, grüsste und sang weiter:
Wie der Frühling wieder waltet,
Neugestaltet ist mein Glück.
ER antwortend.
Weisse Blüte sich entfaltet
Hell in deiner Unschuld blick.
HYOLDA.
Unschuld findet hier den Frieden.
JOHANNES.
Frieden finden hier die Müden.
HYOLDA.
Alle wasser sanken nieder
In der warmen stillen Flur,
Ew'ge Feinde wurden Brüder
In der himmlischen natur.
JOHANNES.
Keiner kann sich mehr begreifen,
Was ihn hielt in Stahl so fest,
Nun sie leicht durch Wälder schweifen
Baut die Taub im Helm ihr Nest.
HYOLDA.
Als wenn gar nichts wär geschehen,
Sieht das neue Grün uns an.
JOHANNES.
Pfauen stolz die Farben drehen,
sehen die bunten Nelken an.
HYOLDA.
Diesen Baum hab ich gepflanzet,
Diese Blumen rings gesät.
JOHANNES.
Die der Schmetterling umtanzet
Und den Duft zum Himmel weht.
HYOLDA.
Unvergänglich ist Vertrauen.
JOHANNES.
sehnsucht kennen nur die Frauen.
HYOLDA.
Blätter dringen zu dem Himmel,
Worte dringen aus dem Mund,
Sel'ge Fülle, froh Gewimmel,
Grün ist Hoffnung, Freude bunt.
JOHANNES.
Wie die Farben nieder sinken
Von dem Himmel tagelang,
Alle Wesen froh sie trinken,
Hoffnung such ich oben bang.
HYOLDA.
Und ich muss hier niedersinken,
Hier an meiner Rasenbank,
Betend zu dem Himmel winken:
Bleibt der Vater denn noch lang?
JOHANNES.
Alte Priester, heil'ge Bäume,
Alte Freunde, bleibt ihr stumm?
HYOLDA.
Hörst du nicht der Vögel Träume,
Und der Bienen summ, summ, summ?
JOHANNES.
Nein, der Vater müsste kommen,
Dass mich freute der Gesang,
Bienenfleiss wär mir willkommen,
Dass der Tag mir nicht so lang.
HYOLDA.
Mach uns beide nicht beklommen,
Frühlingsluft macht schon so bang.
BEIDE.
Wie in den gewohnten Orten
Mir des Vaters Bild noch weilt,
Also mein ich, dass von dorten
Er schon grüssend zu uns eilt,
Süsse Täuschung, schnell verschwunden
Hast uns doch mit Lust umwunden.
HYOLDA.
Süsse Täuschung wie im Bache,
Ich dein Bild verdoppelt sah.
JOHANNES.
Schwimmend Auge, wache, wache,
Wenn der Vater mir bald nah.
HYOLDA.
Wenn es doch recht bald geschähe,
Sag es Kuckuck in dem Wald.
BEIDE.
Kuckuck rufend in der Nähe,
Wie von Vaters stimme schallt!
Schmerzen wusst ich zu ertragen,
Aber diese Freude nicht,
Frühling hilf mir Freuden tragen,
Dass mein Herz davon nicht bricht.
Wirklich hatte sich der Graf an der Seite des Johannes leise herangeschlichen und Kuckuck gerufen; er umarmte ihn bei diesen Worten und drückte ihn an sein Herz. Alle Kinder liebten ihn wunderbar; er war zu gleicher Zeit ihres gleichen und ihnen so überlegen, ging in alle ihre Freuden ein und wusste alle zu einer Hauptwirkung zu führen; mit stummer Freude küsste er den lang entbehrten Sohn. Wir müssen uns von einer leidenschaftlichen Bewegung der zärtlichen Hyolda jetzt nicht erschrecken lassen, sie hielt sich nicht am andern Ufer, sie sank in den Strom, um zu Vater und Bruder zu gelangen; sie konnte nicht schwimmen, aber ihre sehnsucht und der Strom trugen sie dienend an eine tiefere Stelle aufs Land, als der Vater, der es zu spät bemerkte, sich eben ins wasser stürzen wollte, sie heraus zu heben. Es war in dem ganzen Ereignis zu viel Schönes, zu viel Glück; er konnte ihr keinen Vorwurf machen. Nachdem sich alle dreie ihrer Vereinigung herzlich gefreut hatten, so schickte er Hyolda fort, um die Kleider zu wechseln; er selbst ging mit Johannes zu der Fürstin, die mit ihrer Würde, ihrer Annehmlichkeit diesen Sohn so wie die andern Kinder für sich einnahm, ihn auch durch das Geschenk einer herrlichen Madonna hoch beglückte. Er sprach gern mit ihr, und doch sehnte er sich nach dem Kloster zurück; was ihn erfreute, schien ihm ein vergänglicher Rausch gegen jene feste Ruhe seiner Seele, die ihn dort erfüllte. Jetzt wurde er zur Herzogin gerufen, die von einer Fahrt zurückgekommen, ihn mit Liebe empfing, mit Andacht hörte und aus innerster Seele zu ihm sprach. Sie gab ihm in dieser einsamen Stunde seine Erhebung über die Ereignisse der Welt zurück; sie sprachen mit einander viel Herrliches über die Stufen der geistigen Erhebung und über geistige Führung; sie verstanden einander ganz, und darum kann es einem anderen ohne Enteiligung nicht mitgeteilt werden. Glücklich die Seele, die ihr Bestimmtes gefunden. Am Schlusse ihres einsamen Gespräches wünschte Klelia, dass Johannes ihr eine Messe in ihrer Schlosskapelle lesen möchte. Er tat nach ihrem Wunsche; sie selbst spielte die prächtige Orgel, deren unerwarteter mächtiger Ton alle Bewohner des Schlosses, auch Dolores dahin zog. Johannes las mit hohem Sinne und Anstande; nie war eine Mutter seliger, als Dolores, kein Vater glücklicher als Karl; aber wie schmerzlich war der Abschied, als Johannes nun wieder für ein Jahr scheiden musste. – "Wir sehen uns wieder, wer weiss wie!" rief ihm die Gräfin nach. Johannes ging ernst und ohne Umschauen aus der tür. Der Schreiber begleitete ihn und seine beiden Ordensgeistlichen weiter als alle andern. Johannes erzählte ihm unbefangen den ganzen Tag, verweilte mit Rührung bei dem Vorfalle mit der Schwester, den dieser begierig ergriff, um daraus eine geschichte zu bilden, wie er sie in seinem weltlichen Sinne lieber erlebt hätte. Wir wollen sie den Weltleuten zu Gefallen mitteilen.
Getrennte Liebe
Zwei schöne liebe Kinder,
Die hatten sich so lieb,
Dass eines dem