essen Sie doch, ich fand es lange nicht so gut gerieben, ein wahres Meisterstück. Ein ausserordentlicher, ein verfluchter Herr, der Grieche! Er tut mir auch Schaden, die Fürstin nimmt zwei Singestunden weniger. DER MALER. Ist er denn ein Freund von der Kunst? DER KAMMERDIENER. Was ist denn das, die Kunst? DER MALER. Die Kunst, ja, sehen Sie, die Kunst ist nun eben die Kunst. Ich bitte um ein Glas Eis, es tut doch gut in solcher warmen Zeit. – Ja, wo blieb ich stehen, die Kunst, müssen Sie wissen, die Kunst bei einer Fürstin, ich setze ein Beispiel an mir, ich bin ein Maler. DER KAMMERDIENER. Wenn nun die Fürstin allerlei Schildereien kauft, so ist sie eine Kunstfreundin. DER MALER. Sie wissen es schon, der eine muss es machen und der andere bezahlen. Ich habe nun eine ganze Reihe Landschaften von vier Zoll Breite und drei Zoll Höhe bis fünf Fuss Breite und vier Fuss Höhe; ist wohl im schloss noch eine leere Wand, wo sie sich gut machen würden, es soll Ihr Schade nicht sein; hier ist meine Taxe, just wie mit den Spiegeln für jeden Quadratzoll mehr, ein Taler. Noch ein Glas Eis, damit mir nicht eine Seite schwerer wird, als die andere. DER MUSIKER. Was kommentieren Sie denn jeden ihrer Bissen, sehen Sie, ich nehm ein Glas und schmeiss es in das Meer, dass auch die Fische mitgeniessen; nicht wahr Herr Kammerdiener, hier geht alles ganz ins Grosse. DER KAMMERDIENER. Es ist doch schad ums Glas, denn schmiss man Sie zum Haus hinaus, so wär's doch schad um Ihren Rock. Es ist nur beispielweis. DER MUSIKER. Ja wir verstehn uns, alter Freund. Seht noch ein neuer Gast, der Bildhauer mit dem Buckel. Wo seid Ihr denn so lang geblieben Packenträger, Ihr habt nicht mitgekonnt, wir gingen doch zu gleicher Zeit aus. DER BILDHAUER. Das nennt ihr Kraft, den Weg mit schnellen Schritten so kurz zu treten, dass er gar nichts ist. Was ist denn jetzt das Beschwerliche? Die Sonne! Und ich bin so viel länger in der Sonne geblieben, also habe ich viel mehr Beschwerliches ertragen als ihr, die ihr vorzeitige Geburten, halbgare Erdenklösse seid; und seht mich an, ich spring euch noch übern Stock, als käme ich eben aus dem Bette; und vor dem dorf hab ich erst eben eine hübsche Grasschneiderin beim Kopf genommen, vorige Nacht war ich bei der Marquise und heute morgen hab ich einen Zentner Marmor zur Bewegung abgeschlagen. DER MALER. Ein rechter Michelangelo; drück nur einmal, wenn du bei Kräften bist aufs Überbein an deinem rücken, vielleicht vergeht es noch, du bist noch jung. DER BILDHAUER. Ich weiss nicht, was du hast mit meinem Buckel; ich habe mich erst heute noch im Spiegel angesehn, ganz nackt, es ist bloss der Unterschied zwischen rechter und linker Seite, die ihr bei Stieren auch bemerkt. Du bist auch der einzige Mensch, der das findet, ich frage dich, du jämmerlicher Musikant, ich bin nicht gerade schön gewachsen, aber – DER MUSIKER. Nicht gerade, ist so viel wie ungerade, und das muss wahr sein. DER BILDHAUER. Herr, Ihr seid ein Esel. DER MALER. Leid's nicht, steck ihn unter den Tisch, wir wollen ihm Tritte geben. DER BILDHAUER. Ich schlag euer Hirn gegen die Mauer, wie ein faul Ei, wer wagt's. DER KAMMERDIENER. Ihr Rekel, könnt ihr denn nicht Frieden halten, wenn ihr Geschäfte machen wollt, es ist ja euer eigener Vorteil. DER BILDHAUER. Ich bin zu unmässig im Zorn, verzeiht ihr Freunde, meine Leidenschaften bringen mich ums Leben. Wie gefällt meine neue Alabasterlampe. Luna, wie sie den Endymion küsst. DER DICHTER eintretend.
O dieses Meeres süsse Füsse,
Wie kühlen sie der Nymphen leichte Füsse,
Sie laufen nach
Um mit der Well zu spielen,
Doch ach
Sie müssen sich umwunden fühlen,
Demütig schmeichelnd scheint die Liebe erst,
Gebietend ist sie, wenn du sie erhörst.
DER MUSIKER. Willkommen, werter Freund, ich will gleich
musizieren,
Womit Sie eben jetzt die Ohren mir berühren. Sie sind im schönsten Kreis von einem
Kunstvereine,
Was fehlet uns noch jetzt, die Fürstin ganz alleine. DER DICHTER. O heil'ger Tag, der mich an diese Schwelle, In seinem heitern Laufe bringt, Und wie ein Bach, so irrt ich in der Helle, Bis jede Welle an der Schwelle klingt, Da endet mir des himmels öde Leere, Ich fühle Mich wiederklingend endlos in dem Meere, Und Einklang in dem ewigen Gewühle. O welches Leben ist mir nun beschieden, Seit ich mein neblig Vaterland gemieden. DER MUSIKER. Hier ist das Land der Kunst, doch ist es etwas heiss, Beliebt es Ihnen auch, ich nehme ein Glas Eis. DER DICHTER. O welches fromme Haus, Hier stösst mich keiner aus. O welche milde Hand Hat Labung mir gesandt; Ich armer Knab ging aus Mit einem Blütenstrauss, Und wollt ein wenig sehen, Woher die Lüfte wehn, Die milde zu uns dringen, Dass alle Kehlen singen. O Haus voll sanfter Luft, O Haus voll reichem Duft, Auch Früchte find ich hier, An deiner offnen Tür.