar mühsam hergegangen,
Gestützt auf einem Krückenstab,
Ein Traum hielt sie die Nacht umfangen,
Dass sie den Bräut'gam wieder hab.
Sie sieht ihn da mit frischen Wangen,
Als schliefe er nach schöner Lust,
Gern weckte sie ihn mit Verlangen,
Hier stürzt sie auf die stille Brust.
Da fühlt sie nicht das Herz mehr schlagen,
Die Männer sehen verwundert zu:
"Was will die Hexe mit dem Knaben,
Sie sollt ihm gönnen seine Ruh.
Das wär doch gar ein schlimm Erwachen,
Wenn er erwachte, frisch gesund,
Und sie ihn wollte froh anlachen
Und hätte keinen Zahn im Mund."
Jetzt schauet sie sein